Aktualisiert 19.10.2006 11:06

Vermisster Marvin: Im Dorf will keiner an ein Drama glauben

Zwei Tage nach dem tödlichen Unfall einer 41-jährigen Frau im deutschen Vogelsberg fehlt von ihrem vermissten sechsjährigen Sohn Marvin weiter jede Spur. Die Polizei glaubt an ein Familiendrama, doch im Heimatdorf weigern sich die Bewohner, dieser Möglichkeit ins Auge zu sehen.

Mehrere hundert Einsatzkräfte von Polizei und Feuerwehr hatten am Mittwoch nach dem Sechsjährigen gesucht. Taucher durchkämmten die zahlreichen Seen und Fischteiche. Auch die Bewohner der 280-Seelen-Gemeinde Sichenhausen beteiligten sich an der Suche.

«Es war eine gute Familie», sagt ein älterer Mann gegenüber der «Frankfurter Allgemeinen Zeitung» . Wenn es Spannungen gegeben haben sollte, dann seien sie niemals in der Öffentlichkeit ausgetragen worden. Das Paar und ihre Kinder seien beliebt gewesen. «Da herrschte eine heile Welt.» Dass sich hinter der heilen Fassade ein Drama abgespielt haben könnte, das am Ende auch das Verschwinden des kleinen Marvin erklärt, daran will der Mann nicht denken.

Doch die Polizei geht mittlerweile nicht mehr davon aus, dass Marvin beim Unfall mit seiner Mutter im Auto sass. Dies sei «eher unwahrscheinlich». Wie Polizei und Staatsanwaltschaft berichteten, seien im Haushalt der Familie Abschiedsbriefe gefunden worden. Die Polizei vermutet deshalb, dass die Mutter Selbstmordabsichten hatte und ihren Sohn mit in den Tod nehmen wollte. Zur Klärung der Todesumstände der Frau ordnete die Staatsanwaltschaft für Donnerstag eine Obduktion an.

Die Strasse, in der die Familie wohnt, ist vorläufig abgesperrt. Nur Anwohner und Polizisten haben Zutritt - und die Psychologen, die den Vater sowie die Mutter der Toten und die 15 Jahre alte Tochter betreuen.

Viel gibt es nicht in Sichenhausen: Weder Bäcker noch Fleischer, nicht einmal eine Kneipe. Einmal in der Woche kommt ein mobiler Supermarkt in den Ort.

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