Aktualisiert 31.07.2019 07:52

Cash abheben

Verschwinden Bancomaten bald ganz?

Schweizer heben weniger häufig Geld ab als früher. Daher machen die Banken vermehrt ihre Bancomaten dicht.

von
Dominic Benz
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Immer seltener heben hiesige Bankkunden Cash von ihrem Konto ab – egal ob vom Bancomaten oder am Schalter.

Immer seltener heben hiesige Bankkunden Cash von ihrem Konto ab – egal ob vom Bancomaten oder am Schalter.

Keystone/Christian Beutler
Nun reagieren einige Banken und machen bestimmte Geldautomaten dicht.

Nun reagieren einige Banken und machen bestimmte Geldautomaten dicht.

Keystone/Christian Beutler
So etwa die UBS:</a> «Die UBS hat die Anzahl Bancomaten in den Geschäftsstellen oder an Automatenstandorten wie grossen Bahnhöfen reduziert, beispielsweise von 4 auf 3», teilt die Grossbank auf Anfrage mit.

So etwa die UBS:</a> «Die UBS hat die Anzahl Bancomaten in den Geschäftsstellen oder an Automatenstandorten wie grossen Bahnhöfen reduziert, beispielsweise von 4 auf 3», teilt die Grossbank auf Anfrage mit.

Keystone/Martin Ruetschi

Die Schweizer sind eigentlich bekannt für ihre Vorliebe für Bargeld. Doch das Bild scheint sich zu ändern: Immer seltener heben hiesige Bankkunden Cash von ihrem Konto ab – egal ob vom Bancomaten oder am Schalter. Nun reagieren einige Banken und machen bestimmte Geldautomaten dicht.

So etwa die UBS: «Die UBS hat die Anzahl Bancomaten in den Geschäftsstellen oder an Automatenstandorten wie grossen Bahnhöfen reduziert, beispielsweise von 4 auf 3», teilt die Grossbank auf Anfrage mit. Laut eigenen Angaben betreibt die UBS derzeit 750 Bancomaten, davon stehen 180 ausserhalb der Filialen.

Auf dem absteigenden Ast

Für Bankexperte Andreas Dietrich von der Hochschule Luzern ist klar: «Es wird in den nächsten Jahren immer weniger Bancomaten geben.» Zwar seien die Schweizer noch immer Bargeld-Fans. Heute werden noch immer rund 70 Prozent aller Transaktionen mit Bargeld abgewickelt. «Doch die Schweizer zahlen je länger, je mehr mit der Karte oder dem Handy», sagt Dietrich zu 20 Minuten. Cash werde jedes Jahr weniger eingesetzt. Die Banken würden sich daher dem Verhalten der Kunden anpassen. «Viele Bancomaten rentieren nicht mehr und werden abgebaut», so der Experte.

Ähnlich klingt es bei Bankexperte Benjamin Manz von Moneyland.ch. «Bargeld ist auf dem absteigenden Ast. Von den klassischen Bancomaten wird es in Zukunft weniger geben.» Stattdessen dürften die Banken mehr auf Automaten setzen, die eine Mischform von einer Filiale und einem Bankomaten sind. Auch die Statistik der Schweizerischen Nationalbank zeigt den Automaten-Schwund: Allein zwischen April und Mai haben die Banken 82 Bancomaten eingestampft.

Weniger Bargeldbezüge

Laut UBS sind in den vergangenen fünf Jahren die Bargeldbezüge um 30 Prozent zurückgegangen. «Dies führt auch dazu, dass weniger Bancomaten benötigt werden», so eine UBS-Sprecherin. Es werde jedoch nach wie vor genügend Bancomaten geben, um den Bedürfnissen der Kunden nachzukommen.

Weniger Geldmaschinen gibt es auch bei der Credit Suisse. Die Bank betreibt derzeit gemeinsam mit der Neuen Aargauer Bank rund 500 Bancomaten. Vor zehn Jahren seien es rund 30 Prozent mehr gewesen. Im Gegensatz dazu ist bei der Zürcher Kantonalbank (ZKB) die Zahl der Bancomaten über die letzten zehn Jahre stagniert. Heute hat die ZKB 243 Automaten. «Wir prüfen Standorte für Bancomaten kontinuierlich und nehmen bei Bedarf Anpassungen vor», teilt die ZKB mit.

Teure Automaten

Das dichteste Netz an Geldmaschinen hat die Raiffeisen. Die Genossenschaftsbank betreibt in der Schweiz 1749 Automaten. Die Anzahl ist gar gestiegen. Vor zehn Jahren waren es rund 300 weniger. «Die Einführung bargeldloser Schalterkonzepte steigert die Anzahl Bancomaten einerseits, andererseits werden schlecht frequentierte respektive unrentable Bancomaten wieder entfernt», so ein Sprecher der Raiffeisen.

Für Banken sind schlecht frequentierte Bancomaten teuer. Wie hoch die Kosten für den Betrieb ist, sagen die Geldhäuser nicht. Gemäss Insidern dürften sich die Kosten aber pro Jahr auf über 20'000 Franken belaufen. Mit dem Abbau von schlecht laufenden Automaten lässt sich demnach viel Geld sparen.

Gebühren am Automaten

Das ist umso wichtiger, als die seit Jahren tiefen Zinsen auf die Margen der Banken drücken und die Geschäftszahlen belasten. Die Lücken versuchen Banken damit zu schliessen, indem sie ihren Kunden vermehrt Gebühren abknöpfen. So verrechnet etwa die UBS seit dem 1. Juli eine Gebühr für Kunden, die am Schalter Franken beziehen. Auch die ZKB hat eine solche Gebühr für gewisse Kunden.

Müssen Kunden also schon bald zahlen, wenn sie Geld am Bancomaten der eigenen Bank abheben? «Ich kann mir durchaus vorstellen, dass gewisse Banken auch bei eigenen Kunden Gebühren beim Geldbezug am Automaten erheben werden», sagt Andreas Dietrich. Das wäre aus seiner Sicht aber ungeschickt: «Die Banken wollen die Kunden ja weg vom Schalter, hin zum Automaten bringen. Diese dann kostenpflichtig zu machen, könnte zu einem grossen Unmut führen.»

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