«Arctic Sea»: Vermisstes Schiff wieder geortet?
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«Arctic Sea»Vermisstes Schiff wieder geortet?

Es wird immer mysteriöser: Erst wurde das vermisste Schiff angeblich vor den Kapverdischen Inseln gesichtet, dann soll im Golf von Biskaya die Kennung der «Arctic Sea»
empfangen worden sein. Beides wurde umgehend dementiert. Nun soll der Frachter erneut aufgetaucht sein.

von
mlu

Seit gut zwei Wochen ist die «Arctic Sea» verschwunden. Doch nun soll das Schiff erneut gesichtet worden sein. Wie die russische Nachrichtenagentur Itar-Tass meldet, habe das Schiff am Wochenende die Kapverdischen Inseln passiert und bewege sich nun mit unbekanntem Ziel weiter.

Bereits am Freitag hatte der Generalstabschef der afrikanischen Inselrepublik den russischen Botschafter über die Sichtung eines Schiffes, dass der «Arctic Sea» ähnle, unterrichtet. Dieser liess aber später ausrichten, dass sich diese Information nicht bestätigt habe.

Auf eine ganz andere Region deutete eine Meldung vom Samstag: Gemäss russischen Agenturen habe die «Arctic Sea» ein kurzes Positionssignal gesendet - vor der westfranzösischen Hafenstadt La Rochelle. Doch auch diese Meldung wurde kurz darauf dementiert. Anscheinend meinen die Behörden zu wissen, wo sich das Schiff befindet: «Das Schiff ist nicht gesunken. Seine Position ist bekannt, wird aber aus taktischen Gründen nicht bekanntgegeben», liess sich ein ranghoher russischer Militärsprecher in Brüssel zitieren.

Lösegeldforderung eingegangen

Derweil sieht sich die Reederei Solchart mit einer Lösegeldforderung konfrontiert: Gemäss der finnischen Polizei sei aber unklar, von wem die Forderung stamme, wann sie einging und wie viel Geld gefordert wurde. Ein Polizeisprecher sagte am Samstag in Helsinki, der verlangte Betrag sei «beträchtlich, aber nicht gewaltig». «Wir untersuchen einen Fall von schwerer Erpressung.»

Solchart-Chef Viktor Matwejew lehnte eine Stellungnahme ab. Er konzentriere sich darauf, das verschollene Schiff zu finden. «Ich schlafe nicht, ich esse nicht. Ich arbeite derzeit 24 Stunden am Tag», sagte der Reederei-Chef. «Wir hoffen, dass die Besatzung am Leben ist.»

Die «Arctic Sea» war nach Angaben der Reederei mit Holz im Wert von etwa einer Million Euro auf dem Weg von Finnland nach Algerien. Dort sollte das Schiff mit 15 russischen Besatzungsmitgliedern an Bord am 4. August einlaufen. Es kam jedoch nie an.

NATO hilft Russland bei der Suche

Die russische Marine sucht unter anderem mit Atom-U-Booten nach dem Schiff und erhält dabei Unterstützung durch die NATO. Wie der russische NATO-Botschafter Dmitri Rogosin mitteilte, stehen Russland und das Verteidigungsbündnis wegen des verschollenen Frachters in ständigem Kontakt.

Die finnische Polizei hält ihrerseits nach eigenen Angaben mehr als 20 Länder über die Ermittlungen auf dem Laufenden.

Ob der Frachter entführt wurde oder aus anderen Gründen von seiner Fahrt nach Algerien abwich, ist unklar. Medien spekulierten, das Schiff habe Schmuggelware - möglicherweise Waffen für ein afrikanisches Land - an Bord. Die «Arctic Sea» könnte auch Opfer einer neuen Form der Piraterie geworden sein.

Nach EU-Informationen wurde der Frachter, der bereits am 4. August in der algerischen Küstenstadt Béjaia eintreffen sollte, vor und nach seinem Verschwinden Ende Juli zweimal überfallen. Die Angriffe ereigneten sich demnach vor den Küsten Schwedens und Portugals. (mlu/sda/dapd)

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