Aktualisiert 29.11.2009 19:07

Minarett-Initiative

«Verloren hat die ganze Schweiz»

Die Schweiz hat dem Minarett-Verbot zugestimmt. Sollte die muslimische Gemeinschaft in der Schweiz weiter eingeengt werden, befürchtet der Präsident der Islamischen Dachorganisationen soziale Spannungen. Der Imageschaden für die Schweiz sei zudem beträchtlich.

von
Marius Egger

Herr Maizar, die Anti-Minarett-Initiative wurde deutlich angenommen. Ein Schlag ins Gesicht für Sie?

Hisham Maizar: Es ist kein Jubeltag, aber von einem Schlag ins Gesicht kann man nicht sprechen. Denn die Verlierer sind nicht allein die Muslime. Verloren hat heute die ganze Schweiz.

Das Resultat basiert auf einem demokratischen Entscheid. Wieso hat die Schweiz verloren?

Weil an den Grundwerten der Schweiz gerüttelt wird. Im Ausland galt die Schweiz immer als neutrale, objektive Institution. Sie genoss einen hervorragenden Ruf. Jetzt kann die Schweiz nicht mehr neutral auftreten, sie kann nicht mehr Konfliktvermittlerin spielen, weil sie selber ein Grundrecht verletzt: Das Grundrecht der Religionsfreiheit. Das Image der Schweiz hat einen enormen Schaden erlitten.

Haben Sie Reaktionen aus muslimischen Ländern erhalten?

Ja, sie sind allesamt empört. Das zeigen auch die weltweiten Reaktionen der Online-Medien: Die Schweiz hat sich ein neues Problem eingefangen.

Wird das zu sozialen Spannungen führen?

Das hängt vom Umgang mit dem Resultat ab. Werden die Muslime weiter eingeengt, wird es zu sozialen Spannungen kommen. Wir werden uns sicherlich nicht alles erlauben, was unser Existenzrecht bedroht. Viel wichtiger ist aber, wie die Sieger mit dem Resultat umgehen.

Konkret?

Wir Muslime sind nach wie vor bereit für einen Dialog, für Gespräche mit den Minarett-Gegnern. Aber die Sieger haben ja bereits weitere einengende Massnahmen in Aussicht gestellt. Wenn die Muslime das Gefühl bekommen, dass sie nicht erwünscht sind und ausgegrenzt werden, dann werden sie sich zeigen.

Laut Experten ist die Umsetzung des Minarettverbots rechtlich zumindest heikel. Kämpfen Sie dagegen an?

Ich persönlich nicht. Aber die Verteidiger der Menschenrechte müssten sich jetzt aufgerufen fühlen und an den Gerichtshof für Menschenrechte gelangen. Dieser wird keine grosse Freude am Entscheid haben.

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