Kanton Bern - Veröffentlichte Corona-Zahlen von Schultests waren viel zu tief
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Kanton BernVeröffentlichte Corona-Zahlen von Schultests waren viel zu tief

Neue Auswertungen von Spuckproben haben ergeben, dass die Positivitätsrate an Berner Schulen deutlich höher liegt als bisher angenommen. Zurück zu den Massentests will der Kanton dennoch nicht.

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Das Labor in Münsingen hat positive Proben als negative ausgewiesen. 

Das Labor in Münsingen hat positive Proben als negative ausgewiesen.

Franziska Rothenbuehler / Tamedia AG
Die Auswertungen in zwei anderen Laboren förderten deutlich höhere Positivitätsraten zutage.

Die Auswertungen in zwei anderen Laboren förderten deutlich höhere Positivitätsraten zutage.

Franziska Rothenbuehler / Tamedia AG
Die fehlerhaften Werte kommunizierte der Kanton aber nie öffentlich.

Die fehlerhaften Werte kommunizierte der Kanton aber nie öffentlich.

Raphael Moser / Tamedia AG

Darum gehts

  • Die Fallzahlen bei den Schultests im Kanton Bern waren in den Wochen nach den Sommerferien vergleichsweise tief.

  • Wie sich nun herausstellt, entsprachen die Zahlen nicht der Realität, sie waren deutlich zu tief.

  • An der neuen Teststrategie will der Kanton dennoch festhalten.

Drei Wochen nach den Sommerferien hat der Kanton Bern die wöchentlichen Massenspucktests an den Schulen abgeschafft; getestet wird nur noch bei Ausbrüchen. Der Regimewechsel schien nicht abwegig: Die Zahl der positiv getesteten Kinder stieg zwar an, allerdings nicht dramatisch: von 63 Fällen in der ersten auf 103 Fälle in der dritten Schulwoche. Die Positivitätsrate lag in den ersten beiden Wochen bei lediglich 0.09 Prozent. Sämtliche Tests landeten bei einem Labor in Münsingen.

Die vom Kanton veröffentlichten Werte waren allerdings viel zu tief, wie der «Sonntagsblick» unter Verweis auf eine nach Einzeltagen aufgeschlüsselte Resultatübersicht schreibt. Auf Anordnung des Bundesamtes für Gesundheit (BAG) wurden die Proben am Donnerstag und Freitag vorletzter Woche in zwei anderen Labors analysiert. Nun schossen die Zahlen in die Höhe: Am Donnerstag registrierten die neuen Labors 70 Fälle bei 20’000 Tests, was einer Positivitätsrate von 0,33 Prozent entspricht. Am Freitag lag diese gar bei 0,44 Prozent. Das Labor in Münsingen hatte demnach positive Proben als negative ausgewiesen.

«Spezielle Kommunikation war nicht nötig»

Die Berner Gesundheitsdirektion hat die fehlerhaften Zahlen nie öffentlich kommuniziert. «Eine spezielle Kommunikation war nicht nötig», wird Sprecher Gundekar Giebel zitiert. Das sieht die Berner SP-Nationalrätin Flavia Wasserfallen anders: «Fehler können passieren. Aber es geht nicht, so etwas Gravierendes einfach unter den Tisch zu kehren.» Die Gesundheitspolitikerin hatte bereits letzte Woche mit Verweis auf den überproportionalen Zuwachs an Neuansteckungen bei Kindern die sofortige Wiederaufnahmen der Breitentests gefordert.

Noch schärfer schiesst «Sonntagsblick»-Chefredaktor Gieri Cavelty gegen den Kanton. Dieser verschleiere die wahre Verbreitung des Coronavirus an den Schulen, schreibt er im Editorial. «Einer solchen Gesundheitsdirektion kann niemand mehr trauen.»

Die Gesundheitsdirektion weist diese Vorwürfe als «völlig unhaltbar» zurück, wie sie auf Anfrage von 20 Minuten mitteilt. Detailliert dazu Stellung nehmen werde man Anfang nächster Woche.

Getestet wird nur bei Ausbrüchen

Falsche Zahlen hin oder her: Der Kanton Bern will seine neue Teststrategie beibehalten. Die Massentests seien nicht mehr zielführend gewesen, sagte Giebel letzte zu 20 Minuten: «Ein Abstand von einer Woche ist aus epidemiologischer Sicht zu lange, da eine infektiöse Person sechs Tage an der Schule sein kann. Man hätte auf zwei bis drei Testrunden pro Woche umstellen müssen.» Zudem hätten sich an den freiwilligen Massentests jeweils nur zwischen 50 und 70 Prozent der Schülerinnen und Schüler beteiligt. «Die Teilnahmequote hätte auf etwa 80 Prozent erhöht werden müssen, damit die breiten Tests ihre Wirkung hätten entfalten können.»

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(sul)

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