Finanzplatz Schweiz: Versicherungen bald wichtiger als Banken
Aktualisiert

Finanzplatz SchweizVersicherungen bald wichtiger als Banken

Die Schweiz ist ein Versicherungsland. Die Wertschöpfung der Branche wird für die hiesige Volkswirtschaft immer wertvoller. Bei den Banken sieht es anders aus.

von
Alex Hämmerli
Versicherungen wie die Mobiliar mit iherer eingängigen Werbung werden für die Schweiz immer wichtiger.

Versicherungen wie die Mobiliar mit iherer eingängigen Werbung werden für die Schweiz immer wichtiger.

Die Zahlen sprechen klare Worte: In den vergangenen zehn Jahren haben die hiesigen Versicherungen ihren Beitrag zur Wertschöpfung des Schweizer Finanzplatzes mehr als verdoppelt: Belief sich die Wertschöpfung von Zurich, Swiss Re, Bâloise & Co. im Jahr 2001 noch auf 12,3 Milliarden Franken, lag sie 2011 schon bei fast 25,7 Milliarden. Das zeigen Zahlen des Bundesamts für Statistik.

Die Wertschöpfung wuchs sogar während der Wirtschaftskrise ab 2008 munter weiter. Ganz anders bei den Banken: Betrug die Wertschöpfung der Schweizer Finanzdienstleister 2006, also vor Ausbruch der Krise, noch knapp 41 Milliarden, waren es im letzen Jahr weniger als 35 Milliarden. «Wir sprechen nicht umsonst von einer Finanzkrise, und nicht von einer Versicherungskrise», sagt Selma Frasa-Odok, Sprecherin des Schweizerischen Versicherungsverbands, zu 20 Minuten Online.

Den Erfolg der Versicherungen führt Frasa-Odok nicht auf gestiegene Umsätze (pro Jahr wachsen diese um ca. 3,5 Prozent), sondern vor allem auf deren vorbildliche Effizienz zurück: «Die Versicherungsbranche ist wohl der produktivste Wirtschaftszweig der Schweiz», sagt sie. Hato Schmeiser, Versicherungsexperte an der Uni St. Gallen, stimmt dem zu: Nach der Krise im Versicherungswesen ums Jahr 2001 herum habe die Branche umfangreiche Sparprogramme eingeleitet. Diese kommen nun zum tragen: Gemäss Schmeiser macht ein Versicherungsangestellter in der Schweiz im Schnitt mehr als eine Million Franken Umsatz. Zum Vergleich: Versicherungen haben derzeit rund 49 000 Arbeitsstellen geschaffen.

Automatisierung und Konsolidierung

Effizienter sind die Versicherungen laut Frasa-Odok vor allem dadurch geworden, dass heute viele administrative Vorgänge automatisiert ablaufen. Auch die Konsolidierung der Branche, also dass kleinere Versicherungen von der Konkurrenz geschluckt wurden, habe zu Synergieeffekten und dadurch letztlich zu mehr Effizienz geführt.

Branchenkenner Hato Schmeiser sieht die Versicherungen auch in Zukunft in einer guten Lage. «Wenn die Entwicklung so weiter geht, sind die hiesigen Versicherungen schon bald wichtiger als die Banken», sagt er. In Zukunft könnten wir also nicht mehr vom Bankenplatz Schweiz sprechen – sondern vom Versicherungsplatz.

Was ist Wertschöpfung?

Die Wertschöpfung ist – zumindest in einer Geldwirtschaft – das Ziel jeglicher produktiver Tätigkeit. In der Volkswirtschaftslehre ist Wertschöpfung wie folgt definiert:

Wertschöpfung = Produktionswert – Vorleistungen (z.B. Stromkosten oder Löhne) – Abschreibungen – Indirekte Steuern – Subventionen.

Die Wertschöpfung ist also quasi der Gewinn, den Unternehmen für die Allgemeinheit erwirtschaftet.

Anteile des Finanzplatzes (Finanzdienstleistungen und Versicherungen) am Bruttoinlandprodukt

Luxemburg: 28,3%

Singapur: 12,4%

Schweiz: 10,3%

Grossbritannien: 9,4%

USA: 8,3%

Deutschland: 5,2%

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