16.07.2018 07:33

DigitalisierungVerkehrs-App sagt gefährliche Stellen voraus

Ein Forschungsteam der ETH und Universität St. Gallen hat eine App entwickelt, die den Autofahrer frühzeitig vor Gefahren im Strassenverkehr warnt.

von
stv
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Eine neue App hilft Autofahrern, gefährliche Situationen zu erkennen – etwa an Fussgängerstreifen.

Eine neue App hilft Autofahrern, gefährliche Situationen zu erkennen – etwa an Fussgängerstreifen.

Pablo Gianinazzi
Hinter «Avertu» stehen drei Wissenschaftler der Universität St. Gallen und der ETH Zürich. Die App kann für Android-Handys heruntergeladen werden.

Hinter «Avertu» stehen drei Wissenschaftler der Universität St. Gallen und der ETH Zürich. Die App kann für Android-Handys heruntergeladen werden.

Pablo Gianinazzi
Die App ist im Hintergrund aktiv, wenn die Nutzer beispielsweise mit Google Maps am Autofahren sind. Dann blendet sie entsprechende Warnhinweise automatisch ein.

Die App ist im Hintergrund aktiv, wenn die Nutzer beispielsweise mit Google Maps am Autofahren sind. Dann blendet sie entsprechende Warnhinweise automatisch ein.

avertu.ch

Die App Avertu warnt Autofahrer vor Gefahrenstellen im Strassenverkehr und hilft so, Unfälle zu vermeiden. Seit kurzem ist sie für Android-Geräte erhältlich. Hinter Avertu stecken die Wissenschaftler André Dahlinger, Benjamin Ryder und Bernhard Gahr von der Universität St. Gallen und der ETH Zürich. Sie haben während drei Jahren an der Entwicklung gearbeitet und unter anderem mit dem TCS zusammengespannt.

Die App ist im Hintergrund aktiv, während Autofahrer etwa mit Google Maps oder einer sonstigen Navigations-App unterwegs sind. Sie sorgt dafür, dass die Warnungen während der Fahrt in diesen Apps eingeblendet werden, wenn sich Autofahrer einer gefährlichen Stelle nähern.

Datensätze der Astra

Die Warnhinweise stützen sich einerseits auf Datensätze des Bundesamt für Strassen (Astra), die in der App hinterlegt sind. «Diese Daten zeigen, an welchen Stellen sich Unfälle gehäuft haben und was die Unfallursache war», sagtt André Dahlinger.

Die Datensätze des Astra werden einmal im Jahr aktualisiert. So können neue Spots dazukommen oder wieder wegfallen. Da die App in Zukunft aber nicht nur Orte anzeigen soll, an denen bereits viele Unfälle passiert sind, sondern auch gefährliche Stellen voraussagen soll, wertet die App andererseits Daten aus, die während der Fahrt aufgezeichnet werden.

«Wir analysieren beispielsweise, an welchen Stellen vermehrt stark gebremst wird oder scharfe Manöver gefahren werden», sagt Dahlinger. Die Daten würden verschlüsselt und anonymisiert übertragen. «Wir können niemanden identifizieren.» Die App habe ausserdem einen Test der ETH-Ethik-Kommission überstanden und der User könne jederzeit die Löschung der Daten verlangen.

Warnungen in Auto-Navis

Die App befinde sich momentan noch nicht dort, wo sie die Entwickler haben wollten. Zum einen sollen die Features der Applikation in Zukunft auch für andere Apps verfügbar sein, zum anderen wollen sich die Entwickler mit Fahrzeugherstellern in Verbindung setzen, um die Warnungen künftig auch in den bereits eingebauten Navis einblenden zu können.

App warnt vor gefährlichen Stellen

Die App «Avertu» warnt vor gefährlichen Stellen im Strassenverkehr.

So sieht eine Beispielswarnung in der App aus. (Video: Avertu)

«So weit sind wir allerdings noch nicht», so Dahlinger. Für eine Weiterentwicklung sei das Forschungsteam auf die Feedbacks der Nutzer angewiesen. Dafür gibt es in der App die Möglichkeit, Nachrichten an die Entwickler zu senden.

Die Beratungsstelle für Unfallverhütung (BfU) begrüsst Applikationen wie Avertu. «Grundsätzlich unterstützen wir Technologien, die zur Verkehrssicherheit beitragen», sagt Marc Kipfer, Mediensprecher der BfU. Es existierten bereits Programme, die Verkehrsdaten auswerten würden. «Es ist allerdings sehr gut, wenn diese Möglichkeiten auch der breiten Masse zur Verfügung stehen.»

Mitfahrer sind gefährlich

In jedem vierten Auto, das in einen Unfall verwickelt ist, befinden sich einer oder mehr Beifahrer. Eine Studie der Beratungsstelle für Unfallverhütung (BFU) belegt nun den Einfluss der Mitreisenden. Ein höheres Unfallrisiko haben vor allem junge, männliche Autofahrer, in deren Auto weitere gleichaltrige Männer sitzen. «Manche Junglenker neigen zu einem gefährlicheren Fahrstil, wenn Altersgenossen dabei sind», schreiben die Autoren. Auch junge Frauen, die mit gleichaltrigen Frauen unterwegs sind, weisen ein höhere Unfallrisiko auf. Einen positiven Einfluss haben hingegen weibliche Passagiere, die mit jungen Männern unterwegs sind – die Männer fahren dann vorsichtiger, so die BFU. Auch ältere Mitfahrer üben einen positiven Effekt aus. Die Autoren weisen auf die allgemeinen Gefahren der Mitreisenden hin: Unterhaltungen im Auto seien riskant, weil sie etwa zu einer längeren Reaktionszeit führen könnten.

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