Aktualisiert 18.03.2020 17:06

Eschenbach SGVermieter erlässt Geschäft wegen Corona die Miete

Die Betreiberin eines Kosmetikstudios muss keine Miete bezahlen, solange sie nicht arbeiten kann. Der Vermieter spricht von Selbstverständlichkeit. Ein Facebook-Post dazu geht derzeit viral.

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mig
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Eveline De Maria muss für ihr Kosmetikstudio in Eschenbach SG keine Miete bezahlen, solange sie auf Anordnung des Bundes das Geschäft nicht öffnen darf.

Eveline De Maria muss für ihr Kosmetikstudio in Eschenbach SG keine Miete bezahlen, solange sie auf Anordnung des Bundes das Geschäft nicht öffnen darf.

privat
Ihr Vermieter hat ihr während dieser Zeit die Miete erlassen.

Ihr Vermieter hat ihr während dieser Zeit die Miete erlassen.

Facebook/Ivo Kuster
Der Vermieter Ivo Kuster sagt: «Für mich war sofort klar, dass ich ihr die Miete während dieser Zeit komplett erlasse, als sie mich auf eine Mietzinsreduktion ansprach.»

Der Vermieter Ivo Kuster sagt: «Für mich war sofort klar, dass ich ihr die Miete während dieser Zeit komplett erlasse, als sie mich auf eine Mietzinsreduktion ansprach.»

Facebook/Ivo Kuster

«Habe meiner Mieterin soeben die Miete erlassen, bis sie die Arbeit in ihrem Kosmetikstudio wieder aufnehmen darf», so beginnt ein Facebook-Post von Ivo Kuster. Der Post wurde innerhalb von 24 Stunden über 39'000-mal geteilt und über 9000-mal kommentiert. Kuster sagt dazu: «Ich bin erstaunt, dass mein Text derart viralgeht. Für mich ist mein Handeln nur logisch.» Die Vermieter hätten in den letzten Jahren gut verdient, nun können man auch einmal zurückgeben, so der 40-jährige Pädagoge und SP-Politiker.

Er habe die Mieterin am Dienstag per Zufall vor dem Kosmetikstudio in Eschenbach SG getroffen. Sie habe ihn dabei nach einer Mietzinsreduktion gefragt, solange sie das Geschäft auf Anordnung des Bundes nicht öffnen dürfe «Für mich war sofort klar, dass ich ihr die Miete während dieser Zeit komplett erlasse», sagt Kuster.

Dies könne jeder Vermieter eines Geschäftsraums verdauen, ist er überzeugt, sonst habe er sich verkalkuliert. Und seines Erachtens leiden die kleinen Geschäfte am meisten an den verordneten Schliessungen wegen des Coronavirus. Deswegen ermutigt Kuster andere Vermieter: «Nach all den Jahren des Nehmens, wäre jetzt Geben angesagt.»

Existenz steht auf dem Spiel

Eveline De Maria führt das Kosmetikstudio Eveline in Eschenbach. Sie sagt: «Ich bin sehr glücklich, dass sich mein Vermieter so grosszügig zeigt. Derzeit steht für mich die Existenz auf dem Spiel.» Es sei nicht das erste Mal, meint De Maria weiter. Sie habe vor rund drei Jahren Krebs diagnosziert bekommen. Sie könne aus gesundheitlichen Gründen auch heute nur noch 60 Prozent arbeiten. Erst Anfang Jahr sei es mit dem Kosmetikstudio wieder richtig aufwärtsgegangen und sie könne von den Erträgen leben. Jetzt werfe sie das Coronavirus wieder zurück. Deswegen sei sie umso glücklicher, dass sie nun vorerst keine Miete für das Studio bezahlen müsse, so die 58-Jährige.

Dass Kuster die Geschichte in den sozialen Medien publik gemacht hat, habe sie im ersten Moment überrascht. Dennoch sagt sie: «Die Aktion animiert vielleicht andere und das ist gut, denn es geht vielen Besitzern von Geschäften genau gleich wie mir.» In der aktuellen Situation sei Solidarität wichtig und man müsse die Krise gemeinsam angehen.

Vorlage Mietpreisreduktion

Ivo Kuster hat mittlerweile eine Dokumentvorlage erstellt, mit der betroffene Mieter ihre Vermieter um Mietpreisreduktion bitten können.

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