Mauern ohne Ende : Verrat am Fussball
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Mauern ohne Ende Verrat am Fussball

Von «Hohn» über das «ungerechteste Ausscheiden» bis zur «Tragik». Die Meinungen über Barcelonas Out lassen es vermuten: So darf es nicht weitergehen. Die Contra-Meinung von Reto Fehr.

Das CL-Halbfinal zwischen Barcelona und Chelsea spaltet die Fussballgeister. Reto Fehr verurteilt die Mauertaktik, Philipp Reich findet die Taktik legitim:

Man muss einige Male hinschauen, bevor man es wirklich glaubt, wer da auf Chelseas linker Seite in der hintersten Abwehrreihe verteidigt, kämpft und ackert. Eine grosse Postur, schwarze Hautfarbe, langes Haar. Eigentlich kanns nur Didier Drogba sein. Aber auf der anderen Seite: Nein, die schauspielernde Diva, der Vollblutsstürmer, einer von Afrikas meistbeachteten Offensivkickern der letzten Jahre - das kann nicht sein. Doch dann zoomt die TV-Kamera näher ran und man erhält die traurige Gewissheit: Er ist es.

Die Darbietung im Hinspiel von Chelsea hatte schon nichts mit Fussball zu tun. Auch im Rückspiel standen die Blues hinten rein. Als Captain John Terry vom Platz flog, wars sowieso vorbei mit Fussball. Chelsea stellte auf Handball-Verteidigung um. Cech im Tor, fünf Verteidiger am oder im Strafraum, vier weitere Verteidiger knapp fünf Meter weiter vorne. Trainer Roberto di Matteo ist in Schaffhausen gross geworden. Da gibt's bekanntlich die Kadetten Schaffhausen. Es entzieht sich unserer Kenntnis, ob Klein-Roberto früher zum Handball ging oder ob er mit dem aktuellen Trainer Petr Hrachovec einen guten Kontakt pflegt. Sicher ist nur eines: Das war die perfekte Handball-Verteidigung auf grünem Rasen.

Neue Regeln nötig?

Okay, Chelsea steht im Champions-League-Final. Man muss gratulieren. Aber darf eine Mannschaft sich zu den zwei besten des Kontinents zählen, wenn sie gar nicht wirklich mitspielt? Der Triumph wird als «Hohn« (20 Minuten Print), «Katastrophe» (Sky-TV-Kommentator) oder «Tragödie» (ABC) bezeichnet. Das Barça-nahe Blatt «Sport» schreibt: «Der Fussball bestraft Barça.» Es ist schlicht eine Schande für den Fussball. Wie kann man sich mit Spielern wie Drogba, Meireles, Mata, Kalou oder Torres nur so hintenreinstellen?

Klar, die Zahl derjenigen, welche genug vom Barça-Tiki-Taka haben, wächst. Endlich ist das Titelmonster gestoppt. Man hat die ewigen Ballstafetten langsam satt. Ein anderer soll mal gewinnen. Dagegen ist nichts einzuwenden. Aber heiligt der Zweck die Mittel auch hier? Wohin entwickelt sich der Fussball, wenn das Schule macht? Welcher neutrale Zuschauer möchte sich so ein Spiel noch antun?

Mauern ist kein Wundermittel

In den vergangenen Jahren haben die Fussball-Regelmacher den offensiven Fussball immer wieder gefördert. Die Offside-Auslegung bevorzugt die Stürmer immer mehr oder der Rückpass zum Torhüter ist nicht mehr erlaubt. Aber dann kommt Chelsea und mauert sich zum Erfolg. Ob sich Roman Abramowitsch fragt, weshalb er Millionen in Topstürmer und Offensivkräfte investiert? Ein Goalie und zehn Verteidiger bringen ja offenbar auch Erfolg. Vielleicht sollte es zwei neue Fussball-Regeln geben: 1. Ein Tor zählt nur, wenn alle Feldspieler die Mittellinie überquert haben. 2. Im eigenen Strafraum dürfen sich neben dem Goalie höchstens noch zwei Verteidiger befinden.

Einziger Lichtblick: Die Fussballverweigerung gegen die Katalanen ist kein Wundermittel - aber vermutlich das einzige, das teilweise nützt. Chelsea hat mit der Mauertaktik zweimal nicht verloren, Real Madrid mit einer ähnlichen Auslegung gegen Barcelona gesiegt. Aber neben der Taktik und totalem Einsatz wars auch Glück. Barcelona hätte alle drei Partien gewinnen können, ja müssen.

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