Planeten-Dreher: Verkehrte Welten
Aktualisiert

Planeten-DreherVerkehrte Welten

Sechs Exo-Planeten stellen ein astronomisches Dogma in Frage: Sie umkreisen ihre Sonne gegen deren Drehrichtung.

Künstlerische Darstellung eines Exo-Planeten

Künstlerische Darstellung eines Exo-Planeten

Bisher glaubten Astronomen, dass alle Planeten ihre Sonne in der Richtung umrunden, in der sich diese um ihre eigene Achse dreht. Genfer Forscher haben nun aber ausserhalb unseres Sonnensystems sechs Planeten gefunden, die in entgegengesetzter Richtung kreisen.

Die Forscher um Didier Queloz vom Observatorium der Universität Genf untersuchten insgesamt 27 Exoplaneten, wie die Europäische Südsternwarte (ESO) am Dienstag mitteilte. Bei mehr als der Hälfte von ihnen stimmte die Umlaufbahn nicht mit der Drehachse des Sterns überein. Sechs Planeten umliefen ihren Stern sogar «verkehrt herum».

Exoplanet im Fomalhaut-System

«Auf dem Gebiet der extrasolaren Planeten werden unsere Ergebnisse wie eine Bombe einschlagen», sagte Doktorand Amaury Triaud vom Observatorium Genf, der die Ko-Leitung des wichtigsten Studienteils innehatte. Sie stehen nämlich im Widerspruch zu bisherigen Annahmen und bringen gängige Theorien zur Entstehung von Planeten gehörig durcheinander.

Gemeinsame Rotationsachse

Planeten entstehen in Gas- und Staubscheiben, die junge Sterne umgeben. Die Scheibe und der Stern rotieren gemeinsam um ein und dieselbe Drehachse. Deshalb hatten Astronomen bisher erwartet, dass Planeten, die sich in der Scheibe bilden, stets in dieser Richtung um den Stern laufen. In unserem Planetensystem ist dies tatsächlich der Fall.

Die neuen, auf dem britischen National Astronomy Meeting in Glasgow vorgestellten Untersuchungen widersprechen dieser Ansicht nun. Zudem sind sie nicht vereinbar mit der bisherigen Theorie, wie so genannten Hot Jupiters - heisse, jupiter-ähnliche Planeten - auf ihre sehr nahe beim Mutterstern liegenden Umlaufbahnen gekommen sind.

Die Forscher um Queloz schlagen einen neuen, komplexen Mechanismus für diesen Prozess vor. Dieser hätte aber eine Nebenwirkung, die der Suche nach Leben in vielen Sonnensystemen des Alls abträglich wäre: In Systemen mit «Hot Jupiters» könnten sich keine kleineren, erdähnlichen Planeten mehr halten, sagte Queloz.

Neun neue Exoplaneten

Möglich wurden die Studien unter anderem durch zwei Geräte, die am Genfer Observatorium gebaut wurden: Den HARPS-Spektrografen und das Leonard-Euler-Teleskop. Beide dienen der Jagd nach Planeten ausserhalb unseres Sonnensystems, so genannten Exoplaneten.

Von den 27 untersuchten Exoplaneten in der Studie haben die Forscher denn auch neun neu entdeckt. Es handelt sich um so genannte Transitplaneten, die von der Erde aus gesehen vor ihrem Mutterstern vorüberlaufen. Mit den neun neuen Planeten steigt die Zahl der bekannten Exoplaneten laut ESO auf 452.

(sda)

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