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Glis VSVerlassener Hund verendet qualvoll in Wohnung

Ein Walliser hat seinen Hund vermutlich in seiner Wohnung zurückgelassen – und dieser erlitt einen langsamen Tod. Das Veterinäramt untersucht den Fall und prüft eine Strafanzeige.

von
sul
«Ausserhalb des Zentrums, eher etwas abgelegen»: Der grauenvolle Fund ereignete sich den der Wierystrasse in Glis (im Haus mit vertäfertem Obergeschoss).

«Ausserhalb des Zentrums, eher etwas abgelegen»: Der grauenvolle Fund ereignete sich den der Wierystrasse in Glis (im Haus mit vertäfertem Obergeschoss).

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Beamten der Stadtpolizei Brig-Glis bot sich vergangene Woche ein Bild des Elends: Als sie eine Wohnung in der Wierystrasse in Glis betraten, stiessen sie auf den halb zersetzten Kadaver eines Hundes, wie das News-Portal «1815.ch» berichtet. Unverzüglich informierten die Polizisten das Veterinäramt.

«Was wir antrafen, war etwas vom Schlimmsten, das ich je gesehen habe, und ich bin seit 2001 beim Veterinäramt», sagt die stv. Kantonstierärztin Claire Zen Ruffinen gegenüber der Online-Seite. Der Hundekadaver sei teils mumifiziert und teils am Verfaulen gewesen. Die Wohnung sei ausserdem von Kot übersät und voller Fliegen gewesen. «Das deutet darauf hin, dass der Hund lange Zeit keinen Auslauf hatte», erklärt Zen Ruffinen.

«Unglaublicher Fall von Tierquälerei»

Derzeit untersucht das Veterinäramt die genaue Todesursache des Hundes. «Es ist möglich, dass der Hund verdurstet und verhungert ist, aber auch eine andere Todesursache ist denkbar», sagt Zen Ruffinen. Äussere Verletzungen weise der Kadaver keine auf. Derzeit wird abgeklärt, wer der Halter des Tieres ist. «Anschliessend werden wir entscheiden, ob wir den Fall an die Staatsanwaltschaft weitergeben.»

Wie «1815.ch» weiter schreibt, war dem Tierschutz Oberwallis von Anwohnern zugetragen worden, dass der Hundehalter weggezogen sei und sein Tier einfach zurückgelassen habe. «Sollte sich dieser Verdacht erhärten, wäre dies ein unglaublicher Fall von Tierquälerei, da der Todeskampf des Hundes wohl eine sehr lange Zeit gedauert haben dürfte», sagt Daniel Pfaffen, Präsident des Tierschutzes Oberwallis. Sein Verein werde ganz sicher Anzeige erstatten, falls das Veterinäramt auf eine solche verzichte.

Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren

Auch Vier Pfoten Schweiz ist schockiert ob des Vorfalls in Glis. «Wurde der Hund absichtlich in der Wohnung zurückgelassen, verurteilen wir diese Tat aufs Schärfste», sagt Länderchefin Julie Stillhart gegenüber 20 Minuten und verweist auf das Schweizerische Tierschutzgesetz. Gemäss diesem wird mit einer Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder einer Geldstrafe bestraft, wer vorsätzlich ein Tier «in der Absicht zurücklässt, sich seiner zu entledigen». Handelt der Täter fahrlässig, beträgt die Geldstrafe bis 180 Tagessätze.

Doch wie kann es sein, dass während Wochen niemand etwas vom Verbleib des Hundes mitbekam? «Die Liegenschaft befindet sich ausserhalb des Zentrums und ist eher etwas abgelegen», sagt Pfaffen. Falls der Hund schon vorher immer gebellt habe, hätten die Nachbarn zudem keinen Verdacht geschöpft. Längst nicht immer würden Missstände mit Tieren aber den Behörden gemeldet. Pfaffen: «Viele wollen sich nicht in die Angelegenheiten anderer einmischen oder fürchten, bei den Haltern als Verräter zu gelten.»

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