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Explosion PrattelnVerletzte Person ist in kritischem Zustand

Nach dem Einsturz eines Mehrfamilienhauses in Pratteln haben die Behörden am Sonntag informiert. Dank einem gut koordinierten Einsatz und Rettungshunden habe man alle Bewohner bergen können.

von
A. Hirschberg

Um 14.33 ging in der Rettungszentrale die Meldung ein, dass an der Augsterheglistrasse ein Wohnhaus explodiert sei, erzählt Schadenplatzkommandant Beat Krattiger den Medienleuten in der Turnhalle des Schulhauses Längi in Prattlen BL. Innert drei Minuten seien die ersten Einsatzkräfte vor Ort gewesen, nach 30 Minuten sei die Chaosphase überwunden gewesen. «Die Rettung war äusserst komplex. Es waren Kranen, Helikopter und 357 Rettungskräfte vor Ort», so Krattiger.

Zunächst sei es sehr schwierig gewesen, zu ermitteln, wer sich zum Zeitpunkt der Explosion im Gebäude befand und wer nicht, berichtet Krattiger. Weil das Gebäude sehr stark beschädigt war, wurde auch ein Statiker aufgeboten, der anhand der Hauspläne die verbleibende Stabilität ermittelte. «Dieser gab schnell grünes Licht, dass eine Rettung möglich ist», sagt Krattiger. Dann wurde um die Bewohner schnell zu bergen mit Hilfe von Kranen und schwerem Gerät, die Decke des Hauses von oben her abgetragen.

Eine schnelle Rettung hat auch der Einsatz von Redog, dem Schweizerischen Verein der Rettungshunde ermöglicht. Einige Mitglieder des Vereins absolvierten gerade ein Training in Rheinfelden, darum waren sie sehr schnell in Pratteln im Einsatz. «Dank den Suchhunden konnten wir die in den Trümmern verschütteten Personen zielgenau finden und schnell bergen», erklärt Krattiger. Der letzte Verletzte wurde um halb acht Uhr abends geborgen. «Insgesamt wurden sieben Personen verletzt, vier davon schwer. Eine Person befindet sich noch in kritischem Zustand», so Krattiger.

Als glücklicher Umstand bei diesem schrecklichen Ereignis erwies sich laut Krattiger auch der Zeitpunkt der Explosion. «Am Nachmittag um 14.30 Uhr waren viele am Einkaufen und zahlreiche Wohnungen waren leer. Darum gab es nicht noch mehr Verletzte.»

Explosionsherd vermutlich im zweiten Stock

Noch nicht hundertprozentig gesichert ist, dass es sich beim Vorfall um eine Gasexplosion handelt. «Das werden die Kriminaltechniker ermitteln», sagt Krattiger. Das Haus sei aber an die Gasleitung angeschlossen. Vermutet wird derzeit, dass sich die Explosion im zweiten Stock ereignete.

Die nicht verletzten Bewohner des Hauses – insgesamt sind es 34 – wurden alle evakuiert und bei Privatleuten untergebracht, berichtet Marcel Schaub vom Gemeindeführungsstab Pratteln. Derzeit sei man dabei, das Hab und Gut aus den Wohnungen zu sichern und in Container zu bringen. Firmen hätten die Betroffenen am Sonntag auch mit Kleidern ausgerüstet. «Bereits am Samstag wurden die zerborstenen Fenster und kaputten Wohnungstüren in den Nachbarliegenschaften provisorisch geflickt, so dass die Leute dort weiterhin wohnen können.»

Der Gemeindeführungsstab wird zudem am Montag eine Hotline einrichten, unter der sich Betroffene informieren können. «Wir werden versuchen, alle so gut wie möglich zurück ins normale Leben zu begleiten», so Schaub.

«Ein fürchterlicher Anblick»

Gemeindepräsident Beat Stingelin beschreibt den Medienleuten zuerst seine Gefühle beim Eintreffen vor Ort. «Ich war schockiert, als ich das völlig zerstörte Haus und die rundum zerborstenen Fensterscheiben sah. Es sind Szenen, die man nicht vor der eigenen Haustür erwartet. Die Explosion hatte Schuhe Kleider und Spielsachen überall auf der Strasse verteilt, ein fürchterlicher Anblick.» Gleichzeitig habe ihn beeindruckt, wie hilfsbereit und diszipliniert die Bevölkerung war und wie vorbildlich die Rettung abgelaufen sei. «Ich möchte allen Beteiligten meinen Dank aussprechen», betont er am Schluss.

Was mit der zerstörten Liegenschaft geschieht, ist zurzeit noch unklar. «Bewohnbar ist sie nicht mehr. Wie es weitergeht, muss mit dem Besitzer angeschaut werden.»

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