Aktualisiert 05.10.2006 16:05

Vermisstes Ehepaar: Selbstmord oder Flucht?

Ein 33-jähriger Mann aus Winterthur, der des sexuellen Missbrauchs seiner Stieftochter angeklagt war, verschwand samt seiner 40-jährigen Ehefrau spurlos. Das Abwartspaar hatte seine Stelle beim Stadthaus Winterthur auf Ende August gekündigt.

Der Strafprozess begann ohne Angeklagten. Nach dem Paar wurde landesweit gefahndet, bis am Abend aber erfolglos. Die Ermittlungen laufen in alle Richtungen. Es wird weder der Tod des Paars noch dessen allfällige Flucht ins Ausland ausgeschlossen.

Der 33-jährige Hauswart hätte sich am Morgen vor den Schranken des Bezirksgerichts Zürich verantworten sollen. Die Anklage wirft ihm vor, 2003 und 2004 seine damals 13- beziehungsweise 14-jährige Stieftochter mehrfach sexuell missbraucht zu haben. Die Tatorte waren eine Wohnung in Zürich, ein Sportplatz in Winterthur und das Archiv im Keller des Winterthurer Stadthauses. Der Mann war im Juni letzten Jahres verhaftet worden und bis Anfang Oktober 2005 in Untersuchungshaft. Bei einer Hausdurchsuchung wurden DVD sichergestellt, die harte Pornografie mit gewalttätigen und demütigenden Szenen zeigten. Die Öffentlichkeit wurde von der Verhandlung ausgeschlossen. Das Urteil wird auf schriftlichem Weg eröffnet.

Der 33-Jährige und seine 40-jährige Ehefrau werden seit Ende letzter Woche vermisst. Die Stadtpolizei Zürich hatte am Mittwochabend auf Veranlassung von Angehörigen eine Vermisstmeldung veröffentlicht. Bis Donnerstagabend erhielt sie keine konkreten Hinweise auf das Paar, wie Polizeisprecher Erich Maag auf Anfrage sagte. Mittlerweile werde landesweit nach den beiden gefahndet.

Das in Winterthur wohnhafte Ehepaar war gemäss Vermisstmeldung vor rund einem Monat mit seinem auffälligen Personenwagen, einem blauen Chevrolet Alero, ins Berner Oberland gefahren. Es hielt sich zuletzt in Spiez auf. Einen letzten telefonischen Kontakt mit Angehörigen gab es letzten Freitag. Danach erhielten die Angehörigen einen Brief des Ehepaars. Dessen Inhalt lässt gemäss Polizeiangaben befürchten, dass sich die Eheleute ein Leid antun könnten.

Im Mai letzten Jahres hatte der so genannte Zürcher Milieukönig Hans Peter Brunner als Angeklagter in einem Betrugsprozess am Vorabend der Hauptverhandlung am Bezirksgericht Zürich einen Selbstmordversuch unternommen. Der 60-jährige starb am Tag der Verhandlung. Der Prozess wurde abgebrochen.

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