Ungarn - Verlag erhält Busse, weil Warnhinweis auf LGBT-freundlichen Geschichten fehlt
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Ungarn Verlag erhält Busse, weil Warnhinweis auf LGBT-freundlichen Geschichten fehlt

Weil ein Warnhinweis auf zwei Märchenbüchern über Regenbogen-Familien fehlte, wird ein Verlag in Ungarn gebüsst. Der Fall wurde wegen des Homosexuellen-Gesetzes in Ungarn bekannt.

von
Angela Rosser
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In den beiden Büchern des Autors Lawrence Schimels wird der Alltag von Kindern mit je zwei Mamis und je zwei Papis gezeigt. Die sexuelle Orientierung der Eltern ist darin kein Thema.

In den beiden Büchern des Autors Lawrence Schimels wird der Alltag von Kindern mit je zwei Mamis und je zwei Papis gezeigt. Die sexuelle Orientierung der Eltern ist darin kein Thema.

Instagram Lawrence Schimel/Screenshot
Die Bücher von Schimel wurden schon in viele verschiedene Sprachen übersetzt.

Die Bücher von Schimel wurden schon in viele verschiedene Sprachen übersetzt.

Instagram Lawrence Schimel/Screenshot
Mit seinem Gesetz zur Einschränkung von Informationen über Homosexualität hat Ungarn beim EU-Gipfel massive Kritik auf sich gezogen.

Mit seinem Gesetz zur Einschränkung von Informationen über Homosexualität hat Ungarn beim EU-Gipfel massive Kritik auf sich gezogen.

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Darum gehts

  • Ein Verlag in Ungarn platzierte keine Warnhinweise auf Büchern über Regenbogen-Familien.

  • Weil die Firma die Bücher wie alle anderen behandle, erhielten sie eine Busse.

  • Der Fall wurde nach einer Debatte um das neue Homosexuellen-Gesetz in Ungarn bekannt.

Eine ungarische Firma wird mit einem Bussgeld von 250’000 Forint – 760 Schweizer Franken – bestraft. Wofür? Auf zwei Kinderbüchern über sogenannte Regenbogen-Familien hatte der Verlag keine Warnhinweise angebracht, die darauf hinweisen, dass darin Geschichten erzählt würden, die nicht die «traditionellen Geschlechterrollen» abbildeten, sagte der Landrat Richard Tarnai am Dienstag im Sender HirTV. Weil die Firma dieses Buch wie andere Märchenbücher behandelte, habe sie gegen das Gesetz verstossen, erklärt Tarnai weiter. Darum auch das Bussgeld.

Der Verlag, in dem das Buch erscheint, betonte am Mittwoch: «Jede Familie hat das Recht, dass es über sie ein Märchen gibt.» Ungarn steht in der EU wegen seines Umgangs mit Homosexuellen am Pranger; am Donnerstag tritt in dem Land ein umstrittenes Gesetz zur Beschränkung der Information über Homo- und Transsexualität in Kraft.

Sexualität der Eltern kein Thema

Bei den Büchern handelt es sich um die ungarische Übersetzung der Märchen «Early One Morning» und «Bedtime, not Playtime» des US-Schriftstellers Lawrence Schimel. Beide Bücher erzählen aus dem Alltag eines Kindes, eines mit zwei Müttern und eines mit zwei Vätern, schreibt «Abc News».

Der Verlag, in dem die Bücher erscheinen, wehrte sich gegen die Vorwürfe. Auf der Facebook-Seite des Verlags hiess es: «Regenbogen-Familien sind völlig normal.» Zudem sei die Sexualität der Eltern kein Thema in den Büchern.

Keine Aufklärungsbücher mehr

Der Fall wurde inmitten einer heftigen Debatte um das neue Homosexuellen-Gesetz in Ungarn bekannt. Das neue Gesetz untersagt unter anderem Bildungsprogramme oder Werbung von Grossunternehmen, die sich mit Homo- und Transsexuellen solidarisch erklären. Auch Aufklärungsbücher dazu soll es nicht mehr geben. Offizielles Ziel ist der Schutz von Minderjährigen, Aktivisten sprechen von einem Schlag gegen die LGBTIQ-Gemeinde.

Das von der rechtsnationalistischen Regierung von Ministerpräsident Viktor Orban forcierte Gesetz war im Ausland massiv kritisiert worden. EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen drohte mit rechtlichen Schritten, EU-Abgeordnete forderten am Mittwoch die Kürzung von Geldern für Budapest. Die ungarische Regierung warf ihrerseits Brüssel eine «beispiellose Kampagne» vor. Ihren Angaben zufolge soll das Gesetz lediglich Eltern die Entscheidung darüber «zurückgeben», wie ihre Kinder erzogen werden.

LGBTIQ: Hast du Fragen oder Probleme?

Hier findest du Hilfe:

LGBT+ Helpline, Tel. 0800 133 133

Du-bist-du.ch, Beratung und Information

Lilli.ch, Information und Verzeichnis von Beratungsstellen

Milchjugend, Übersicht von Jugendgruppen

Elternberatung, Tel. 058 261 61 61

Pro Juventute, Beratung für Kinder und Jugendliche, Tel. 147

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