Instruktionen in Foren: Versicherungs-Betrug leicht gemacht
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Instruktionen in ForenVersicherungs-Betrug leicht gemacht

Versicherer kämpfen gegen ein neues Phänomen: In einschlägigen Internet-Foren häufen sich Anleitungen zum perfekten Versicherungsbetrug.

von
Elisabeth Rizzi
Wer eine Anleitung für den perfekten Versicherungsbetrug sucht, wird im Internet schnell fündig; sei es ein gestellter Unfall, ein vermeintlich kaputter Computer oder ein vorgetäuschter Einbruch.

Wer eine Anleitung für den perfekten Versicherungsbetrug sucht, wird im Internet schnell fündig; sei es ein gestellter Unfall, ein vermeintlich kaputter Computer oder ein vorgetäuschter Einbruch.

Wie leiste ich mir trotz klammer Kasse einen neuen Computer? Ganz einfach, ich hole mir das Geld von der Versicherung. Das sagen sich offenbar immer mehr Menschen. Die Anleitung dazu findet sich ja in Internet-Foren.

Da heisst es etwa: «Hallo zusammen, ich wollte fragen, ob jemand einen Vorschlag hat, wie man einen Laptop kaputtmacht (Hardware), sodass man nicht nachweisen kann, dass es mutwillig war. Sodass ich dann die Garantie in Anspruch nehmen kann. Hoffe, mir kann jemand einen guten Tipp geben. Mit freundlichen Grüssen.»

Und die Antwort: «Ist eigentlich Betrug, was du da vorhast. Aber ok. =) Versuch zur Platine zu kommen und verbinde einfach wild ausgewählte Lötstellen mit haarfeinem Kupferdraht. Mach dein Notebook wieder an; und wenn du es richtig gemacht hast entstand ein Kurzschluss => Notebook kaputt. Kupferdraht dann natürlich wieder entfernen.»

Kein Einzelfall

Diese Anleitung ist kein Einzelfall: «Wir können bestätigen, dass es immer mehr Foren für Versicherungsbetrug gibt», sagt etwa Bernd de Wall, Sprecher der Allianz Suisse. «Das Phänomen ist bis anhin vor allem in Deutschland aufgetreten», ergänzt Andreas Notter, Sprecher der Helvetia-Versicherung.

Aber das Internet macht nicht vor den Schweizer Grenzen halt: «Durch das Internet werden Informationen auch zum Thema Versicherungsbetrug schneller verbreitet und können leichter ausgetauscht werden», gibt Zurich-Sprecher Lukas Meermann zu bedenken. Und deshalb verfolgen die Versicherer in der Schweiz die betrügerischen Tipps-Börsen im Internet sehr genau.

Rechtlich sind die Foren schwer zu bekämpfen. «Unterbinden lässt sich das kaum, solange sich die Betreiber solcher Portale im Ausland befinden», erklärt Notter. Kommt noch hinzu, dass es schwierig ist, User eines Forums zu identifizieren. «Und es muss natürlich auch die Verhältnismässigkeit für rechtliche Schritte gegeben sein», so de Wall. Bislang haben die angefragten Schweizer Versicherer deshalb noch keine rechtlichen Schritte gegen Betrügerforen unternommen. Obwohl: Sollte jemand erwischt werden, dann gilt allein die Verleitung zu Betrug als Straftat und hätte entsprechende strafrechtliche Konsequenzen für den User.

Wiederholung macht verdächtig

In der Tat hat das Internet laut den Versicherungsexperten aber nicht zu einer exponentiell steigenden Betrugsrate geführt. Nach wie vor geht die Branche davon aus, dass rund 10 Prozent der Schadenfälle einen unehrlichen Hintergrund haben. Ebenso führen die Tipps aus dem Internet vermutlich auch nicht zu einer stark steigenden Erfolgsquote von Betrügern.

Im Gegenteil: Wer sich schlau glaubt und im Internet den heissen Tipp für den perfekten Versicherungsbetrug sucht, kann böse auf die Nase fliegen. «Pauschalrezepte im Internet machen es unserer Betrugsbekämpfung tendenziell einfacher, weil sich wiederholende Fälle grundsätzlich verdächtig sind», gibt Notter zu bedenken.

Und auch de Wall bestätigt: «Wenn im Internet eine aussergewöhnliche Betrugsanleitung auftaucht, vergleichen wir diese durchaus mit aktuellen Schadenmeldungen und werden gegebenenfalls aktiv.»

Meermann meint: «Wir lernen ebenfalls aus dem Internet und können zudem grundsätzlich festhalten, dass man sich auf Foren häufig Illusionen macht über die Wirksamkeit und Schläue der abgegebenen Tipps.»

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