20 Jahre Prämien kassiert: Versicherung zahlte nach Einbruch nicht
Aktualisiert

20 Jahre Prämien kassiertVersicherung zahlte nach Einbruch nicht

In ein Marroni-Häuschen in Zürich ist eingebrochen worden. Die Versicherung wollte für den Schaden aber nicht aufkommen – obwohl die Besitzer seit 20 Jahren Prämien bezahlen.

von
Lea Blum
Christoph Stolpe vor dem Marronihäuschen am Utoquai, in das 2012 eingebrochen wurde.

Christoph Stolpe vor dem Marronihäuschen am Utoquai, in das 2012 eingebrochen wurde.

Seit fast 20 Jahren zahlt die Zürcher Marronigruppe Albisriederplatz und Utoquai der Zürich Versicherungsgesellschaft Prämien für den Einbruchsschutz ihrer Verkaufsstände. Als es 2012 tatsächlich zu einem Einbruch beim Stand am Utoquai kam, wollte die Zürich den entstandenen Schaden jedoch nicht bezahlen.

Die Begründung der Versicherung: Die Deckung Einbruchdiebstahl gelte nur, wenn «in ein Gebäude eingebrochen wird. Die Marronistände sind nicht als Gebäude zu betrachten», so die Versicherung in einem Schreiben an die Gruppe. Buchhalter und Marronibrater Christoph Stolpe verstand die Welt nicht mehr: «Wieso konnten wir eine Einbruchsversicherung abschliessen, wenn das Objekt gar nicht versichert werden kann?» Dass die Zürich Versicherungsgesellschaft fast 20 Jahre lang Prämien von der Marronigruppe kassiert und dann die Kosten für einen Schaden nicht übernehmen will, fand er «total ungerecht».

Alle Bemühungen erfolglos

In der Versicherungspolice, die seit 1994 besteht und jeweils alle fünf Jahre erneuert wurde, steht unter Gegenstand der Versicherung – Einbruchdiebstahl und Beraubung: «Marroni-Verkaufsstand samt Inhalt». Beim Einbruch wurde die Türe des Standes am Utoquai gewaltsam aufgebrochen, mehrere Marronisäcke gestohlen und insgesamt ein Sachschaden von etwa 1200 Franken angerichtet. «Für uns viel Geld – für die Zürich eine Lappalie», so Stolpe.

Über ein halbes Jahr lang stritt die Marronigruppe mit dem Konzern. «Das Ganze hat uns viel Zeit und Nerven gekostet», sagt Stolpe. Drei Sitzungen, einmal unter Einbezug eines Experten, und sogar die Anfrage bei einer Ombudsstelle nützten nichts. Die Versicherung wollte den Schaden nicht übernehmen.

Offerten von anderen Versicherungen

«Erst jetzt, als ich 20 Minuten kontaktiert habe, hat sich das Blatt gewendet», sagt Stolpe. Die Zürich will für den Schaden nun doch aufkommen. «Leider war unsere Kommunikation mit dem Kunden nicht klar genug. Wir haben uns dafür bei ihm entschuldigt und übernehmen den Schaden aus Kulanz», schreibt die Versicherung in einer Stellungnahme.

Stolpe ist froh, dass alles ein gutes Ende nimmt. Trotzdem ist er enttäuscht, dass die Zürich erst auf Druck von aussen einlenkte. «Ich werde mir auf jeden Fall Offerten von anderen Versicherungen ansehen.»

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