Aktualisiert 12.02.2015 06:28

Grammatik-Verbrechen

«Verliebt in der falsches Mädchen» ist ein Chart-Hit

Bei «DSDS» ist er gescheitert. Jetzt stürmt Marcelo die Charts. Das überrascht kaum: Klamauk-Songs haben in der Hitparade Tradition.

von
Yves Schott

Sie haben es wohl irgendwie geahnt. Schon bevor die 12. Staffel von «Deutschland sucht den Superstar» Anfang Jahr auf Sendung gegangen ist, haben die verantwortlichen Produzenten ein erstes Kandidatenvideo auf ihre Facebook-Seite gestellt. Zum ersten Mal in der Geschichte der Castingshow.

RTL hat mit der Wahl des Clips zweifellos ein gutes Näschen bewiesen. Zu sehen ist Marcelo Araujo Alves, gebürtiger Brasilianer, der seinen eigenen Song «Verliebt in der falsches Mädchen» (sic!) vorträgt. Die Jury um Dieter Bohlen, Mandy Capristo und DJ Antoine kann sich wegen der schlechten Grammatik ein Lachen nicht verkneifen.

Kein Recall-Ticket – dafür Chart-Stürmer

Ein Ticket für den Recall erhält der 20-Jährige zwar nicht – dafür aber Unterstützung von seinen Anhängern. Der Track wird tausendfach heruntergeladen. Mit dem Resultat, dass er Platz eins der deutschen Download-Charts belegt. In der Schweiz liegt das Lied auf Rang 14 der offiziellen Hitparade.

Damit reiht sich «Verliebt in der falsches Mädchen», wenn auch unfreiwillig, aller Voraussicht nach in eine Reihe von konfusen Eintagsfliegen ein, die zwar durchaus witzig und erfolgreich sind, jedoch eine relativ kurze Halbwertszeit aufweisen. Einige Beispiele:

«Sun Fun» von Peach Weber auf Platz 12

1999 schafften es die Ö La Palöma Boys mit ihrer Trashsingle «Ö la palöma» bis auf Platz vier der Schweizer Hitparade. Dies dank der Unterstützung von Stefan Raab, der das Video in seiner Sendung «TV total» hypte. Die beiden Männer gratulierten darin auf Sächsisch ihrer fiktiven Tante Jutta – obwohl sie eigentlich aus Freiburg und Hannover stammten.

Noch grösser war der Erfolg des Crazy Frog: Die Coverversion von Harold Faltermeyers Originaltrack «Axel F» behauptete sich 11 Wochen auf Rang eins und war der grosse Sommerhit, aber auch der grosse Nervtöter des Jahres 2005.

In Sachen Jux-Lieder muss sich die Schweiz ebenfalls nicht verstecken. Einen überraschenden Chart-Hit schaffte Komiker Peach Weber 1986: Das Publikum liebte seinen Blödelsong «Sun Fun» und hievte ihn bis auf Platz 12 der Hitparade. Radio-24-Musikchef Chris Jäckli weist auf das Elektro-Duo Matterhorn Project hin: Der Ohrwurm «Muh!» kletterte 1985 bis auf Platz zwei.

Weitere Beispiele nicht ganz ernst gemeinter Videos sehen Sie hier:

«Ö la palöma» von den Ö la Palöma Boys aus dem Jahr 1999 (Quelle: Youtube).

«Axel F» von Crazy Frog aus dem Jahr 2005 (Quelle: Youtube).

«Sun Fun» von Peach Weber aus dem Jahr 1986 (Quelle: Youtube).

«Muh!» vom Matterhorn Project (Quelle: Youtube).

«Maschendrahtzaun» von Stefan Raab aus dem Jahr 1999 (Youtube).

«Schnappi, das kleine Krokodil» von Schnappi aus dem Jahr 2005 (Quelle: Youtube).

«Saletti» von Harry Hasler aus dem Jahr 1996 (Quelle: Youtube).

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