Gerichtsprozess zu Femizid in Buchs SG beginnt am Mittwoch

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Femizid in Buchs SGVerlobte totgeprügelt – jetzt kommt es zum Prozess gegen den Ex-Partner

Im Februar 2021 ereignete sich in Buchs SG ein Tötungsdelikt. Ein 25-Jähriger soll seine Verlobte, mit der er ein gemeinsames Kind hatte, zu Tode geprügelt haben. Am Mittwoch kommt es zum Prozess.

von
Leo Butie
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In dieser Mietwohnung in Buchs SG kam es zur Tat: Der heute 25-jährige N.O.* soll seine Verlobte totgeprügelt haben.

In dieser Mietwohnung in Buchs SG kam es zur Tat: Der heute 25-jährige N.O.* soll seine Verlobte totgeprügelt haben.

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Seit 2014 seien die beiden ein Paar gewesen. Während O. seine Partnerin als «dümmlich, unreif und naiv» bezeichnete, sei dieser die grosse Liebe des Opfers gewesen. 

Seit 2014 seien die beiden ein Paar gewesen. Während O. seine Partnerin als «dümmlich, unreif und naiv» bezeichnete, sei dieser die grosse Liebe des Opfers gewesen. 

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Der Fall wird vor dem Kreisgericht Werdenberg-Sarganserland verhandelt. Die Staatsanwaltschaft fordert eine Freiheitsstrafe von zwölf Jahren. 

Der Fall wird vor dem Kreisgericht Werdenberg-Sarganserland verhandelt. Die Staatsanwaltschaft fordert eine Freiheitsstrafe von zwölf Jahren. 

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Darum gehts

  • Im Februar 2021 soll der 25-jährige N.O. seine Verlobte zu Tode geprügelt haben. 

  • Der Beschuldigte hatte das Opfer immer wieder mit massiver Gewalt geschlagen und psychisch gedemütigt.

  • Am Mittwoch wird der Fall vor dem Kreisgericht Werdenberg-Sarganserland verhandelt.

  • Die Staatsanwaltschaft fordert eine Freiheitsstrafe von zwölf Jahren sowie einen Landesverweis von sieben Jahren. 

TRIGGERWARNUNG: Dieser Artikel enthält Beschreibungen schwerer häuslicher Gewalt.

Für das 21-jährige Opfer L.G.* war er die grosse Liebe. So steht es in den anfänglichen Zeilen der Anklageschrift der St. Galler Staatsanwaltschaft, die dem heute 25-jährigen N.O.* vorsätzliche Tötung vorwirft. Der Beschuldigte soll im Februar 2021 durch massive Gewalt den Tod seiner Verlobten verursacht haben. 

Der in Chur GR geborene Somalier, welcher als Filialleiter einer Pizzeria in Buchs SG arbeitete, war seit 2014 mit Unterbrüchen in einer Beziehung mit dem 21-jährigen Opfer. Zwischen ihnen habe ein emotionales Ungleichgewicht bestanden. Der Beschuldigte bezeichnete das Opfer als «dümmlich, unreif und naiv» und habe der Beziehung keine grosse Bedeutung zugemessen. Mehrmals habe er die Liebschaft beenden wollen, im Frühjahr 2019 endgültig. 

Schläge waren an der Tagesordnung

Kurz darauf habe das Opfer dem Beschuldigten mitgeteilt, dass es schwanger sei. Aus diesem Grund wurde die Beziehung wieder aufgenommen. Die beiden bezogen in Buchs eine Wohnung. Ende 2019 kam die gemeinsame Tochter zur Welt. 

Das Kinderglück brachte keine Harmonie in die Beziehung. Im Gegenteil: Spätestens ab Dezember 2020 seien Schläge und psychische Demütigungen an der Tagesordnung gewesen. Zu Beginn habe der Somalier seine Schweizer Freundin mit Händen und Füssen geschlagen. Später habe er aber begonnen, «mit Stöcken und Stangen» auf das Opfer einzuprügeln, da er sich beim Zuschlagen selbst am Handgelenk verletzt habe.

