Wegen Satanismus-Doku – Verschwörungstheoretiker-Lehrer unterrichten nicht mehr
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Wegen Satanismus-DokuVerschwörungstheoretiker-Lehrer unterrichten nicht mehr

Zwei Baselbieter Lehrpersonen erzählen in einer SRF-Doku unter anderem, dass in der Burgruine Dorneck satanistische Rituale stattfänden. Ihre Aussagen blieben für sie nicht ohne Folgen – die beiden unterrichten inzwischen nicht mehr.

von
Seline Bietenhard
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In der SRF-Doku über eine Verschwörungstheorie zum Thema ritueller Missbrauch kam auch ein Lehrerpaar aus Oberwil BL zu Wort.

In der SRF-Doku über eine Verschwörungstheorie zum Thema ritueller Missbrauch kam auch ein Lehrerpaar aus Oberwil BL zu Wort.

Screenshot SRF
Sie erzählen unter anderem, dass unter der Burgruine Dorneck satanistische Rituale stattfinden würden.

Sie erzählen unter anderem, dass unter der Burgruine Dorneck satanistische Rituale stattfinden würden.

Wikimedia/MilliMarg
Die beiden Lehrpersonen sollen inzwischen nicht mehr unterrichten.

Die beiden Lehrpersonen sollen inzwischen nicht mehr unterrichten.

Screenshot SRF

Darum gehts

  • Eine SRF-Doku über eine Verschwörungstheorie zum Thema ritueller Missbrauch schlug Mitte Dezember hohe Wellen.

  • Ein Lehrerpaar aus Oberwil BL kam darin zu Wort und machte unbelegte Behauptungen von satanistischen Ritualen im Untergrund einer Burgruine.

  • Die Schulen reagierten auf die problematischen Aussagen, beide unterrichten inzwischen nicht mehr.

Eine SRF-Doku über eine Verschwörungstheorie zum Thema ritueller Missbrauch schlug Mitte Dezember hohe Wellen. Organisierte satanistische Zirkel sollen Kinder rituell misshandeln. Dabei würden auch Menschen geopfert, Blut getrunken und es komme zu Kannibalismus. Etliche Personen glauben an diese Erzählung, darunter Psychiater, Lehrpersonen, Therapeuten und Polizisten. Auch ein Lehrerpaar aus Oberwil BL glaubt an diese Verschwörungstheorie und kommt in der Doku zu Wort. Sie erzählen unter anderem, dass unter der Burgruine Dorneck satanistische Rituale stattfänden.

Wie die «bz Basel» (Bezahlartikel) nun bekannt machte, unterrichtet der Lehrer inzwischen nicht mehr an der Sekundarschule Oberwil. Die Schulleitung distanzierte sich von den in der Doku getätigten Aussagen. «So etwas hat an einer Schule keinen Platz», sagte der Schulrat Patrick Borer zu der Zeitung. Niemand habe mit solchen Gedanken eines langjährigen Kollegen gerechnet. «Die Lehrperson sucht nach über 20 Jahren Tätigkeit an der Sekundarschule Oberwil eine neue Herausforderung», so Borer weiter.

Auch die Partnerin des Sek-Lehrers, eine Primarlehrerin, die ebenfalls in der SRF-Doku vorkommt, soll zurzeit keinen Unterricht mehr geben. Laut der «bz» sei dort das Verfahren aber noch nicht abgeschlossen. «Es war unser Wunsch, noch vor Weihnachten eine Entscheidung zu finden. Wir sind aber weiterhin intensiv daran, eine Lösung zu suchen», so die Schulratspräsidentin der Primarschule Blauen, Barbara van der Meulen.

«Aussagen aus dem Kontext gerissen»

Der betroffene Lehrer betonte gegenüber der «bz», dass seine Aussagen und die seiner Partnerin nicht mit ihrer Tätigkeit als Lehrpersonen zusammenhingen. Er habe sich in der Schule immer «hochprofessionell» verhalten. «Dass der Schulrat von der Sendung überrascht wurde, beweist ja, dass ich das Thema satanistische rituelle Gewalt nie in die Schule getragen habe», wird der Lehrer von der Zeitung zitiert.

«Die SRF-Journalisten haben unsere Aussagen völlig aus dem Kontext gerissen. Sie haben uns in die Irre geführt», sagte der Mann. Die Aussagen, die sie in der SRF-Doku getätigt hätten, seien im Zusammenhang mit dem Fall Nathalie gewesen, so der Lehrer. In der ausgestrahlten Version werde dies aber nicht klar. Der Fall Nathalie, bei dem es um mutmasslichen rituellen Missbrauch einer Achtjährigen durch ihren Vater geht, sorgte in der ganzen Schweiz für Aufsehen. Der Lehrer, der die Kindsmutter unterstützt, äusserte in diesem Fall schon öffentlich harsche Kritik an der Staatsanwaltschaft.

Bist du minderjährig und von sexualisierter Gewalt betroffen? Oder kennst du ein Kind, das sexualisierte Gewalt erlebt?

Hier findest du Hilfe:

Polizei nach Kanton

Kokon, Beratungsstelle für Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene

Beratungsstellen der Opferhilfe Schweiz

Pro Juventute, Beratung für Kinder und Jugendliche, Tel. 147

Bist du selbst pädophil und möchtest nicht straffällig werden? Hilfe erhältst du bei Forio und bei den UPK Basel.

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