Abtwil SG: Vermieter sperrt Mieter mehrfach in Schuppen ein

Aktualisiert

Abtwil SGVermieter sperrt Mieter mehrfach in Schuppen ein

Ein Ehepaar war rund eine halbe Stunde in einem Schuppen eingesperrt. Der Vermieter hatte absichtlich die Türe abgeschlossen. Nun steht der Mann vor Gericht.

von
Michel Eggimann
1 / 6
Der Vermieter eines Schuppens hat in Abtwil SG mehrmals Personen eingesperrt.

Der Vermieter eines Schuppens hat in Abtwil SG mehrmals Personen eingesperrt.

Gemeinde Gaiserwald
Eine Frau wurde innert drei Tagen zweimal für mehr als zehn Minuten eingesperrt.

Eine Frau wurde innert drei Tagen zweimal für mehr als zehn Minuten eingesperrt.

Gemeinde Gaiserwald
Das Untersuchungsamt Gossau wirft dem Vermieter mehrfache Freiheitsberaubung vor.

Das Untersuchungsamt Gossau wirft dem Vermieter mehrfache Freiheitsberaubung vor.

gerichte.sg.ch

Darum gehts

  • Der Vermieter eines Schuppens hat in diesem zweimal Personen eingesperrt.
  • Der Rentner hat eine Frau innert drei Tagen zweimal der Freiheit beraubt.
  • Gegen den 88-Jährigen läuft am Montag eine Verhandlung vor Gericht.
  • Der Vorwurf lautet mehrfache Freiheitsberaubung und eventualiter mehrfache versuchte Nötigung.

Ein Mann hat in Abtwil SG für sein Gartenbaugeschäft einen Schuppen gemietet. Das Mietverhältnis wurde dann auf Ende Februar 2017 aufgelöst. Mit der zuständigen Gemeinde Gaiserwald und dem Vermieter des Schuppens wurde vereinbart, dass der Mann am 20. September einen Schlüssel bekommt, um den Schuppen zu räumen.

Am besagten Tag ging der Mann mit seiner Frau in den Schuppen. Dies passte dem Vermieter offenbar nicht. Wie es in der Anklageschrift gegen den Vermieter heisst, hat er den Schuppen mit einem Vorhängeschloss von aussen abgeschlossen, als das Paar drin war. Da weitere Ausgänge verschlossen oder schwer erreichbar gewesen seien, konnte das Ehepaar den Schuppen nicht verlassen. Eine Bekannte der Eingesperrten habe die Szenerie beobachtet und den heute 88-Jährigen auf den Umstand angesprochen, dass ihre Bekannten im Schuppen eingeschlossen sein. «Trotz Kenntnis dieses Umstandes und Handlungsmöglichkeit, unterliess der Beschuldigte, den Schuppen umgehend aufzuschliessen, sondern tat des erst nach rund 20-30 Minuten», so die Anklageschrift. Das sei eine Einschränkung der Fortbewegungsfreiheit.

Nichts gelernt

Zwei Tage später hat der Vermieter die Frau noch einmal im Schuppen angetroffen. Sie habe ihm klar gemacht, dass sie nur noch einige Sachen holen wolle und nach zehn Minuten wieder weg sei. Dies hätten der Rentner und seine Frau nicht gewollt, deshalb griff der Mann erneut zum Schlüssel für das Vorhängeschloss und schloss die Frau «wissentlich und willentlich für zehn Minuten unrechtmässig» ein.

Am Montag ist die Verhandlung gegen den 88-Jährigen. Die Vorwürfe lauten mehrfache Freiheitsberaubung und eventualiter mehrfache versuchte Nötigung. Die Schuldfrage wird an der Verhandlung geklärt. Geht es nach der Staatsanwaltschaft soll der Mann zu einer bedingten Geldstrafe und einer Busse von 960 Franken verurteilt werden.

Bedingte Geldstrafe

Eine bedingte Geldstrafe muss nicht zwingend bezahlt werden, sondern nur bei weiteren Vergehen des Verurteilten. Sie wird aufgeschoben mit einer Probezeit. Im vorliegenden Fall beantragt die Staatsanwaltschaft eine Probezeit von zwei Jahren.

Deine Meinung