Aktualisiert 25.06.2009 17:08

Unesco greift durch«Verschandeltes» Elbtal ist nicht mehr Welterbe

Das Welterbekomitee der UNESCO hat das Dresdner Elbtal von der Liste der Welterbestätten gestrichen. Hintergrund ist der Bau der Waldschlösschenbrücke über den Strom, der bereits in vollem Gang ist.

Das teilte die Deutsche UNESCO-Kommission am Donnerstag mit. Die Delegierten aus 21 Staaten folgten mit der Entscheidung einer entsprechenden Beschlussempfehlung des Welterbezentrums in Paris. Die vierspurige Autobrücke verschandelt nach Ansicht von Gutachtern eine einzigartige Kulturlandschaft.

Kurzer Aufenthalt auf der Liste

Das Dresdner Elbtal wurde 2004 zum UNESCO-Welterbe erklärt. Besonders geschützt wurde damit ein knapp 20 Kilometer langer Flussabschnitt im Stadtgebiet von Dresden. Die UNESCO würdigte das Gebiet seinerzeit als einen Kreuzungspunkt für Kultur, Wissenschaft und Technologie und als eine herausragende Kulturlandschaft. An der Elbe befinden sich unter anderem zahlreiche Barockbauten aus der Zeit von August dem Starken, darunter der Zwinger mit den Gemäldesammlungen und das Residenzschloss der Wettiner mit der legendären Schatzkammer Historisches Grünes Gewölbe.

Fast einmaliger Vorgang

2006 kam Dresden auf die Rote Liste der gefährdeten Welterbestätten, auf der sich hauptsächlich Stätten befinden, die durch Kriege oder Naturkatastrophen geschädigt sind. Grund ist die umstrittene Waldschlösschenbrücke, die in Sichtweite der historischen Altstadt und des Lingner-Schlosses errichtet wird. Vor einem Jahr hatte das Welterbekomitee den sofortigen Baustopp gefordert und gedroht, Dresden andernfalls den Titel abzuerkennen. In der Geschichte der Welterbekonvention wurde bislang nur ein einziges Mal eine Stätte von der Liste gestrichen: Dabei handelte es sich um eine Naturerbestätte im Oman.

(dapd)

Chronik des jahrelangen Brückenstreits:

15. August 1996 - Der Dresdner Stadtrat beschliesst den Bau einer neuen Elb-Brücke am Waldschlösschen. Umplanungen verzögern den Baustart.

2. Juli 2004 - Die UNESCO erklärt das Dresdner Elbtal zum Weltkulturerbe.

27. Februar 2005 - Bei einem Bürgerentscheid sprechen sich knapp 68 Prozent der Dresdner für den Bau aus, der Konflikt mit der UNECO ist da aber noch nicht absehbar.

11. Juli 2006 - Das Welterbekomitee setzt das Elbtal in Dresden wegen der Brückenpläne auf die Rote Liste der gefährdeten Weltkulturstätten.

10. August 2006 - Der Stadtrat stimmt gegen den Bau, das Land Sachsen beharrt indes auf dem Vorhaben.

6. Juni 2007 - Dresden scheitert vor dem Bundesverfassungsgericht mit einer Klage gegen den vom Freistaat angeordneten Bau.

25. Juni 2007 - In Neuseeland beschliesst das Welterbekomitee, Dresden den Titel vorerst nicht zu entziehen.

19. November 2007 - Beginn der Bauarbeiten.

20. Mai 2008 - Bürgerinitiativen scheitern mit dem Versuch, einen neuen Bürgerentscheid über einen Tunnel als Alternative zur Brücke durchzusetzen.

3. Juni 2008 - Prominente Künstler bitten Bundeskanzlerin Angela Merkel um Hilfe und warnen vor einem Imageschaden.

7. Juli 2008 - Das Welterbekomitee fordert im kanadischen Quebec den sofortigen Stopp der Bauarbeiten und droht mit der Streichung. Dresdens neue Oberbürgermeisterin Helma Orosz (CDU) lässt weiterbauen.

30. Oktober 2008 - Das Dresdner Verwaltungsgericht weist eine Klage von Naturschützern gegen den Brückenbau zurück. Die Entscheidung ist noch nicht rechtskräftig.

26. März 2009 - Mehrere Naturschutzverbände legen Berufung gegen die Entscheidung des Verwaltungsgerichts Dresden ein, mit der die Klage gegen den Brückenbau abgewiesen wurde.

15. Mai 2009 - Das Welterbezentrum in Paris empfiehlt der UNESCO die endgültige Streichung des Dresdner Elbtals von der Welterbeliste.

25. Juni 2009 - Das Welterbekomitee in Sevilla streicht Dresden von der Liste.

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