Ringen um Verkehrskonzept: Verkehrsfreie Innenstadt: Freie Fahrt mit Öko-Autos
Aktualisiert

Ringen um VerkehrskonzeptVerkehrsfreie Innenstadt: Freie Fahrt mit Öko-Autos

Der Grosse Rat überwies der Regierung am Mittwoch mehrere gewerbefreundliche Vorstösse zum Verkehrskonzept Innenstadt. Darunter auch die Forderung nach Pollern.

von
Lukas Hausendorf

«Was in anderen europäischen Grossstädten reibungslos funktioniert, stilisieren sie hier zur Katastrophe», empörte sich Dominique König (SP) über die Vorstösse zum Verkehrskonzept Innenstadt. Eigentlich wäre die Basler Altstadt seit Januar autofrei. Doch mit der Umsetzung der Verkehrsmassnahmen wartet man nun noch bis im Herbst zu. Zu vieles passte plötzlich nicht mehr – ganz besonders den betroffenen Gewerbetreibenden. Das provozierte mehrere parlamentarische Vorstösse, die nun am Mittwoch im Grossen Rat verhandelt wurden.

Die Katastrophe konnte aus Sicht des Gewerbes abgewendet werden. Einige ihrer zentralen Forderungen fanden im Rat eine Mehrheit. So wurde eine Motion von Martina Bernasconi (GLP) an die Regierung überwiesen, die eine durchgehende Zufahrt für Firmen mit Läden oder Produktion in der Innenstadt verlangt. Ein Passus verlangt, dass dafür Ökofahrzeuge verwendet werden müssen – diese müssen aber noch näher definiert werden. «Faktisch bedeutet das eine unbeschränkte Zulieferung aller Betriebe. Dann haben wir keine Fussgängerzone mehr», äusserte Verkehrsdirektor Hans-Peter Wessels (SP) sein Missfallen gegenüber dieser Forderung.

Poller: Die Lösung aller Probleme

Mehrheitsfähig sind auch Poller, die Heiner Vischer (LDP) in seinem Anzug zur Regelung der Zufahrten vorschlägt. «Sie sind die einzig effektive Möglichkeit zur Kontrolle und Regulierung der Fahrzeugzufahrten in die Innenstadt», so Vischer. Es brauche dahinter einfach ein intelligentes System. Demnach würden alle, die eine Zufahrtsberechtigung haben – etwa Handwerker, Notfalldienste und Anwohner – entsprechende Plaketten erhalten, mit denen sie die Poller versenken können. «In Bordeaux funktioniert das sehr gut», weiss Vischer.

Die versenkbaren Strassensperren kommen auch beim Gewerbeverband sehr gut an. «Das ist allerdings eine mittelfristige Lösung», sagt Direktor Gabriel Barell. Auch bei Pro Innerstadt, der Interessensvertretung der Ladengeschäfte in der City, ist man von der Idee angetan. «Das wäre das einfachste, wenn das perfekte System dahinter ist», so Geschäftsführer Mathias Böhm. Kurzfristig sollen Plaketten für Schlüsseldienste und andere Dienstleister, die dringliche Aufgaben zu verrichten haben, die Situation entschärfen.

Gewerbe grösstenteils zufrieden

Mit den nachträglichen Anpassungen des Verkehrskonzepts sind einige der zentralsten Bedürfnisse des Gewerbes nun berücksichtigt worden. Allerdings ist mit der Überweisung der entsprechenden Vorstösse und Motionen noch nichts in Stein gemeisselt. Jetzt kommt es darauf an, wie die Regierung den parlamentarischen Auftrag umsetzt. «Ich bin vorsichtig optimistisch», sagt Böhm. Beim Gewerbeverband ist die Anspruchshaltung indes eindeutig: «Das ist jetzt ein klarer Auftrag an den Regierungsrat», sagt Barell. «Wir werden darauf achten, dass die Vorstösse möglichst genau und rasch umgesetzt werden.»

Deine Meinung