Obergericht Zürich : Verprügeltes Ehepaar mit Berufung abgeblitzt
Aktualisiert

Obergericht Zürich Verprügeltes Ehepaar mit Berufung abgeblitzt

In Schlieren hat ein Projektleiter einen Nachbarn und dessen Ehefrau niedergeschlagen. Auch laut Obergericht waren es aber nur einfache Körperverletzungen. Zum Unwillen der geschädigten Eheleute.

von
Attila Szenogrady
Das Zürcher Obergericht befasste sich am Montag mit einem Nachbarschaftsstreit.

Das Zürcher Obergericht befasste sich am Montag mit einem Nachbarschaftsstreit.

Die Staatsanwaltschaft Limmattal/Albis hat die Keilerei vom 5. Mai 2012 dramatisch geschildert und mehrfach versuchte schwere Körperverletzung eingeklagt. Der heute 50-jährige Beschuldigte ging damals auf seinen heute 75-jährigen Nachbarn los. Ein Streit um überhängende Reben war der Funke ins Pulverfass des über zehn Jahre lang schwelenden Nachbarschaftskonfliktes.

Laut Anklage schlug der erheblich jüngere Familienvater dem Senior die Fausts ins Gesicht und trat dem bereits am Boden liegenden Gegner mehrfach mit dem Fuss gegen den Kopf. Dann schlug er auch die heute 64-jährige Ehefrau des Opfers nieder und trat ihr laut Anklage ebenfalls gegen den Kopf. Die Staatsanwaltschaft verlangte für den beschuldigten Projektleiter ursprünglich neben einer hohen, aber noch bedingten Geldstrafe von 22'000 Franken eine Busse von 4200 Franken.

Nur einfache Körperverletzungen

Der Beschuldigte musste sich bereits im letzten Januar zuerst am Bezirksgericht Dietikon verantworten und zeigte sich teilgeständig. Schon während den Ermittlungen hatte er ausgeführt, dass sich der ältere Privatkläger mit Absicht zu Boden geworfen habe. Dann erst habe er ihm gegen die Beine getreten. Die Frau habe er bloss einmal geschlagen, aber nicht mit dem Fuss getreten, führte er aus. Zudem sei er von den Geschädigten massiv verbal provoziert worden.

Das Gericht glaubte dem Projektleiter und verurteilte ihn nur wegen mehrfacher einfacher Körperverletzung zu einer milden und bedingten Geldstrafe von 30 Tagessätzen zu 120 Franken. Hingegen sah das Dietiker Gericht versuchte schwere Körperverletzungen als nicht erwiesen an. Nicht nur aufgrund von mehreren Zeugenaussagen, sondern auch aufgrund der sich teils widersprechenden ärztlichen Befunde. Es sei lediglich erstellt, dass der Beschuldigte dem Geschädigten zweimal gegen ein Bein und Rumpf getreten und der Ehefrau einen Faustschlag an den Kopf verpasst habe.

Eheleute mit Berufung unterlegen

Die Eheleute aus dem Schlieremer Engstringer-Quartier waren mit dem Urteil alles andere zufrieden. Vor allem auch, da das Gericht ihre Forderungen nach Schmerzensgeld abgewiesen und Schadenersatz zum Teil auf den Zivilweg verwiesen hatte. Sie legten Berufung ein und erschienen am Montag mit ihrem Rechtsanwalt persönlich vor dem Zürcher Obergericht.

Allerdings hatten sie von Beginn weg schlechte Karten in den Händen. So hatte die Staatsanwaltschaft auf jegliche Berufung verzichtet.

So plädierte nur der Geschädigtenvertreter, der Schuldsprüche wegen versuchter schwerer Körperverletzung verlangte. Jedoch ohne Erfolg. So sahen auch die Oberrichter die Anklageschrift als nicht erstellt an. So würde es keinen einzigen unabhängigen Zeugen geben, der den Sachverhalt der Anklage bestätigen würde, stellte der Gerichtsvorsitzende Franz Bollinger klar. Auch die medizinischen Berichte liessen sich mit den eingeklagten Vorwürfen nicht vereinbaren. «Ihre Berufung entspricht einer unbehelflichen Zwängerei», warf er dem Ehepaar vor. Somit blieb es bei der Dietiker Verurteilung wegen einfachen Körperverletzungen.

Es wird für die Geschädigten teuer…

Für die Geschädigten kam es als allein unterlegene Partei noch schlimmer. So müssen sie nicht nur für die Berufungskosten von 3000 Franken aufkommen, sondern auch der Gegenseite eine Prozessentschädigung von über 3200 Franken bezahlen. «Ich weiss nicht, was sie noch bezwecken wollten, jedenfalls haben sie jetzt einen Haufen Geld in den Sand gesetzt», erklärte einer der Oberrichter dem Senior, der nur noch ungläubig seinen Kopf schüttelte. Eine Wiederholungsgefahr gibt es zum Glück nicht mehr. So ist der Beschuldigte inzwischen mit seiner Familie aus dem fraglichen Quartier weggezogen.

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