Au ZH: Verkehrssünder oder Unschuldiger?
Aktualisiert

Au ZHVerkehrssünder oder Unschuldiger?

Ein Autolenker aus Au hat während des Weihnachtsvorverkaufs eine junge Passantin auf dem Fussgängerstreifen angefahren und schwer verletzt. Vor Gericht beteuerte der Angeklagte seine Unschuld.

von
Attila Szenogrady

Der umstrittene Vorfall geht auf den Abend vom 19. Dezember 2007 zurück. Damals herrschte in der Zürcher Innenstadt wegen des Weihnachtsvorverkaufs ein grosses Gedränge. Auch vor dem Warenhaus Jelmoli, wo zahlreiche Personen die Uraniastrasse überquerten. Um 18.40 Uhr fuhr der heute 27-jährige Angeklagte aus Au bei Wädenswil mit seinem Personenwagen der Marke Smart von der Bahnhofstrasse her in Richtung Jelmoli.

Junge Passantin schwer verletzt

Laut Staatsanwaltschaft war der Schweizer Automechaniker mit rund 50 km/h unterwegs. Obwohl er auf dem Fussgängerstreifen zwischen den Warenhäusern Manor und Jelmoli plötzlich eine Fussgängerin erblickte, unterliess er es sein Tempo zu drosseln. Mit massiven Folgen. So erfasste er die Passantin, welche durch die Luft geschleudert wurde und am Boden liegen blieb. Die angefahrene Chemielaborantin hatte etliche schwere Verletzungen erlitten. Neben einem Schlüsselbeinbruch eine starke Hirnerschütterung, diverse Prellungen und massive Knieverletzungen. Die ehemals passionierte Springreiterin und Snowboarderin ist heute noch im Alltag gesundheitlich erheblich beeinträchtigt.

Hatte die Geschädigte Rotlicht missachtet?

Das gegen den Autolenker eingeleitete Strafverfahren entpuppte sich alles andere als einfach. So kam während den Ermittlungen heraus, dass die heute 22-jährige Geschädigte die Strasse womöglich bei Rotlicht überquert hatte. Was zwei Augenzeugen bestätigten, weshalb auch gegen das Unfallopfer wegen eines groben Verkehrsdeliktes Anklage erhoben wurde. Allerdings ohne Strafantrag, da die junge Frau durch ihre massiven Blessuren schon genug bestraft worden sei, hielt der zuständige Staatsanwalt gemäss dem Artikel 54 des Strafgesetzbuches fest.

Alle wollen Freisprüche

Am Dienstag standen sich die Parteien vor dem Bezirksgericht Zürich gegenüber. Alle wollten dabei Freisprüche. Einerseits die Geschädigte, die steif und fest behauptete, dass sie noch bei Grünlich auf den Fussgängerstreifen getreten sei. Andererseits der Angeklagte, der erklärte, dass sich seine Prozessgegnerin völlig überraschend aus der Menschenmasse gelöst habe und vor seinem Auto aufgetaucht sei. Er habe vor dem Zebrastreifen sogar ein Warnzeichen mit der Hupe gegeben, sagte er. Der Geschädigtenvertreter stufte dagegen das Verhalten des Autohalters als äusserst rücksichtslos ein. Der Staatsanwalt ging von einer fahrlässig schweren Körperverletzung aus und forderte für den Wädenswiler eine bedingte Geldstrafe von 20 Tagessätzen zu 50 Franken sowie eine Busse von 500 Franken. Das Gericht machte es darauf spannend. Es verzichtete auf eine Urteilseröffnung will den Entscheid den Parteien schriftlich zustellen.

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