Immer wieder in Paris: Verlieren Djokovic und Murray absichtlich?
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Immer wieder in ParisVerlieren Djokovic und Murray absichtlich?

Seit Jahren scheitern die Favoriten in Paris-Bercy auffällig früh oder kommen erst gar nicht. So auch jetzt. Der Zweifel an der Motivation der Top-Spieler ist berechtigt.

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Das ATP-1000-Turnier in Paris-Bercy ist einmal mehr nicht das Pflaster der Top 4. Auf Roger Federer (Forfait) und Rafael Nadal (verletzt) mussten die französischen Tennisfans verzichten, Novak Djokovic und Andy Murray scheiterten bei ihrem ersten beziehungsweise zweiten Einsatz kläglich.

Djokovics Out bei seinem ersten Spiel in der Palais-Omnisports-Arena im Pariser Stadtteil Bercy war sonderbar. 6:0 und 2:0 führte der Serbe bei seinem Halloween-Auftritt gegen Sam Querrey (ATP 24), ehe dem US-Amerikaner die für beinahe unmöglich gehaltene Wende gelang. Erstmals seit März 2010 verlor Djokovic wieder eine Erstrundenpartie. Murray gewann zwar seine Startpartie gegen Lokalmatador Paul-Henri Mathieu, in der zweiten Runde blamierte sich der US-Open-Sieger gegen den polnischen Qualifikanten Jerzy Janowicz.

Seit 2 Jahren siegt erstmals ein «anderer»

Bei den letzten 17 ATP-1000-Turnieren wurde der Sieg immer unter Federer, Nadal, Djokovic oder Murray ausgemacht. Zum ersten Mal seit zwei Jahren wird ein Spieler ausserhalb der Top vier ein solches gewinnen. Genau zwei Jahre liegt Robin Söderlings Triumph zurück – in Paris-Bercy. Gar drei Jahre ist es her, als mit Juan Martín Del Potro ein «anderer» am US Open einen Grand-Slam-Titel holte.

Auch die Dominanz von Federer bröckelt in Paris augenscheinlich. Siebenmal hatte der Schweizer erfolglos Anlauf genommen, ja war nicht einmal in ein Endspiel vorgestossen, ehe er vergangenes Jahr erstmals den Titel holte. 2002 war der Maestro erstmals am Start. 2004 bis 2006 und in diesem Jahr liess er das Turnier in Paris aus. Federer und Agassi sind übrigens die einzigen Spieler, die an beiden Turnieren in Paris gewonnen haben (French Open und ATP-Turnier von Paris-Bercy).

Böse Zungen behaupten...

Djokovic ist nebst Federer der einzige aktuelle Top-4-Spieler, der dort gewinnen konnte (2009). Für Nadal war das höchste der Gefühle die Finalniederlage gegen David Nalbandian 2007. Die vergangenen zwei Jahre liess sich der Spanier nicht blicken. Murray hat es in bisher sieben Anläufen nie weiter als in den Viertelfinal geschafft.

Böse Zungen könnten behaupten, dass das Favoritensterben nicht von Ungefähr kommt. Der Zweifel an der Motivation der Top-Spieler ist berechtigt. Während für die Spieler ausserhalb der Top 8 die Saison nach Paris-Bercy zu Ende ist, steht den Top-Cracks das Saisonfinale noch bevor. Es wäre nicht abwegig zu behaupten, die Top-Stars seien mit ihren Gedanken schon bei den World-Tour-Finals, die einen Tag nach dem Turnier von Paris-Bercy beginnen.

ATP-Turnierplan ist nicht ideal

In Anbetracht der Kadenz der Turniere ist es naheliegend, dass die Titelasprianten im Vollbesitz ihrer Kräfte nach London reisen wollen. Während in der Vergangenheit jeweils eine Woche pausiert wurde, geht es heuer schon nach dem Final von Paris Bercy in der Londoner O2-Arena mit den Gruppenspielen los. Im besten Fall erwarten die Top 8 der Welt fünf Spiele in sieben Tagen. Und im Gegensatz zu anderen Turnieren geht es vom ersten Spiel an gegen die Crème de la Crème. Eine Niederlage kann schon das Aus bedeuten.

So hat sich Federer, der die Turnierplanung der ATP kritisierte, nach dem verlorenen Final an den Swiss Indoors entschieden, auf Paris zu verzichten und stattdessen Kräfte für London zu sammeln. Dies tun ihm nun mit etwas Abstand Djokovic, Murray, Del Potro und Tomas Berdych gleich. David Ferrer oder Jo-Wilfried Tsonga – beide ebenfalls beim Saisonfinale am Start – verpulvern nun ihre Kräfte in Paris im Kampf um einen der wenigen verbliebenen ATP-1000-Titel in der Zeit der grossen vier.

Auch Berdych out

Nach Djokovic, Murray und Del Potro scheidet im Viertelfinal mit Tomas Berdych die Nummer 5 der Setzliste überraschend aus.

Paris-Bercy. ATP-Masters-1000-Turnier (2,43 Mio. Euro/Hart)

Viertelfinal:

Gilles Simon (Fr) s. Tomas Berdych (Tsch/5) 6:4, 6:4.

Jerzy Janowicz (Pol) s. Janko Tipsarevic (Ser/8) 6:3, 1:6, 4:1 w.o.

Michael Llodra (Fr) s. Sam Querrey (USA) 7:6 (7:4), 6:3.

Halbfinal-Tableau: Simon - Janowicz; Ferrer (4) - Llodra.

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