13.01.2020 18:38

Unnötige SuchaktionVermisstmeldung kostet Familie tausende Franken

Ein Mann löste am Sonntag einen völlig unnötigen Polizeieinsatz aus. Es ist kein Einzelfall. Mitunter kann das für den Verursacher teuer werden.

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taw
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Ein Mann (62) löste am Sonntag einen völlig unnötigen Polizeieinsatz aus mit Rega und allem drum und dran.

Ein Mann (62) löste am Sonntag einen völlig unnötigen Polizeieinsatz aus mit Rega und allem drum und dran.

Keystone/AP/Andrea Badrutt
Ein Ehepaar und dessen Sohn fuhren am Sonntag von Brülisau in Richtung Steinegg. Etwa auf halber Strecke wollte der 62-jährige Ehemann Fotoaufnahmen vom Alpsteinmassiv machen.

Ein Ehepaar und dessen Sohn fuhren am Sonntag von Brülisau in Richtung Steinegg. Etwa auf halber Strecke wollte der 62-jährige Ehemann Fotoaufnahmen vom Alpsteinmassiv machen.

Wikimedia/Stefan Straub
Er stieg aus dem Auto aus und ging zu Fuss hangabwärts.

Er stieg aus dem Auto aus und ging zu Fuss hangabwärts.

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Ein Ehepaar und dessen Sohn fuhren am Sonntag von Brülisau in Richtung Steinegg. Etwa auf halber Strecke wollte der 62-jährige Ehemann Fotoaufnahmen vom Alpsteinmassiv machen. Er stieg deshalb aus dem Auto und ging zu Fuss hangabwärts, heisst es am Montag in einer Mitteilung der Kantonspolizei Appenzell Innerrhoden. Sein Handy liess er im Auto zurück.

Weil der Mann nach einiger Zeit nicht am vereinbarten Treffpunkt auftauchte, wurde die Polizei alarmiert. Sofort wurden erste Fahndungsmassnahmen eingeleitet und die Alpine Rettung Schweiz aufgeboten. «Wenn eine Suchaktion ausgelöst wird, entscheidet die Polizei darüber, welche Mittel eingesetzt werden und was alles nötig ist», so Roland Koster, Sprecher der Kapo AI. Je kürzer die Zeit zwischen dem Verschwinden und der Meldung bei der Polizei und je grösser die Chance, den Vermissten lebend zu finden, desto höher das Aufgebot, sagt Koster. Hätte man im vorliegenden Fall die Vermisstmeldung erst drei Wochen später oder so getätigt, wäre man auch nicht mit so viel Personal ausgerückt. Hier waren über zwei Dutzend Gebirgsspezialisten der Rettungsstation Appenzell und ein Suchhundeteam im Einsatz und durchkämmten das Chlustobel.

Hohe Kosten für unnötigen Einsatz

Das sehr unwegsame Tobel wurde auch aus dem Rega-Heli intensiv abgesucht. Kurz nach 18 Uhr erschien der vermisste Mann wohlbehalten an seinem Wohnort im Kanton St. Gallen. Er war mit öffentlichen Verkehrsmitteln nach Hause gefahren, ohne seine Ehefrau und den Sohn zu verständigen. Die Familie muss die hohen Einsatzkosten für die Suchaktion selbst begleichen. Diese dürften laut Koster mehrere tausend Franken betragen, der grösste Kostenpunkt dürfte der Rega-Einsatz sein.

Eine klare Richtlinie, wann ein Einsatz selbst bezahlt werden muss, und wann nicht, gibt es gemäss dem Polizeisprecher nicht. Da müsse der Einzelfall angeschaut werden und man müsse abwägen, wie fahrlässig der Verursacher handelte.

Kein Einzelfall

Dass Suchaktionen unnötigerweise ausgelöst werden, kommt immer mal wieder vor. Im Frühling 2019 gab es in Diessenhofen TG sogar eine Reihe ähnlicher Fälle wegen immer derselben Wiffe im Hochrhein. Im Mai zerbrach ein Boot daran, im Juni kenterte ein Kanu.

In beiden Fällen wurde eine Suchaktion ausgelöst, weil die Vorfälle von Dritten beobachtet wurden und diese Personen in Not befürchteten und die Polizei verständigten. Die Personen konnten sich jedoch jeweils selbst retten. Die Polizeieinsätze waren damit unnötig.

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