Aktualisiert 18.12.2008 12:52

BiometrieVerräterischer Fingerabdruck

Vielleicht wird Ihre Krankenkasse bald die Fingerabdrücke auf Ihrer Police einscannen — und daraus Ihre Krankengeschichte entschlüsseln. Im Fingerabdruck steckt mehr Information, als man denkt.

Wissenschaftler von der University of East Anglia in Norwich und dem King's College in London haben ein Verfahren entwickelt, das bei der Analyse von Fingerabdrücken ungeahnte Möglichkeiten eröffnet, wie mehrere britische Medien berichteten.

Drogenspuren im Schweiss

So wollen Teamleiter David Russell und seine Mitarbeiter, die ihre Erkenntnisse in der Fachzeitschrift «Angewandte Chemie International Edition», Vol. 47, Nr. 52 publizierten, unter anderem von Tätern eingenommene Drogen nachweisen. Mit Hilfe von Magnetpartikeln und Antikörpern bringen die Forscher Fingerabdrücke zum Fluoreszieren, wenn im Schweiss des Abdrucks Drogenspuren vorhanden sind.

Dabei reichen auch winzige Mengen von Schweiss aus, die in dem charakteristischen Rillenmuster auf den Oberflächen berührter Objekte haften bleiben. Die Abdrücke werden mit der altbewährten Magnetpinsel-Technik sichtbar gemacht, bei der am Tatort ein Magnetpulver auf die Oberflächen von Gegenständen aufgetragen wird.

Leuchtende Antikörper

Um Drogenspuren nachzuweisen, bestücken die Wissenschaftler Magnetpartikel mit Antikörpern, die sich an ganz bestimmte Drogenbestandteile oder an deren Abbauprodukte andocken. Mit diesen behandelten Metallpartikeln werden dann die Fingerabdrücke eingepinselt. Danach werden die Fingerabdrücke mit einer Lösung behandelt, die einen weiteren Antikörper enthält, der sich an den ersten bindet und zudem mit einem Fluoreszenzfarbstoff verknüpft ist. Wenn der Schweiss im Fingerabdruck Drogenspuren enthält, verfärbt sich der Abdruck gelblich braun. Im Licht leuchten die Fingerabdrücke grün oder rot, je nach verwendetem Fluoreszenzfarbstoff.

Bisher konnten die Forscher mit jeweils spezifischen Antikörpern THC (der Hauptwirkstoff in Cannabis-Produkten), Benzoylecgonin (das Hauptabbauprodukt von Kokain), Nikotin, Methadon sowie das Hauptabbauprodukt von Methadon in den Fingerabdrücken nachweisen. Mit weiteren Antikörpern liessen sich entsprechend auch andere Drogen nachweisen.

Medizinisches Profil im Fingerabdruck

Und mit dem Nachweis von Drogen muss die Methode sich nicht begnügen: Auch andere Chemikalien könnten mit demselben Verfahren nachgewiesen werden. Krebs, Diabetes, Herz- und andere Krankheiten produzieren spezifische Chemikalien, die ebenfalls im Schweiss nachweisbar sind.

Wenn es ihnen gelingt, Antikörper diesen Partikeln anzupassen, könnten Forensiker eine Vielzahl von Krankheiten im Fingerabdruck nachweisen. Solche Informationen könnten bei der Ermittlung und Identifizierung von Tatverdächtigen von Nutzen sein — aber nicht nur dort.

Für Krankenversicherungen beispielsweise wäre die Verlockung enorm, in einem Fingerabdruck sozusagen ein medizinisches Profil ihres Kunden frei Haus geliefert zu bekommen. Um solchen und anderen unerwünschten Anwendungen den Riegel zu schieben, müsste wohl der Gesetzgeber tätig werden.

(dhr)

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