Frankenschock: Verkraftet die SNB den 30-Milliarden-Verlust?

Aktualisiert

FrankenschockVerkraftet die SNB den 30-Milliarden-Verlust?

Das Mindestkurs-Aus sorgt bei der SNB für einen riesigen Verlust. 20 Minuten erklärt, wie es dazu gekommen ist und wer das Ergebnis zu spüren bekommt.

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cls/laf/kwo
Thomas Jordan, Präsident der Schweizerischen Nationalbank.

Thomas Jordan, Präsident der Schweizerischen Nationalbank.

Die Schweizerische Nationalbank (SNB) weist für das erste Quartal 2015 einen Verlust von 30,0 Mrd. Franken aus. Nach Aufhebung des Euro-Mindestkurses betrug allein der Verlust auf den Fremdwährungspositionen 29,3 Mrd. Franken. Wird die Nationalbank diesen Verlust verkraften? Diese und weitere Fragen beantwortet 20 Minuten.

Die SNB hat ein Minus von 30 Milliarden geschrieben. Wie kommt dieses Minus zustande?

Der hohe Verlust der SNB im ersten Quartal ist primär auf die ungünstigen Wechselkurse zurückzuführen. So verlor der Euro gegenüber dem Franken 13,1 Prozent an Wert, der Dollar 2,0 Prozent und das britische Pfund 6,9 Prozent. Umgerechnet in Schweizer Franken haben die Fremdwährungsbestände der SNB somit an Wert verloren. Trotz diesen Bewertungsverlusten konnte die Nationalbank im Vergleich zum Vorjahresquartal ihre Fremdwährungsbestände umgerechnet um 21,1 Milliarden Franken steigern. Der Grund: Die SNB kaufte massiv Fremdwährungen, um den Franken zu schwächen.

Kann die SNB das Minus verkraften?

Ja. Die Bilanz der Nationalbank hängt stark von Kursschwankungen ab. Im Jahr 2013 etwa erlitt sie wegen des Goldpreisverfalls einen Verlust von 9 Milliarden Franken. Im darauffolgenden Jahr 2014 profitierte sie vom starken Dollar und fuhr einen Rekordgewinn von 38 Milliarden Franken ein. Wie es 2015 ausgeht, ist noch unklar. Sollte der Franken aber das ganze Jahr so stark bleiben, dürfte bei der SNB auch beim Jahresabschluss unter dem Strich ein Minus resultieren.

Kann die SNB bis Ende des Jahres wieder in die Gewinnzone zurückkehren?

Das Quartalsergebnis ist grundsätzlich nur eine Momentaufnahme, ihre Aussagekraft für das Jahresergebnis ist beschränkt. Im ersten Quartal dieses Jahres zeigte sich allerdings der Einfluss, den die Aufgabe des Euro-Mindestkurses hatte. Sollte sich der Euro bis Ende Jahr nicht wieder erholen, ist ein Verbleiben in den roten Zahlen realistisch.

Wie haben sich die Währungsreserven der SNB verändert?

Ende des ersten Quartals waren 42 Prozent der SNB-Devisenreserven in Euro (gegenüber 46 Prozent im Vorquartal), 32 Prozent (29 Prozent im Vorquartal) in US-Dollar, 8 Prozent in Yen und 7 Prozent in Pfund. In ihrer Bilanz hat die Nationalbank derzeit Eurobestände von 213 Milliarden, was zum Zeitpunkt der Umrechnung (Eurokurs 1,0452) einem Wert von 223 Milliarden Franken entsprach. Zum Vergleich: Ende 2014 hatte die SNB Euro-Bestände von 196 Milliarden in den Büchern, was damals zum Kurs von 1.20 Franken 236 Milliarden Franken entsprach.

Gegenüber dem letzten Quartal 2014 ist der Eurobestand 17 Miliarden höher. Worauf ist dieser zurückzuführen?

Darüber kann nur spekuliert werden, weil wir nicht wissen, welche Transaktionen die Nationalbank in diesem Zeitraum vorgenommen hat. Nach Berechnungen von Felix Brill, CEO von Wellershoff & Partners, ist «etwa ein Drittel des Anstiegs des Eurobestandes auf Kursanstiege bei den Aktien zurückzuführen, zwei Drittel auf zusätzliche Deviseninterventionen». Das berücksichtige jedoch leider nicht allfällige Verschiebungen innerhalb des Portfolios.

Macht sich der Verlust auch für die Bürger bemerkbar?

Nein, als normaler Bürger bekommt man von den Auswirkungen nichts mit. Höchstens für die Kantone könnte sich das Ergebnis negativ auswirken – und das könnten dann auch die Einwohner zu spüren bekommen.

Wie hart trifft das Resultat die Kantone?

Bliebe das SNB-Ergebnis bis Ende Jahr bei einem Minus in der aktuellen Grössenordnung, würde das für die Kantone nichts Gutes bedeuten. Sie müssten auf die Gewinnausschüttung verzichten. Die Ausschüttungsreserve beträgt derzeit 27,5 Mrd. Franken. Dieser Betrag würde vom aktuellen Minus von 29 Mrd. vollumfänglich aufgefressen.

Wie viel Geld hat die SNB im letzten Jahr ausgeschüttet?

Die Schweizerische Nationalbank erwirtschaftete 2014 einen Rekordgewinn von 38 Milliarden Franken. Eine Überraschung, denn 2013 gab es eine Nullrunde und die SNB schüttete aufgrund eines Verlustes gar kein Geld an Bund und Kantone aus. Für 2014 rechneten Bund und Kantone mit 1 Milliarde, nun haben sie gleich 2 Milliarden erhalten. Ein Drittel der 2 Milliarden ging an den Bund, zwei Drittel erhielten die Kantone, abgestuft nach Bevölkerungszahl. So sieht es der Verteilschlüssel vor.

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