Tod an der Fasnacht: Verprügelt, bis die Hirnarterie riss
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Tod an der FasnachtVerprügelt, bis die Hirnarterie riss

Gutachten zur Todesursache haben am Mittwoch den Totschlägerprozesses von Locarno geprägt. Welcher der Angeklagten den fatalen Schlag oder Tritt setzte, blieb vorerst umstritten. Laut Gerichtsmedizin starb der 22-jährige Student eindeutig am Riss einer Hirnarterie nach einer heftigen Gewalteinwirkung.

Am Morgen des dritten Prozesstags stellte Antonio Osculati vom Gerichtsmedizinischen Institut Varese sein Gutachten vor, das auf den Obduktionsbericht abstellt. Danach wurde der Riss der Hirnarterie durch eine «plötzliche, abnormale und aussergewöhnlich heftige Kopfbewegung» des bereits wehrlos am Boden liegenden Opfers verursacht. Ähnliches komme bei Autounfällen mit einem starken Aufprall vor, sagte Osculati zum fatalen Fusstritt. Keine tödlichen Auswirkungen hatte laut Osculati dagegen der Umstand, dass das Opfer - ein junger gesunder Mann - anfänglich heftig gegen eine Mauer gestossen worden sei. Dieser erste Angriff war vom ältesten Täter, einem 1986 in Locarno geborene Kroaten ausgegangen, der als einziger nur wegen Tätlichkeit angeklagt ist.

Gegengutachter: Urheber des tödlichen Schlags nicht feststellbar

Am Nachmittag bestätigte ein Gutachter der Zivilkläger die Erkenntnisse der Gerichtsmedizin. Der vom Verteidiger des hauptangeklagten Bosniers beigezogene Gutachter, Angelo Fiori, kam dagegen zu anderen Schlüssen und stellte die Erkenntnisse der Gerichtsmedizin in Frage. So machte Fiori geltend, dass bereits die anfänglichen Stösse gegen das stehende Opfer und die beiden Faustschläge ins Gesicht die fatale Überdrehung des Halses und den Riss der Hirnarterie hätten verursachen können. Der Verteidiger des Bosniers folgerte daraus, dass nicht feststellbar sei, welcher der drei Angeklagten für den Tod des Opfers verantwortlich sei.

Der 1989 geborene Bosnier hatte den letzten Fusstritt gegen den Kopf des Opfers geführt. Er ist zusammen mit einem 1988 geborenen und eingebürgerten Kroaten wegen vorsätzlicher Tötung angeklagt. Laut dem dritten Mitangeklagten hatte der Bosnier zugetreten, «wie wenn er einen Strafstoss schiessen wollte». Rechtsmediziner Osculati betonte, er stütze sich auf die Erkenntnisse der Obduktion, räumte aber ein, dass bereits geringere Schläge ein fatales Trauma verursachen könnten.

Am Donnerstag und Freitag standen die Plädoyers auf dem Programm. Das Urteil wird nicht vor Dienstag kommender Woche erwartet. (dapd)

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