Aktualisiert 05.01.2011 10:51

Elfenbeinküste

Vermittler drohen mit Gewalt

Eine Militärinvasion der Elfenbeinküste bleibt eine Option, sollte Laurent Gbagbo nicht zurücktreten. Die Vermittler wollen davor aber «noch einen Schritt weiter gehen» in den Verhandlungen.

Ein Uno Soldat steht Wache beim Hotel du Golf, das die Uno und Wahlsieger Alassane Ouattara in Abidjan beherbergt.

Ein Uno Soldat steht Wache beim Hotel du Golf, das die Uno und Wahlsieger Alassane Ouattara in Abidjan beherbergt.

Die Vermittler der Afrikanischen Union (AU) und der westafrikanischen Wirtschaftsgemeinschaft (ECOWAS) sind in der Elfenbeinküste weiter um eine friedliche Lösung des Konflikts bemüht. Nach zwei gescheiterten Verhandlungsrunden suchen die Vermittler erneut das Gespräch mit dem amtierenden ivorischen Präsidenten Laurent Gbagbo. Dieser weigert sich seit seiner Wahlniederlage Ende November, die Macht an Alassane Ouattara abzugeben, den die internationale Gemeinschaft als rechtmässigen Sieger anerkennt.

Die Vermittler wollten «noch einen Schritt weiter gehen», um mit Gbagbo über dessen Rücktritt zu verhandeln und ein Blutvergiessen zu vermeiden, das wahrscheinlich die Folge einer militärischen Invasion wäre, sagte der kenianische Ministerpräsident Raila Odinga am Mittwoch nach seiner Rückkehr aus der Elfenbeinküste in Nairobi.

Invasion als «letztes Mittel»

Eine militärische Lösung zur Entfernung Gbagbos aus dem Amt werde von der ECOWAS und der AU weiterhin nicht ausgeschlossen, sagte Odinga. «Wegen des Verlusts von Menschenleben ist das aber das letzte Mittel, das wir vermeiden wollen», sagte er.

Gbagbo hatte sich am Dienstag zu Gesprächen ohne Vorbedingungen bereit erklärt, dabei aber offen gelassen, ob er nun zum Rücktritt bereit ist. Odinga forderte im kenianischen Radiosender «Capital FM», Gbagbo müsse das Amt «friedlich und ohne weitere Verzögerungen übergeben».

«Wir hatten schon viel zu lange diese Fälle, in denen Amtsinhaber Wahlen verlieren, sich weigern, das Urteil der Wähler zu akzeptieren und letztendlich eine Teilung der Macht verhandeln», sagte Odinga mit Blick auf die von blutigen Unruhen begleiteten Wahlen in Kenia und Simbabwe. «Das darf nicht afrikanische Norm werden.»

Immer mehr Flüchtlinge

In der Elfenbeinküste sind nach Angaben der UNO seit Beginn des Machtkonflikts mehr als 200 Personen getötet worden und mehrere Dutzend spurlos verschwunden. Aus Angst vor Übergriffen verlassen immer mehr Menschen das westafrikanische Land.

Bislang sind rund 22'000 Menschen in das benachbarte Liberia geflohen, wie das UNO-Hochkommissariat für Flüchtlinge (UNHCR) am Mittwoch in Genf mitteilte. Die meisten Flüchtlinge seien Frauen und Kinder und stammten aus dem Westen des Landes.

Auf der Flucht sind laut UNHCR Anhänger beider politischer Lager. Aus Angst vor den Unterstützern des jeweiligen Gegners hätten sie sich zumeist nachts durch die Buschlandschaft in das Nachbarland durchgeschlagen.

Hilfslieferungen nach Liberia

In Liberia haben die Flüchtlinge laut UNHCR vorübergehend Unterschlupf in Dörfern der Region Nimba gefunden. Dort fehlt es den Angaben zufolge aber an Nahrungsmitteln, Unterkünften und Trinkwasser.

Die UNO kündigte an, ihre Hilfslieferungen für die Flüchtlinge zu intensivieren. In der Stadt Sacleapea an der Grenze zur Elfenbeinküste soll ein erstes Flüchtlingslager eingerichtet werden. Dorthin seien bereits Lastwagen mit Hilfsgütern unterwegs. (sda)

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