Vermiest Hongkong-Klima die Schweizer Olympia-Träume?
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Vermiest Hongkong-Klima die Schweizer Olympia-Träume?

Die Reiter gehören zu den grössten Schweizer Hoffnungen auf eine Olympia-Medaille. Aber nach dem Rückzieher der Dressur-Equipe überdenken jetzt auch die Springreiter ihr Engagement in der Tropenhitze von Hongkong.

Die Temperaturen zu hoch, die Luftfeuchtigkeit zu hoch, die Reisestrapazen zu gross. Silvia Iklé, die beste Dressurreiterin im Schweizer Team, hat sich entschieden, die Reise an die Olympischen Spiele nach Hongkong - dort finden wegen der strengen Quarantäne-Vorschriften in Peking die Reitwettbewerbe statt -nicht anzutreten. Weiterer Grund: Ihr Pferd leidet unter Flugangst.

Die Folgen: Der Schweizerische Verband für Pferdesport hat sich nach Iklés Verzichtserklärung dazu entschlossen, das gesamte Dressurreitteam zu Hause zu lassen – dem olympischen Gedanken zum Trotz. Nationaltrainer Jürgen Koschel gab darauf seinen Rücktritt bekannt, chinesische Journalisten bestürmten nach der Absage die Schweizer Diplomaten im pferdeverrückten Hongkong (20minuten.ch berichtete).

«Nicht ganz unproblematisch»

Nun stellt sich die Frage: Werden auch andere Pferdesportler wegen zu grosser Strapazen die Reise an die Olympischen Spiele absagen? Die Springreiter, in der Vergangenheit immer wieder als Medaillenhoffnungen gestartet, machen sich so ihre Gedanken. Die klimatischen Bedingungen sind jedenfalls auch für sie ein Thema. «Die Bedingungen sind nicht ganz unproblematisch», sagt Beat Mändli, potenzielle Medaillenhoffnung der Schweizer Springreiter gegenüber 20minuten.ch. Ähnliches ist von Markus Fuchs zu erfahren. «Man muss sich natürlich fragen, ob das Risiko für die Pferde zu gross ist», sagt Fuchs. Ob er in Hongkong beim Wettkampf dabei sein wird, ist allerdings auch aus anderen Gründen offen. Fuchs hatte in der Vergangenheit im entscheidenden Moment die eigenen Nerven und jene seines Pferdes nicht immer im Griff, um eine Spitzenplatzierung zu landen. Deshalb sagt er: «Vielleicht sollten jetzt die jüngeren Reiter gehen.»

«...dann muss man die Reise hinterfragen»

Diese Gedanken macht sich auch der Teamverantwortliche Rolf Grass, wie er gegenüber 20minuten.ch sagt. Die Selektion ist allerdings noch offen. «Wir werden uns am Montag zu einer Auslegeordnung treffen. Danach wissen wir mehr», sagt Grass. Dabei geht es einerseits um die Selektion, andererseits auch um die ideale Vorbereitung auf das Olympiaturnier. Entscheidend wird sein, ob die Pferde für die klimatischen Bedingungen in Hongkong geeignet sind. Aus diesem Anlass wird mit der Zürcher Universitätsklinik zusammengearbeitet. Dort werden die Pferde auf «Herz und Nieren» getestet. Ob die Schweizer Springreiter-Delegation den Weg nach Hongkong antreten wird, wird wohl erst in einigen Monaten entschieden. Beat Mändli sagt: «Wenn keine berechtigten Medaillenhoffnungen bestehen, muss man die Reise schon hinterfragen.»

Die Schweizer Springreiter holten letztmals an den Olympischen Spielen 2000 Edelmetall. Damals sprangen sie mit der Mannschaft in Sydney auf den zweiten Platz. Medaillenchancen dürfen sich in China am ehesten Christina Lieberherr, Steve Guerdat und Beat Mändli ausrechnen, vor allem im Mannschaftsspringen – wenn sie denn nach Hongkong reisen.

Marius Egger, 20minuten.ch

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