«Pole Position» mit Peter Haab: Verrückter Saison-Auftakt in «Down Under»

Aktualisiert

«Pole Position» mit Peter HaabVerrückter Saison-Auftakt in «Down Under»

Das neue Formel-1-Team Brawn-GP gewinnt gleich beim ersten Einsatz in Melbourne den ersten Grand Prix. Der Schweizer Neuling Sébastien Buemi holt auf Anhieb die ersten WM-Punkte: In der Königsklasse des Motorsports geht's drunter und drüber.

von
Peter Haab

Kann er's – oder kann er's nicht? An Sèbastien Buemi, dem Schweizer Neuling in der Formel 1, haben sich vor dem Saisonstart selbst in seinem eigenen Team die Geister geschieden. In Melbourne hat der 20-jährige Toro-Rosso-Pilot aber auf eindrucksvolle Art allen Skeptikern bewiesen, dass er für die Formel 1 reif genug ist. Weniger wegen der mit viel Glück errungenen WM-Punkte. Viel mehr mit der analytisch coolen Art, mit der er sein erstes Training und das erste Rennen in der Formel 1 angegangen ist. Dies, obwohl sich Buemi vor dem Saisonauftakt mit dem neuen Toro Rosso nur gerade zwei Tage lang (bei Testfahrten in Barcelona) anfreunden konnte, während die Konkurrenz teilweise 20 Tage lang im Cockpit sass.

Prädikat «grossartig»

Beim hektischen Auftakt-Rennen mit einer Kollision gleich in Kurve zwei und zwei Safety-Car-Phasen verlor Buemi trotz seines jugendlichen Alters weder die Ruhe noch die Übersicht: Diese Leistung im ersten Formel-1-Grand-Prix seiner Rennfahrerkarriere verdient das Prädikat «grossartig». Und vielleicht schlummert in Buemi tatsächlich ein zweiter Sebastian Vettel. A propos Vettel: Dieser hat in Melbourne im Gegensatz zu Buemi die Ruhe nicht behalten und seinen zweiten Platz zwei Runden vor Schluss nach einer Kollision mit Robert Kubica weggeschmissen.

Brawn und der Stein der Weisen

Der zweite Hammer neben dem jungen Schweizer Sébastien Buemi war in Melbourne das Team von Ross Brawn. Brawn-GP, das Honda-Werksteam der vergangenen Saison, hat in den letzten vier Wochen sowohl bei den Testfahrten als auch beim ersten Rennen die gesamte Konkurrenz niedergebügelt. In der Saison 2008 musste sich die praktisch gleiche Mannschaft ab und zu sogar vom Hinterbänkler-Team Force-India blamieren lassen. Jetzt scheinen sie bezüglich neuem Aerodynamik-Reglement den Stein des Weisen gefunden zu haben. Und die Konkurrenz leckt sich die Wunden. Eine Situation, die noch bis zum Europa-Auftakt im Mai so andauern dürfte.

Düstere Mienen bei Ferrari und BMW-Sauber

Zum Thema drunter und drüber: Bei Ferrari-gab's nach dem turbulenten WM-Auftakt in Melbourne lauter lange Gesichter. Der Konstrukteurs-Weltmeister der Saison 2008 schaffte in Australien keinen einzigen WM-Punkt. Bei BMW-Sauber waren die Mienen nicht weniger düster. Auch die deutsch-schweizerische Equipe leistete sich mit einer Nullrunde einen klassischen Fehlstart in die neue Saison. Zur Erinnerung: BMW-Sauber war 2009 drittplatziertes Team in der Konstrukteurs-Wertung.

Blaues Auge für die Silberpfeile

Schlecht hatte es vor dem Rennen auch für McLaren-Mercedes ausgesehen. Die Aerodynamik des MP4-24 ist alles andere als gelungen, und das Auto damit viel zu langsam. Dank dem Podestplatz von Weltmeister Lewis Hamilton kamen die Silbernen auf wundersame Weise mit einem ziemlich grossen blauen Auge weg. Bilanz des ersten WM-Laufs der Saison 2009: Der Auftakt in Melbourne war für die Formel-1-Fans in aller Welt Showbusiness vom Feinsten. Und dank der neuen Hierarchie im Formel-1-Feld werden wir auch am nächsten Sonntag, beim GP von Malaysia in Sepang, Höchstspannung pur erleben.

Der Kolumnist

Motorsport-Experte Peter Haab gibt für 20 Minuten Online sein Insiderwissen preis und kommentiert oder erklärt die aktuellen Vorkommnisse der Formel-1-Szene treffend und spannend.

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