Kriminalgericht Luzern: Versagte Ärztin Ehemann wegen Erbe Hilfe?
Aktualisiert

Kriminalgericht LuzernVersagte Ärztin Ehemann wegen Erbe Hilfe?

Eine Ärztin soll ihrem wohlhabenden, schwer kranken Mann keine Hilfe geleistet haben. Die Beschuldigte selbst sieht sich als Opfer in einem Erbstreit.

von
pz
Das Kriminalgericht in Luzern.

Das Kriminalgericht in Luzern.

Der 69-jährige Mann, ein Kunstmaler und millionenschwerer Spross einer deutschen Industriellenfamilie, war im Sommer 2008 in ein Spital in Luzern eingeliefert worden und nur wenige Tage später an den Folgen eines Lungenkrebses gestorben. Zwei Kinder des Mannes aus einer früheren Ehe wurden wegen des für sie überraschenden Todes misstrauisch und legten 2011 Privatklage ein.

Staatsanwältin Andrea Tresch warf der Witwe vor, ihren Mann in den letzten Wochen seines Lebens im Stich gelassen zu haben. Als Gattin und Ärztin wäre es ihre Pflicht gewesen, sich ihrem hilflosen Mann anzunehmen. Sie habe ihn stattdessen nicht umfassend medizinisch abklären lassen und damit wohl seine Lebenszeit verkürzt. Tresch forderte für die Beschuldigte eine Freiheitsstrafe von drei Jahren, davon ein Jahr unbedingt, weil sie ihren Gatten der Lebensgefahr ausgesetzt habe. Allenfalls solle das Gericht sie der eventualvorsätzlichen Tötung durch Unterlassung zu sechs Jahren verurteilen.

Witwe: „Es geht nur ums Geld"

Für Urs Rudolf, den Anwalt der Kinder, hat sich die Frau der vorsätzlichen Tötung schuldig gemacht. Die Ärztin habe schon Wochen vor dem Spitaleintritt eine schwere Erkrankung erkennen müssen, habe aber den Tod ihres Gatten angestrebt und diesen mit falschen Diagnosen hingehalten, um rasch an das Vermögen zu gelangen. Die heute 55-jährige Beschuldigte sagte vor Gericht, ihrem Mann sei es in den letzten drei Lebensmonaten «wunderbar» gegangen. Sie habe bei ihm keine schwerwiegende Erkrankung erkannt, sei aber auch nicht seine Ärztin gewesen. Die Frau, die seit 2005 nicht mehr praktiziert und heute eine IV-Rente bezieht, bezeichnete sich als Opfer der Kinder ihres Mannes. «Es geht nur ums Geld», sagte sie. Die Vorwürfe seien absurd, man wolle sie mit allen Mitteln erbunwürdig machen.

Verteidiger fordert Freispruch

Die Beschuldigte sei eine Frau, die helfe, und die immer wieder Einsätze für Médecins Sans Frontières geleistet habe. Sie sei keine Frau, die Hilfe verweigere, sagte ihr Verteidiger Christoph Hohler. Er forderte für seine Mandantin einen Freispruch.

Die Anklage rückte das Haushälterehepaar ins Zentrum. Dieses hatte von Streitereien zwischen den Eheleuten berichtet und von gesundheitlichen Problemen des Mannes. Für die Verteidigung sind die Zeugen aber unglaubwürdig. Weil sie sich mit der Beschuldigten zerstritten hätten, hätten sie sich von den Kindern des Verstorbenen leicht instrumentalisieren lassen.

Keine Krankheitssymptome vorhanden

Die Verteidigung führte zahlreiche Aussagen von Bekannten an, die keine Krankheitssymptome wie Husten oder Atemnot bemerkt hätten. Der Verstorbene sei in den letzten Lebensmonaten zudem sehr aktiv gewesen. Nicht gelten liess der Verteidiger das amtliche medizinische Gutachten zum Fall. Dieses stütze sich ebenfalls auf die Aussagen des Haushälterehepaares. Der Gutachter sei offensichtlich überfordert gewesen.

Das Urteil wird zu einem späteren Zeitpunkt schriftlich den Parteien bekanntgegeben.

(pz/sda)

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