Aktualisiert 16.05.2010 09:19

Harsche EinwanderungsgesetzeVerkehrskontrolle mit fatalen Folgen

Eine einfache Verkehrskontrolle hat die Studentin Jessica Colotl aus den USA ins Rampenlicht katapultiert. Sie wurde plötzlich zur Illegalen gestempelt.

von
Kate Brumback, AP
Einwanderungsgesetze unter Beschuss: Eine Demo gegen das Arizona-Gesetz in Los Angeles am 1. Mai 2010.

Einwanderungsgesetze unter Beschuss: Eine Demo gegen das Arizona-Gesetz in Los Angeles am 1. Mai 2010.

Der Fall der 21-Jährigen ist ein Paradebeispiel für die Probleme von Menschen, die seit Jahren illegal in den USA leben - und wegen einer Bagatelle plötzlich ihre ganze Existenz in Frage gestellt sehen. Colotl hofft nun, dass ihre Geschichte Bewegung in die Debatte über eine Reform des US-Einwanderungsrechts bringt.

Colotl wanderte im Alter von elf Jahren mit ihren Eltern aus Mexiko in die USA ein. Sie ging unbehelligt in Georgia zur Schule und begann im Herbst 2006 ihr Studium an der Universität Kennesaw bei Atlanta. Am 30. März dieses Jahres stoppte die Polizei die 21-Jährige wegen eines Fahrfehlers und erwischte sie ohne Führerschein.

Weil die Studentin keine Aufenthaltserlaubnis besass, wurde sie den Einwanderungsbehörden übergeben, die sie in eine Haftanstalt im benachbarten US-Staat Alabama steckten. Erst nach Intervention ihrer Universität kam sie Anfang Mai wieder frei. Die Einwanderungsbehörden erklärten sich bereit, den Fall ein Jahr lang ruhen zu lassen, damit Colotl ihr Studium abschliessen könne.

Doch schon am Mittwoch wurde erneut Haftbefehl gegen die junge Frau erlassen. Sheriff Neil Warren warf Colotl vor, sie habe nach ihrer Festnahme Ende März eine falsche Adresse angegeben. Ihr Anwalt erklärte dazu, seine Mandantin habe eine frühere Adresse genannt, weil diese noch in ihren Fahrzeugpapieren aufgeführt sei. Die Studentin stellte sich am Freitag der Polizei und wurde gegen Zahlung einer Kaution von 2500 Dollar wieder freigelassen.

Reform hängt im Kongress fest

Die 21-Jährige hofft nun, dass ihr Fall mehr Verständnis für die Probleme von Menschen schafft, die wie sie selbst in den USA aufgewachsen sind, aber über keine Aufenthaltserlaubnis verfügen. «Ich hoffe wirklich, dass aus dieser Sache etwas Gutes herauskommt, eine Reform des Einwanderungsrechts oder wenigstens das DREAM-Gesetz», sagte Colotl auf einer Pressekonferenz.

Die gebürtige Mexikanerin spielte damit auf einen Gesetzentwurf an, über den der US-Kongress schon seit längerem berät. DREAM, das englische Wort für Traum, steht in diesem Fall für Development, Relief, and Education for Alien Minors - zu deutsch: Entwicklung, Fürsorge und Bildung für minderjährige Ausländer. Der Gesetzentwurf sieht vor, dass Ausländer, die vor ihrem 16. Geburtstag in die USA eingewandert sind und mindestens seit fünf Jahren in den Vereinigten Staaten leben, unter bestimmten Umständen eine dauerhafte Aufenthaltserlaubnis erhalten können. Bedingung ist unter anderem, dass sie mindestens über einen High-School-Abschluss verfügen. So wie Jessica Colotl.

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