Durch die Schläge habe er beim Opfer an den Armen und Beinen bleibende Schäden angerichtet. Die Muskulatur der Oberschenkel und Oberarme habe sich «buchstäblich zermalmt» und verknöcherte sich dadurch, was ihr das Heben der Arme und das Treppensteigen erschwerte.

Opfer von Familie isoliert

Gleichzeitig wurde O. immer kontrollierender. Der Beschuldigte isolierte das Opfer von seiner Familie und von seinem Freundeskreis. Er zerstörte sein Mobiltelefon, verbot ihm den Kontakt zu den Eltern und beschimpfte und bedrohte die Freundinnen des Opfers, als diese es besuchen wollten. Nur eine Freundin liess er für kurze Zeit hinein und verliess auch nicht den Raum, als sie sich mit der 21-jährigen Schweizerin unterhielt. 

An einem Abend im Februar 2021 misshandelte der Beschuldigte das Opfer zum wiederholten Male und habe sie «noch brutaler als sonst mit Stöcken und Stangen» geschlagen. Kurz nach 21 Uhr bemerkte er, dass die 21-Jährige kaum einen Puls aufwies und nach Luft rang.

Anstatt den Rettungsdienst zu alarmieren, habe der Beschuldigte mehrmals versucht, seinen Chef zu erreichen. Erst danach wählte er den Notruf. Die eingetroffenen Rettungskräfte konnten nach mehreren Wiederbelebungsversuchen nur noch ihren Tod feststellen. 

Zwölfjährige Haftstrafe gefordert

Laut dem Bericht des St. Galler Instituts für Rechtsmedizin hat der Leichnam des Opfers Wunden am ganzen Körper aufgewiesen. Wegen der zahlreichen Verletzungen hätten ein Blutverlust nach innen sowie eine sogenannte Fettembolie zum Tod der jungen Frau geführt. 

Am Mittwoch kommt es am Kreisgericht Werdenberg-Sarganserland zum Prozess. Die Staatsanwaltschaft fordert für den Somalier unter anderem wegen mehrfacher schwerer Körperverletzung sowie vorsätzlicher Tötung eine zwölfjährige Freiheitsstrafe und einen siebenjährigen Landesverweis. Es gilt die Unschuldsvermutung. 

*Namen der Redaktion bekannt.

Trauerst du oder trauert jemand, den du kennst?

Hier findest du Hilfe:

Dargebotene Hand, Sorgen-Hotline, Tel. 143

Seelsorge.net, Angebot der reformierten und katholischen Kirchen

Muslimische Seelsorge, Tel. 043 205 21 29

Jüdische Fürsorge, info@vsjf.ch

Lifewith.ch, für betroffene Geschwister

Verein Regenbogen Schweiz, Hilfe für trauernde Familien

Pro Juventute, Beratung für Kinder und Jugendliche, Tel. 147

Pro Senectute, Beratung älterer Menschen in schwierigen Lebenssituationen

Bist du oder ist jemand, den du kennst, von sexualisierter, häuslicher, psychischer oder anderer Gewalt betroffen?

Hier findest du Hilfe:

Polizei nach Kanton

Beratungsstellen der Opferhilfe Schweiz

Lilli.ch, Onlineberatung für Jugendliche

Frauenhäuser in der Schweiz und Liechtenstein

Zwüschehalt, Schutzhäuser für Männer

LGBT+ Helpline, Tel. 0800 133 133

Alter ohne Gewalt, Tel. 0848 00 13 13

Dargebotene Hand, Sorgen-Hotline, Tel. 143

Pro Juventute, Beratung für Kinder und Jugendliche, Tel. 147

Beratungsstellen für gewaltausübende Personen

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