Bern: Verletzt – und keiner kam für die Kosten auf
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BernVerletzt – und keiner kam für die Kosten auf

Ein Student der Uni Bern erlebte eine beispiellose Pechsträhne. Schliesslich landete er im Inselspital, wo seine Verletzungen mit 25 Stichen genäht werden mussten.

von
Pedro Codes

Student O.S.* wollte vor der Vorlesung nur kurz aufs WC. Doch während er im UG an der Fabrikstrasse auf der Toilette sass, schloss jemand den Raum von aussen ab. Trotz lauten Rufen kam niemand vorbei, um aufzuschliessen. Also kletterte O.S. durch ein Fenster in einen unterirdischen Gang, an dessen Ende sich ein Notausgang befindet. Dort hätte er nur noch eine Gittertüre öffnen müssen. Diese klemmte jedoch und fiel O.S. nach längerem Rütteln ins Gesicht. Blutüberströmt wurde er ins Inselspital gefahren, wo man seine Verletzungen mit 25 Stichen an drei Stellen im Gesicht nähen musste.

Doch die eigentliche Tortur folgte erst: «Ich stiess auf ein riesiges bürokratisches System», erklärt O.S. gegenüber der Studentenzeitung «Unikum». Als er den Vorfall den Immatrikulationsdiensten meldete, verwies man ihn an die Abteilung Betrieb und Technik, dann an die Versicherung und schliesslich zur Liegenschaftsbesitzerin. Niemand wollte für seine Kosten aufkommen.

«Die Rechtssituation an der Fabrikstrasse ist kompliziert», so Christoph Pappa, Leiter des universitären Rechtsdienstes. Und O.S. sei durch fast alle rechtlichen Maschen gefallen. Weder die Uni als Mieterin im Erdgeschoss der Fabrikstrasse ist belangbar, noch die Vermieter – diese konnten einen rechtlichen Schlupfwinkel geltend machen. Trotzdem geht die Sache gut aus: O.S. erhält jetzt 4 700 Franken Schadenersatz.

*Name der Redaktion bekannt

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