Aktualisiert 05.01.2011 10:54

Exit Trough The Gift Shop

Verrät ein Schweizer Banksy?

Banksy ist der Star unter den Streetart-Künstlern. Seine Identität ist ein streng gehütetes Geheimnis. Ein Schweizer Filmer könnte dieses nun lüften.

von
Felix Burch

Banksy ist der wohl berühmteste Street Artist der Welt. Der Brite war und ist rund um den Erdball aktiv, seine Schablonengraffiti sind Kult. Wer aber hinter dem Pseudonym Banksy steckt, ist ein riesiges Geheimnis.

Dieses könnte jetzt vom Schweizer Filmemacher Joachim Levy gelüftet werden. Grund: Ein Streit um Filmmaterial des äusserst erfolgreichen Banksy-Streifens «Exit Through The Gift Shop», der als Anwärter für eine Oscar-Nomination in der Kategorie Dokumentarfilm gehandelt wird. Der Film läuft zurzeit in den Kinos. Levy sagt gegenüber 20 Minuten Online: «Acht Minuten und 27 Sekunden des Films hat Banksy von meinem Film kopiert.» Die achtminütige Sequenz stamme aus seinem Werk «Life Remote Control». Dieses dokumentiert die amerikanische Streetart-Szene, Levy drehte sechs Jahre lang.

Mitgeholfen bei «Life Remote Control» hat auch Dokumentarfilmer Thierry Guetta (Guetta ist nun die Hauptfigur in Banksys «Exit Through The Gift Shop»). Guetta filmte damals, wie das Banksy-Team eine umgestaltete britische Telefonkabine illegal in den öffentlichen Raum stellte. Levy editierte das Ganze. Die Sequenz verwertete Banksy dann in «Exit Through the Giftshop», Levy wird aber mit keinem Wort erwähnt.

«Lenkt Banksy nicht ein, müssen die Anwälte tun, was zu tun ist»

Darüber ist Levy enttäuscht: «Ich war geschockt.» Er erzählte die Geschichte irgendwann einer englischen Filmkritikerin und schliesslich fand sie den Weg in die Zeitung «Le Temps».

Banksy ist alles andere als erfreut. Er meldete sich bei Levy und versprach, man werde eine Lösung finden. Thierry Guetta habe ihm erzählt, er besitze die Rechte an «Life Remote Control», so Banksy zu Levy. Darauf folgten Briefwechsel zwischen den beiden, beim letzten Schreiben zeigte sich Banksy plötzlich wenig hilfsbereit; das Ganze sei nicht sein Problem.

Jetzt könnte die Geschichte aber für Banksy zu einem grösseren Problem werden. Levys Anwalt droht nun nämlich mit rechtlichen Schritten. Man habe Banksy ein Ultimatum für eine «gesamtheitliche Lösung» bis zum 17. Januar gestellt. «Verstreicht diese Frist, lasse ich die Anwälte tun, was sie tun müssen», sagt Levy. So käme es zum Super-Gau: Banksys Identität, die wie ein Staatsgeheimnis gehütet wird und viel zum Kultstatus des Künstlers beiträgt, würde veröffentlicht. Levy kennt Banksy und dessen wahre Identität. Sein Anwalt Martin Eisenring sagt zu 20 Minuten Online: «Wenn wir klagen, müssen wir dies gegen eine natürliche Person tun, man kann kein Gerichtsverfahren gegen ein Pseudonym führen.»

«Es ist keine Marketingstrategie»

Würde Levy wirklich so weit gehen? «Mir ist wichtig, dass man weiss, dass ich sehr grossen Respekt vor Banksys Arbeit habe», stellt Levy klar. Auch fühle er sich geschmeichelt, dass ein so grossartiger Künstler eine Sequenz von ihm verwende. Allerdings: «Ich bin Filmmacher und kein Street Artist. Deshalb möchte ich, dass meine Arbeit honoriert wird, indem ich erwähnt werde, als Person, die an 'Exit Trough The Giftshop' mitgearbeitet hat. Die Urheberschaft soll klar dokumentiert sein.

Weiter könnten Levy und Eisenring eine Entschädigung fordern. Immerhin seien zehn Prozent (Levys Sequenz ist acht Minuten lang, der ganze Film dauert rund 80 Minuten - Anm. der Redaktion) zu «Exit Through The Giftshop» beigesteuert worden. Levy hofft zwar auf eine aussergerichtliche Lösung, wird sich aber, falls eine solche nicht zu Stande kommt, nicht vom Gang zum Richter abhalten lassen. Er hofft jedoch immer noch, dass sich dies vermeiden lässt und es sich um ein Missverständnis handelt. «Ich glaube an das Positive.» Er sei Künstler und wolle sich der Kunst widmen, der Rest sei die Sache der Anwälte.

Weil sich Levy und Banksy persönlich kennen, drängt sich die Frage auf, ob es sich bei der Geschichte nicht einfach um eine inszenierte Marketingstrategie handelt. Anwalt Eisenring widerspricht dem vehement: «Uns ist es ernst. Levy wird in 'Exit Trough The Giftshop' totgeschwiegen und das ist unrecht.» Levy versichert ebenfalls, die Geschichte sei nicht erfunden.

Joachim Levys Statement zum Banksy-Film

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