Botschaft aus dem Versteck: Verrät das Video das Ausbrecher-Paar?
Aktualisiert

Botschaft aus dem VersteckVerrät das Video das Ausbrecher-Paar?

Ein IT-Forensiker erklärt, wie die Polizei Angela Magdici und Hassan Kiko mithilfe von deren Handy-Video auf die Schliche kommen könnte.

von
Ph. Stirnemann

Können Ermittler anhand der Metadaten des veröffentlichten Videos von Hassan Kiko den Verbrecher ausfindig machen?

Mehr als einen Monat nach der gemeinsamen Flucht haben sich Gefängnisaufseherin Angela Magdici (32) und Straftäter Hassan Kiko (27) per Videobotschaft gemeldet. Während Magdici bei ihrem Auftritt über ihre Liebe zu Kiko spricht, beteuert dieser seine Unschuld.

Allerdings könnten die beiden Videobotschaften mehr verraten, als auf ihnen zu sehen und zu hören ist. Es ist sogar möglich, dass die Polizei die beiden Flüchtigen anhand der Filmchen aufspürt. Unter welchen Umständen das möglich ist, erklärt IT-Forensiker Lionel Bloch von der ForenTec GmbH.

Möglichkeit 1: Alle Videodaten sind noch vorhanden

Für die Auswertung von Handy-Videos greift man auf die sogenannten Metadaten der Videodatei zu. Hierin finden sich unter anderem Angaben über Aufnahmeort, -zeit oder auch das Gerät, mit dem ein Clip gedreht wurde. «Die Menge der automatisch gesammelten Metadaten hängt vom Handymodell ab. Dabei kommt es aufs Betriebssystem und vor allem auf die Einstellungen an, welche Daten überhaupt abgespeichert werden», so Bloch.

Sollten die beiden Flüchtigen vor dem Dreh ihres Videos keine Änderungen an den Einstellungen vorgenommen haben, könnten die Fahnder sie relativ einfach ausfindig machen. «Die Polizei arbeitet wahrscheinlich mit verschiedenen Metadaten-Viewern», meint der IT-Forensiker. An solche Programme kommt man ganz einfach übers Internet, wobei es sowohl Gratis- als auch Bezahl-Versionen derartiger Analyse-Tools gibt.

Möglichkeit 2: Die Metadaten wurden nicht gesichert

Hat allerdings ein Nutzer die Speicherung relevanter Metadaten (GPS, Entstehungsort und -zeit usw.) in den Einstellungen deaktiviert, wird es für andere schwierig, ihn aufgrund dieser Angaben ausfindig zu machen. «Hat er die entsprechenden Einstellungen deaktiviert, kann man den Urheber beziehungsweise wichtige Informationen eines Videos anhand der Metadaten nicht mehr rekonstruieren», so Bloch.

Ausserdem werden Datei-Informationen überschrieben, sobald man ein Video auf einem anderen Rechner zwischenspeichert. «Zwar werden dadurch nicht alle Metadaten geändert, die Arbeit für die Fahnder wird dennoch erschwert», sagt der ForenTec-Experte.

Ohne Metadaten helfen nur Bild- und Tonanalyse

Gemäss Lionel Bloch analysiert die Polizei in solchen Fällen nicht nur die Metadaten des Videos, sondern auch die Aufnahmen selbst. So dürften die Fahnder das Video etwa nach markanten Objekten in der Umgebung oder verdächtigen Nebengeräuschen durchsuchen.

«Ausserdem kann man eine Handykamera wie bei der Ballistik anhand der geschossenen Bilder eindeutig identifizieren, indem man Aufnahmen extrem vergrössert», so Bloch. Der IT-Forensiker geht davon aus, dass die Fahnder im Fall der beiden Flüchtigen aus dem Gefängnis Limmattal eine detaillierte Analyse des Videos vornehmen. Diese dürfte sowohl aus der Auswertung der Metadaten als auch aus einer Bild- und Ton-Analyse bestehen.

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