Zürich: Vermieter tricksen bei der Übergabe der Wohnung
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ZürichVermieter tricksen bei der Übergabe der Wohnung

Zürcher Vermieter müssen seit Anfang Jahr angeben, wie viel Zins der Vormieter bezahlen musste. Um das zu umgehen, lassen sie die Wohnungen extra monatelang leerstehen.

von
Maja Sommerhalder
Seit Januar müssen Zürcher Vermieter die Vormiete auf einem Formular angeben, allerdings umgehen dies viele mit allerlei Tricks.

Seit Januar müssen Zürcher Vermieter die Vormiete auf einem Formular angeben, allerdings umgehen dies viele mit allerlei Tricks.

Ein neues Gesetz sollte Zürcher Mieter eigentlich schützen, wenn sie in eine neue Bleibe einziehen. Denn in der Vergangenheit nutzten die Vermieter den Wechsel oft aus, um den Mietzins um einige hundert Franken zu erhöhen - ohne dass an der Wohnung etwas gemacht wurde. Um dies zu verhindern, müssen sie deshalb seit Anfang Jahr auf einem Formular angeben, wie viel der Vormieter zahlte, und allfällige Aufschläge begründen.

Allerdings wird dabei fleissig getrickst, wie Walter Angst, Sprecher des Zürcher Mieterverbandes, sagt: «Wir stellten in den letzten Monaten mehrere Umgehungsversuche fest.» So liessen Vermieter die Wohnungen etwa für ein paar Monate leerstehen: «Sie sagen dann, sie könnten die Miete des Vormieters nicht angeben, da die Wohnung gar nicht vermietet gewesen sei.» Vorübergehende Einnahmeverluste dürften sie laut der Zeitschrift «Mieten & Wohnen» dank der höheren Miete schnell wieder wettgemacht haben.

Fiktive Mieter oder Lügen

Ebenfalls ein beliebter Trick: Vermieter überlassen ihre Wohnung einige Monate einem Mitarbeiter zu einem bereits höheren Mietzins - dieser ist aber nur ein fiktiver Mieter, so Angst: «Die dem echten Nachmieter angezeigten Aufschläge sind dadurch weniger hoch.» Auch werde schlicht eine falsche Vormiete angegeben, in der Hoffnung, niemand kontrolliere es. «Oder die Vermieter legen das Formular einfach nicht dem Mietvertrag bei.»

Um solche Tricksereien aufzudecken, braucht es fast detektivisches Geschick, so Angst: «Man kann etwa die anderen Hausbewohner fragen, wie viel Miete sie bezahlen und wer vorher in der Wohnung lebte.» Ebenfalls sollte man sich erkundigen, wie lange der Vorgänger darin lebte: «Eine kurze Mietdauer kann auf einen fiktiven Vormieter hindeuten.» Falls solche Umgehungsgeschäfte entdeckt werden, lohnt es sich laut Angst, dagegen vorzugehen - auch wenn man schon länger in die Wohnung eingezogen ist: «Eine Schlichtungsbehörde kann dann den Mietzins neu festsetzen», so Angst.

Verfahren wegen Mieterwechsel haben sich gehäuft

Wie oft Mieter gegen solche Tricksereien vorgehen, kann Angst nicht sagen. Die Verfahren gegen Vermieter wegen übersetzter Mietzinserhöhungen bei Mieterwechseln hätten sich aber gehäuft: «In den ersten vier Monaten dieses Jahres waren es bei der Zürcher Schlichtungsbehörde 50 - im ganzen Jahr 2013 gerade mal 20 und 2012 bloss 8 Fälle.»

Ebenfalls angestiegen seien die Beratungsgespräche beim Mieterverband wegen der Anfangsmiete selbst: «Im ersten Halbjahr 2014 sind 400 schon Mieterinnen und Mieter zu uns gekommen. Noch 2011 hatten wir nur 89 Fälle.»

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