Aktualisiert 29.05.2012 13:12

Objektophilie

Verliebt in eine Lok - Sex mit einer Statue

Amanda Whittaker hat die Beziehung zu ihrem Schlagzeug beendet. Der Grund: ihr neuer Lover, die Freiheitsstatue. Whittaker ist objektsexuell – und mit dieser Neigung nicht allein.

von
Kaspar Isler

Amanda Whittaker ist unsterblich in die amerikansiche Freiheitsstatue verliebt. Für sie hat sie sogar ihre Jugendliebe, ihr Schlagzeug, verlassen. Wenn immer möglich, verbringt sie Zeit mit Libby, wie sie das Monument liebevoll nennt. Da ein Schäferstündchen mit dem New Yorker Wahrzeichen aber vermutlich in Polizeigewahrsam enden würde, muss sie auf einen Miniatur-Nachbau ihrer Liebsten ausweichen, wie sie in der Talkshow «This Morning» verrät.

Ähnliche Gelüste verspürt Oliver: Seine Sexualpartnerin ist mehrere Tonnen schwer, uralt und voller Schmierfett – nicht unbedingt Attribute, die man sich von seiner Geliebten wünscht. Doch Oliver ist Feuer und Flamme für eine – Achtung, festhalten! – Dampflokomotive.

Lüstern streichelt und leckt er den stählernen Koloss, mit dem er seit Jahren in einer Beziehung lebt. Denn Oliver kennt keine Fleischeslust – auch er ist ein sogenannter Objektsexueller.

Blaue Flecken von den Twin Towers

Mittlerweile machen immer mehr Betroffene keinen Hehl mehr aus ihrer Neigung. Im Gegenteil: Bewusst machen sie diese publik und tauschen sich darüber in eigens dafür eingerichteten Foren aus. Objektophile Menschen haben Gefühle für Gegenstände, die auch physisch ausgelebt werden wollen. Dabei steht ihnen eine Vielzahl potentieller Partner zur Verfügung: Die bekannten Fälle reichen von Musikinstrumenten über Transportmittel bis hin zu ganzen Gebäuden. Da aber nur wenige das Privileg haben, sich nächtelang nackt an einer Eisenbahn zu reiben, muss dafür meist ein Modell-Nachbau im heimischen Liebesnest hinhalten.

Diesen werden nicht selten mit ins Bett genommen, gekuschelt und geküsst. So auch bei der 24-jährigen Mandy. Sie vergnügt sich am liebsten mit zwei je rund vier Kilogramm schweren Modellen der amerikanischen Twin Towers. Dabei müsse sie im Eifer des amourösen Gefechtes stets aufpassen, dass sie keine blauen Flecken vom innigen Liebespspiel mit den Türmen davontrage, so die Betroffene in einem Forum.

Vermenschlichung von Gegenständen

Der Frankfurter Sexualforscher Prof. Volkmar Sigusch widmet sich in seinem Buch «Über den kulturellen Wandel von Liebe und Perversion» dem vermehrt auftretenden Phänomen der Objektophilie. Gründe für diese Neigung sieht der Forscher in der Vermenschlichung von Gegenständen, die primär in der Werbung angwendet wird. Beispiel gefällig? Ein sympathisches Bier. Dass sich Werber suggestiver Emotionen bedienen, um ihre Produkte zu vermarkten, ist unbestritten. Dass diese jedoch animieren, sich ein Hochhaus zum Partner zu nehmen, ist hingegen höchst fragwürdig.

Fehler gefunden?Jetzt melden.