iPad: Verlage zwischen Himmel und Hölle

Aktualisiert

iPadVerlage zwischen Himmel und Hölle

Die Hoffnungen, die Verleger in Tablet-PCs setzen, sind gross. Sie sollen dem Online-Bezahljournalismus zum Durchbruch verhelfen.

von
mbu

Der Medienhype um Apples iPad ist gewaltig. Wer auf Google News nach dem Tablet-PC sucht, findet alleine im deutschsprachigen Raum über 700 Nachrichtenartikel. Das US-Magazin «Newsweek» fragt gar auf der Front der aktuellen Ausgabe: «Was ist am iPad so grossartig?», um gleich darunter die Antwort zu liefern: «Alles.» Auch die US- und EU-Ausgaben des US-Wochenmagazins «Time» liessen sich vom Hype mitreissen und hievten den Apple-CEO Steve Jobs ganz nach vorne.

Hinter der flächendeckenden Berichterstattung dürfte sich auch die Hoffnung der Zeitungsverlage widerspiegeln, mit Geräten wie dem iPad neue Einnahmequellen zu erschliessen. Denn Medienhäuser rund um den Globus leiden in ihren Printausgaben unter voranschreitendem Leserschwund und mussten deswegen auch schon die Segel streichen (20 Minuten Online berichtete). Die herkömmlichen Geschäftsmodelle sind durch das Internet arg ins Wanken gekommen, die Leser decken ihr Informationsbedürfnis vermehrt auf den Online-Newsplattformen ab und kehren den Bezahl-Zeitungen den Rücken zu. Der Vorteil liegt auf der Hand: Die News im Netz sind nicht von gestern, sondern aktuell und zum grossen Teil erst noch gratis.

Medienmogul Rupert Murdoch kämpft entschieden dagegen an, während andere Verleger noch abwarten. So kostet ab dem 1. Juni ein während 24 Stunden gültiger Webzugang auf die Times und die Sunday Times 1.50 Franken, ein Wochenabo gibt es für drei Franken. Auch auf dem iPad will Murdoch kostenpflichtige iPad-Apps, wie etwa für das «Wall Street Journal» (18 US-Dollar/Monat), anbieten. Ob mit dieser Strategie die ersehnte Einnahmequelle angezapft werden kann, wird sich zeigen. Solange die grossen Verlagshäuser nicht gemeinsam an einem Strick ziehen, dürfte es für Einzelkämpfer schwierig werden. Einerseits ist der Wechsel auf eine andere Webseite im Nu gemacht, andererseits ist es nur eine Frage der Zeit, bis die Bezahl-Apps auf einschlägigen Foren gratis angeboten werden.

Von diesem Problem kann nicht nur die Film- und Musikindustrie ein Liedchen singen, auch Amazon hat mit seinem eBook Kindle bereits mit illegalen Tauschbörsen zu kämpfen. Darin finden sich tausende von digitalen Büchern, die den Downloader keinen Rappen kosten. Allein für Dan Browns aktuellen Bestseller «Das verlorene Symbol», der mit einer deutschsprachigen Startauflage von 1,2 Millionen gedruckt wurde, wurden in einem Kurztest von 20 Minuten Online in drei Foren etwa 40 aktive Links gefunden.

Für die Verleger erschwerend kommt dazu, dass das iPad mit seinem grossen Display die Webseiten der Online-Zeitungen dermassen komfortabel darstellt, dass es keinen Sinn macht, einfach die schon vorhandenen Web-Inhalte in eine iPad-App zu packen und Geld dafür zu verlangen. Um die Leser zum Kauf zu überzeugen, muss ihnen wohl oder übel ein Mehrwert geboten werden.

Rivalen stehen in den Startlöchern

Als das iPhone 2007 auf den Markt kam, schien die Konkurrenz von Nokia, Samsung, Sony Ericsson und Co. ebenso grosse Augen zu machen, wie viele der User, die mit Apples erstem Smartphone ein Gerät in die Hand bekamen, mit dem das mobile Surfen erstmals wirklich komfortabel wurde. Sich derart den Schneid abkaufen zu lassen - das dürfte der Konkurrenz beim iPad nicht noch einmal passieren. Eines der angekündigten Modelle ist der Slate von HP. Eben erst hat Hersteller HP auf ihrer offiziellen Website weitere Details zum Tablet-PC bekannt gegeben. Dabei werden die Vorteile gegenüber dem iPad explizit ins Augenmerk gerückt. So verfügt es über eine USB-Schittstelle sowie einen SD-Kartenslot. Auch Adobe Flash, das im Internet am verbreitesten Videoformat, soll mit dem Slate unterstützt werden. Ausserdem ist im Werbeclip eine Linse zu sehen, die fest im Rahmen eingebaut wurde. Damit lassen sich Videos und Fotos aufnehmen.

(Quelle: HP)

Auch Samsung sieht im iPad reichlich Verbesserungspotential und plant in der zweiten Jahreshälfte 2010 einen eigenen Tablet-PC auf den Markt zu bringen. Mitte März sagte Philip Newton, Direktor der IT-Sparte von Samsung Australien, gegenüber dem IT-Magazin APC Mag: «Die Probleme, die ich beim iPad sehe, sind mangelnde Rechenleistung und - bis zu einem gewissen Grad - fehlende Verbindungsmöglichkeiten.»

Und dass auch Microsoft daran ist, ist spätestens seit Steve Ballmers Auftritt an der letzten Consumer Electronic Show in Las Vegas kein Geheimnis mehr. Anfang März wurden zum «Courier» weitere Details bekannt. Will man den neusten Informationen, die von einer angeblich extrem vertrauenswürdigen Quelle stammen, auf dem IT-Blog engadget.com glauben, arbeitet im zusammenklappbaren Rechner ein Tegra-2-Prozessor von Nvidia. Beim Betriebssystem soll es sich um das gleiche handeln, wie es beim Zune HD oder der Windows-Mobile-7-Serie verwendet wird. Angeblich soll sich der Touchscreen über die Finger, wie auch mittels eines Stifts bedienen lassen, mit dessen Hilfe die persönliche Handschrift und Skizzen erkennt werden sollen. Auch Buchsen für Kopfhörer und eine integrierte Kamera sind mit an Bord (20 Minuten Online berichtete).

Pro

- Leistungsfähiger Akku

- Hochwertige Verarbeitung

- Digitaler Bilderrahmen deluxe

- Wachsendes Angebot an Apps

- Hohe Arbeitsgeschwindigkeit

Contra

- Fehlende Anschlüsse

- Akkuwechsel erschwert

- Kein Adobe Flash

- Ermüdendes Lesen von eBooks

- Keine Kamera

Nichts verpassen

Das Ressort Digital ist auch auf Twitter vertreten. Folgen Sie uns und entdecken Sie neben unseren Tweets die interessantesten Tech-News anderer Websites.

Deine Meinung