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18 Jahre ohne TitelVerkommt Deutschland zum ewigen Loser?

«Uns stoppt keiner mehr!» Deutschland strotzte vor dem EM-Halbfinal gegen Italien vor Selbstvertrauen. Der Traum ist geplatzt - seit 1996 wartet der Welt- und Europameister auf einen Titel.

von
A. Stäuble

Seit der WM 2006 scheitert Deutschland immer im entscheidenden Moment. Auch 2012 trifft dies wieder zu. Die Mannschaft von Jogi Löw absolvierte auch in Polen und der Ukraine ein gutes Turnier, war spielerisch gut und begeisterte die Massen. Aber dennoch reichte es wieder nicht für einen Titel. Insgesamt ist der dreifache Welt- und Europameister nun 18 Jahre titellos.

Jürgen Klinsmann und Joachim Löw haben der deutschen Nationalmannschaft 2006 zu neuem Glanz verholfen. Nach der EM 2004 und dem sieglosen Aus in der Gruppenphase sprach vor dem WM im eigenen Land kaum einer vom Titel. Dank begeisternden Auftritten rückte man bis in den Halbfinal vor. Dort war gegen Italien Schluss. Das Aus war bitter, dennoch wurde das Team von Hunderttausenden in den Stadien, Millionen vor den Fernsehern und in den Strassen gefeiert. Das Sommermärchen war geboren und die Stimmung hielt, auch als das Fussballfest längst vorüber war.

Als «Sieger der Herzen» kann man sich nichts kaufen

Zwei Jahre später stand das Team von Löw im EM-Final. Die Begeisterung in der Heimat war erneut grenzenlos, der Schrei nach einem Titel immer lauter. Doch es sollte erneut nicht sein. Spanien holte sich den ersten Teil vom «Double» und Deutschland zum vierten Mal den Vize-EM-Titel. Natürlich blieb am Ende der Titel «Sieger der Herzen», aber davon konnte sich Deutschland auch 2008 nichts kaufen.

Fussball-Legende Gary Linecker lag erneut falsch: «Fussball ist ein Spiel von 22 Leuten, die rumlaufen, den Ball spielen, und einem Schiedsrichter, der eine Reihe dummer Fehler macht, und am Ende gewinnt immer Deutschland», sagte der Engländer nach dem Halbfinal-Sieg von Deutschland an der WM 1990. Damals wurde die Mannschaft Weltmeister. 1996 Europameister. Seither heftet den Deutschen irgendwie das Loser-Image an. Eine Topklassierung ist zwar Programm, für den Titel reicht es aber nicht mehr.

Auch 2010 nahmen die Spanier den Siegerpokal mit nach Hause. Im Halbfinal blieb beim Siegeszug der Toreros erneut Deutschland auf der Strecke. Wieder waren die deutschen Auftritte in Südafrika aufregend, torreich und der Titel schien zum Greifen nahe. Den Schwung der Kantersiege gegen England (4:1) und Argentinien (4:0) wollte die Löw-Truppe mitnehmen. Doch die spielerische Leichtigkeit war im Halbfinal wie weggeblasen. Immerhin musste Deutschland nicht erneut nach einem Endspiel mitansehen, wie Spanien das Ding in die Höhe stemmt.

Die «goldene Generation» patzt

Die alte Leier wiederholte sich 2012. Obwohl Deutschland eine überzeugende Leistung bot (in der Gruppenphase fuhr man 3 Siege ein und fegte Griechenland im Viertelfinal mit einem Offensivfeuerwerk vom Platz), reichte es wieder nicht. Zur Abwechslung waren es nicht die Spanier - die aber im Final die endgültige Endstation hätten sein können -, sondern ein anderes, altbekanntes Schreckgespenst: Italien.

Auf dem Papier war es das wohl stärkste Kader seit dem Amtsantritt von Löw. Aber auch die «goldene Generation», die 2009 U21-Europameister wurde, konnte Deutschland den grossen EM-Pokal nicht bescheren. Bei der WM in Brasilien wird das Kader ähnlich stark sein. Es liegt auf der Hand, dass die «goldene Generation» auch dann wieder die Teamstütze bilden wird. Özil und Co. werden dann 26-jährig sein – weit entfernt davon, die Fussballschuhe an den Nagel zu hängen. Doch werden sie wieder im entscheidenden Moment versagen?

Deutschland sieht sich nicht als der ewige Zweite

Die Antworten darauf muss Joachim Löw suchen. Starr und fassungslos blieb er nach dem Halbfinal-Aus gegen Italien an der Seitenlinie stehen. Das abrupte Ende einer weiteren Titelmission setzte auch ihm zu. Noch hat Löw einen Vertrag bis 2014. Eine neue Philosophie braucht das Team nicht. Auch scheint es, als sei Löw der richtige Trainer, bloss kann man aus heutiger Sicht damit keine Titel gewinnen. Das ist ein grosses Problem, denn Deutschland ist keine Nation, die als ewiger Zweiter in die Geschichtsbücher eingehen will.

Daher stellt sich nun die Frage, was der Trainer bei seiner vierten Endrunden-Teilnahme ändern muss, damit an der WM 2014 der erste Titel seit 18 Jahren herausschaut.

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