Aktualisiert 23.01.2015 10:51

Dietikon ZH

Vermieter zockt Bedürftige ab – von Stadt angezeigt

Viele Hauseigentümer zocken Sozialhilfebezüger mit viel zu hohen Mieten ab. Die Stadt Dietikon zeigt nun einen solchen Vermieter wegen Wucher an.

von
som
In Dietikon werden Sozialhilfebezüger oft in überteuerten Wohnungen einquartiert.

In Dietikon werden Sozialhilfebezüger oft in überteuerten Wohnungen einquartiert.

Die grösste Bruchbude zum Wucherpreis: Das erlauben sich viele Vermieter, wenn ein Sozialhilfebezüger in der Wohnung lebt. Da sie genau wissen, wie viel die Behörden für eine Wohnung zahlen, verlangen sie verdächtig oft diesen Preis – in Dietikon sind das etwa für Einzelpersonen 1100 Franken. Dazu verrechnen sie noch horrende Nebenkosten, die die Sozialabteilung laut Gesetz vollständig übernehmen muss. Ein weiterer Trick ist eine hohe Kaution, deren Herausgabe beim Auszug dann systematisch verweigert wird – unter dem Vorwand, die Sozialhilfebezüger hätten das Zimmer verwüstet.

Der Dietiker Sozialvorstand Roger Bachmann (SVP) hat nun genug. «Wir haben immer wieder mit Grundeigentümern zu kämpfen, die die Notlage der Leute ausnützen – und damit letztlich auch den Steuerzahler», sagt er zur «Limmataler Zeitung». Rund ein Dutzend Vermieter hat die Stadt im Visier, die Sozialhilfebezügern regelmässig überteuerte Wohnungen andrehen, die in katastrophalem Zustand sind.

Strafanzeige wegen Wucher

Kürzlich hat sie gar gegen einen Vermieter Strafanzeige wegen gewerbsmässigen Wuchers eingereicht. «Meiner Meinung nach ist der Tatbestand erfüllt», sagt Bachmann. Aber ob die Staatsanwaltschaft dies auch so sehen werde, sei noch nicht geklärt.

Meistens seien den Behörden aber die Hände gebunden, weil der Sozialhilfebezüger den Mietvertrag abschliesst. Und dies ist oft bereits geschehen, bevor jemand aufs Sozialamt kommt. «Man kann nur den Anfangsmietzins anfechten», sagt die Leiterin der Dietiker Sozialabteilung, Lilian Blurtschi. Ist ein Vertrag bereits abgeschlossen, muss die Stadt den überrissenen Mietzins bezahlen – zumindest so lange, bis eine günstigere Alternative gefunden wurde. Da aber Sozialhilfebezüger oft Schwierigkeiten bei der Wohnungssuche haben, ist das gar nicht so einfach.

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