Pauschalbesteuerung: Verliert Tina Turner ihre Steuerprivilegien?
Aktualisiert

PauschalbesteuerungVerliert Tina Turner ihre Steuerprivilegien?

Ausländische Promis, die in Zürich leben, müssen vielleicht schon bald mehr Steuern bezahlen. Das Volk entscheidet Anfang Februar darüber. Tina Turner könnte sich dagegen selbst um ihre Privilegien bringen.

Besteuerung nach Aufwand: So nennt sich ein Steuerdeal im Fachjargon. Von einer solchen Pauschalbesteuerung profitierte in den letzten Jahren angeblich auch Tina Turner, die in Küsnacht ZH wohnt. Das Steueramt will sich auf Nachfrage zu ihrem konkreten Fall aber nicht äussern.

Schluss mit Turners Abkommen?

Mitte Februar wird die amerikanische Sängerin im Hallenstadion zwei Konzerte geben und damit in der Schweiz ein Erwerbseinkommen erzielen. Glaubt man den Worten von Bernhard Greminger, Konsulent Steuergesetzgebung beim kantonalen Steueramt, müsste mit Turners Abkommen aber unabhängig vom Abstimmungsresultat bald Schluss sein. Denn: «Allgemein kann festgehalten werden: Ein Künstler, der in der Schweiz ein Konzert gibt und daraus ein Einkommen erzielt, übt hier eine Erwerbstätigkeit aus, die eine Pauschalbesteuerung ausschliesst», so Greminger.

Das Volk entscheidet

Anders sehen dies freilich die Gegner der Pauschalbesteuerung: Gegenüber dem «Tages-Anzeiger» äusserte der grüne Kantonsrat Ralf Margreiter die Vermutung, Tina Turner könnte argumentieren, sie gebe ein Benefizkonzert. Dann müsste sie zwar auf eine fette Gage verzichten, die Möglichkeit pauschal Steuern zu bezahlen dürfte mit diesem Trick aber vorerst weiterhin gegeben sein.

Turners längerfristiges Steuerschicksal liegt am 8. Februar jedoch in den Händen der Zürcher Stimmberechtigten. Sollte es zu Ungunsten der Sängerin ausfallen, bliebe noch immer der Wegzug von Küsnacht in den Kanton Schwyz. Ennet dem See gibt es keine Bestrebungen, die Steuerabkommen mit reichen Ausländern abzuschaffen.

«No Deal»

Laut Greminger vom Zürcher Steueramt handelt es sich bei der Pauschalbesteuerung aber nicht um Deals: «Bei der Besteuerung nach dem Aufwand, die auch als Pauschalbesteuerung bezeichnet wird, geht es nicht um ein Aushandeln von Steuern, sondern um eine im Steuergesetz vorgesehene Methode.» Als Bemessungsgrundlage für die Steuerrechnung dienen statt dem Einkommen die weltweiten Lebenshaltungskosten des Steuerpflichtigen und seiner Familie - oder minimal der fünffache Betrag der jährlichen Mietkosten.

Schumi hat's gut

Keine Sorgen zu machen braucht sich Michael Schumacher. Der ehemalige Formel-1-Pilot wohnt in Vufflens-le-Château am Genfersee. Weiterhin wird Schumi, dessen jährliches Einkommen auf 100 Millionen Franken und sein Vermögen auf 800 bis 900 Millionen geschätzt wird, von einem Steuerdeal mit dem Kanton Waadt profitieren können. Angeblich hat Schumi ausgehandelt, jährlich nur zwei Millionen Franken Steuern bezahlen zu müssen.

146 000 Franken Steuern pro Person

Im Kanton Zürich gab es 2006 mit 137 Personen ein Pauschalbesteuerungsabkommen. Daraus resultierten total 20,11 Millionen Franken (Gemeinde-, Staats- und Bundessteuern.) - pro Person also rund 146 000 Franken. Schweizweit profitierten Ende 2005 4150 Personen von Steuerdeals. 90 Prozent der Personen mit Steuerabkommen lebten in den Kantonen Graubünden, Waadt, Wallis und Genf. Durchschnittlich lieferten sie je 96 000 Franken an den Fiskus ab.

(scc/sas)

Deine Meinung