Chaos-Derby: «Verlierer ist der Sport»
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Chaos-Derby«Verlierer ist der Sport»

Der 3:0-Forfait-Sieg von GC bei der «Schande von Zürich» sorgt im Talkback von 20 Minuten Online für Diskussionen. Das Umfragen-Resultat zum Entscheid der Liga ist jedoch erstaunlich deutlich.

von
mon

FCZ-Chaoten rennen beim Derby am 2. Oktober Richtung GC-Sektor. (Video: Leserreporter)

Ob dem Entscheid der Swiss Football League, das abgebrochene Zürcher Derby vom 2. Oktober 2011 mit 3:0 für den Heimklub GC zu werten, scheiden sich die Geister. Dementsprechend zahlreich sind die Kommentare, die zur Berichterstattung eingehen. Weit über 100 sind es bereits am Samstagmittag. Auch bei unserer Umfrage «Was halten Sie vom 3:0-Forfait-Sieg für GC beim Skandal-Derby?» haben zu dem Zeitpunkt schon über 700 Personen teilgenommen. Hier ist man sich jedoch erstaunlich einig: 69 Prozent der Teilnehmer sagen, dass die Liga korrekt entschieden habe. 13 Prozent sind der Meinung, dass eine Spielwiederholung angebracht gewesen wäre, 12 Prozent hätten es gerne gesehen, wenn die letzten 13 Minuten nachgespielt worden wären und nur 6 Prozent der Teilnehmer sind überzeugt, dass der FC Zürich hätte forfait gewinnen sollen.

Im Talkback ist die Einigkeit weniger gross. Die einen begrüssen den Entscheid, die anderen hätten gerne eine andere Lösung gesehen. Für Martin Güdel beispielsweise ist das Urteil logisch, wie er in seinem Kommentar schreibt. «Ich kann den Entscheid verstehen: GC-Fans haben provoziert, deshalb Busse. FCZ-Fans haben durchgedreht, deshalb Busse und Niederlage. Wer ein grobes Foul begeht, sieht Gelb. Wer sich mit einer Tätlichkeit rächt, sieht Rot. Dass er provoziert worden ist, interessiert niemanden. So ist der Sport, so sind die Regeln. Jeder weiss es. Wieso sollte man mit den Fans nicht auch so umgehen?» Der User «Neutraler Zuschauer» spricht hingegen von einem «krassen Fehlentscheid». «GC war für die Sicherheit im Stadion verantwortlich, hat nicht genug Securitys aufgeboten und seine Fans provozierten indem sie die Zaunfahne von den 'Boys' (eine FCZ-Gruppierung, Anm. d. Red.) klauten - und nun werden sie für das noch belohnt?», fragt er. Klar rechtfertige das keinen Petardenwurf, «aber überlegt euch doch mal: Es ist die letzte Runde der Meisterschaft, ein Fan geht in die gegnerische Kurve und veranstaltet irgendetwas, worauf das Spiel abgebrochen wird und dann?» Das Heimteam sei für die Sicherheit zuständig, von daher sei es für ihn schlicht und einfach ein Fehlentscheid.

«Fans können ein Spiel manipulieren»

Von einem solchen spricht auch User «Peter Zürich» - aus ähnlichen Gründen. Er führt an: «Fakt ist, dass es keine der beiden Mannschaften verdient hat. Denn durch dieses Urteil können die Fans ein Spiel manipulieren. Wieso erhält GC diesen Sieg und wird zeitgleich mit einer Busse bestraft? Das heisst doch, dass GC eine Mitschuld trägt. Also ist dies ein Fehlurteil. Am Besten wäre es gewesen, dass das Spiel 0 zu 0 zu werten und keine Punkte zu vergeben.» Auch User «Markus» bläst ins gleiche Horn: «Schade, dass Spiele am Tisch und nicht auf dem Rasen entschieden werden. Daraus folgt, dass in Zukunft die 'Fans' entscheiden können, wer ein Spiel gewinnt - mit ein paar Kollegen in den gegnerischen Sektor rein und Randale machen und schon gewinnt 'meine' Mannschaft. Eine interessante Perspektive...»

User «Roman Züricher» hätte auch gerne ein anderes Urteil gesehen - zugunsten des Sports. «Wem wird geholfen?», schreibt er in unser Talkback und beantwortet die Frage gleich selber: «Leider niemandem, weil der Verlierer ist der Sport. Fakt. Am Grünen Tisch zu entscheiden, naja. 12-13 Minuten nachspielen, ja. Der GCZ spielte wie verwandelt, FCZ hatte keine Chance. In diesem Sinne wäre ein 2-1 für GC auch ok.» Und wer glaubt, dass alle GC-Fans nach dem Entscheid ausgiebig Freudensprünge machten, irrt. So schreibt beispielsweise User «David Beckham»: «Als GC-Fan freue mich über die drei Punkte. Aber: So machts nicht so viel Spass. Bin nicht unbedingt mit dem Ergebnis zufrieden. 0 Punkte für beide wäre angemessener gewesen!»

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