Aktualisiert 04.03.2011 13:11

Livia und AlessiaVerschwundene Koffer und ein Frauenmantel

Die Mutter der verschollenen Livia und Alessia erklärt, weshalb die Zwillinge bei einer Frau sein könnten. Sie sprach am Fernsehen auch ausführlich über Matthias S.

von
rub/ann

Für Irina L. ergibt einiges im Entführungsfall ihrer Töchter keinen Sinn. Sie könne nicht glauben, dass ein Mann, der seine Kinder liebe, diese umbringe, sagte die Mutter dem italienischen Fernsehsender «Canale 5» am Sonntag: «Die Hoffnung stirbt zuletzt. Und solange ich die Kinder nicht sehe, kann ich es nicht glauben.»

Die Mutter führt weitere Elemente an, die sie am Tod von Livia und Alessia zweifeln lassen. So seien Koffer aus der Wohnung des Vaters Matthias S. verschwunden, der sich am 3. Februar bei Cerignola vor den Zug geworfen hatte. Niemand wisse, wo die Koffer seien.

Sie erinnerte sich auch, einen Frauenmantel in der Wohnung gesehen zu haben. «Eines ist sicher: Die Besitzerin des Mantels ist noch nicht gefunden», sagte Irina L. Keiner der Freunde ihres Ex-Mannes habe sagen können, dass Matthias S. eine Liebhaberin hatte. «Die Möglichkeit besteht weiterhin, dass er Livia und Alessia einer Person in Obhut gab.»

Wut und Verzweiflung erst in den Briefen

Irina L. gab auch Details über die Beziehung zu ihrem Mann nach der Scheidung preis. Er habe die Zwillinge immer sehen dürfen, wenn er das gewünscht habe. «Auch an Wochenenden, an denen sie bei mir bleiben sollten.» Ausserdem habe er sie auch an einem Tag unter der Woche gehabt. «Ich habe immer alles im Interesse der Mädchen gemacht, weil ihre Beziehung zum Vater wichtig ist», sagte sie am italienischen Fernsehen.

Getroffen hat sie auch, dass ihr Mann ihr gegenüber nie gesagt habe, was er in seinem Innern fühle. «Erst als jeder Kontakt abgebrochen war, äusserte er sich in seinen Briefen zum ersten Mal so heftig und verzweifelt», sagt sie. Seine wahren Gefühle habe er erst verraten, als er ihnen keine Chance mehr liess, etwas zu ändern.

Messe für Livia und Alessia

In Italien wurde am Sonntagnachmittag für die verschwundenen Zwillinge eine Messe gehalten. Gemäss der italienischen Nachrichtenagentur Ansa fand sie in der Kathedrale Saint Emidio in Ascoli Piceno statt: Die Mutter der Zwillinge stammt aus der Region Ascoli.

Der Bischof sprach über das Geschenk des Lebens und verlieh der Hoffnung Ausdruck, die beiden sechsjährigen Mädchen lebend wiederzufinden.

Minutiöse Suche nach Indizien

Jedes Detail ist hilfreich bei der Suche nach den Zwillingen aus Saint-Sulpice. Jedes Indiz, jede Spur wird verfolgt, seien sie noch so winzig oder schwach. Derzeit untersuchen die Spurensicherer in Rom einen Kugelschreiber.

Gefunden wurde er in Süditalien - nahe der Geleise, wo sich der Vater der Zwillinge vor den Zug geworfen hatte, teilte die Ansa am Samstag mit. Der Kugelschreiber trägt die Aufschrift «La Méridionale». Auf einer Fähre dieser Reederei ist der Vater von Frankreich nach Korsika gefahren.

DNS-Spuren auf Kugelschreiber?

Sollten auf dem Kugelschreiber DNS-Spuren der Zwillinge gefunden werden, würde dies gemäss Ansa bestätigen, dass die Zwillinge ebenfalls auf der Fähre von Marseille nach Propriano im Süden Korsikas waren. Zudem werden die Gleise nochmals Zentimeter für Zentimeter abgesucht, um weitere Überreste des Navigationsgeräts von Matthias S. zu finden. Der Vater der Zwillinge hatte es bei seinem Suizid offenbar auf sich getragen. Das Gerät war dabei stark zerstört worden.

Bis anhin konnte die Irrfahrt des Vaters nicht vollständig rekonstruiert werden. «Bis heute wissen wir nicht, wo die beiden Mädchen sind. Wir wissen nichts über ihr Schicksal», sagte der Marseiller Staatsanwalt Jacques Dallest zuletzt anlässlich eines Treffens der verschiedenen Ermittler am Mittwochmorgen in Marseille. (rub/ann/sda)

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