«Versöhnungstreffen» der Palästinenser soll Machtkampf beenden
Aktualisiert

«Versöhnungstreffen» der Palästinenser soll Machtkampf beenden

Die verfeindeten Palästinenserorganisationen Fatah und Hamas wollen ihren blutigen Machtkampf mit einem «Versöhnungstreffen» in Mekka beilegen.

Führende Politiker beider Gruppen reisten am Dienstag zu Verhandlungen nach Saudi-Arabien.

Das Treffen über eine geplante Einheitsregierung findet unter der Schirmherrschaft von König Abdullah statt. Offizielle Gespräche sollten spätestens am Mittwoch beginnen. Auf Fatah-Seite reiste unter anderem Palästinenserpräsident Mahmud Abbas an, auf Hamas Seite Ministerpräsident Ismail Hanija und der Exilchef der Organisation, Chaled Maschaal.

Nach palästinensischen Angaben haben sich die Positionen beider Seiten im Vorfeld des Treffens bereits angenähert. Wie es hiess, habe Hamas unter anderem die Bereitschaft bekundet, einen unabhängigen Innenminister zu akzeptieren und die mit Israel unterzeichneten Friedensverträge zu respektieren.

Beobachter in den Palästinensergebieten äusserten sich dennoch skeptisch über die Erfolgsaussichten des Treffens. Die monatelangen zähen Verhandlungen über eine Einheitsregierung waren bislang immer wieder gescheitert. Das grösste Hindernis war die Weigerung der islamischen Hamas, das Existenzrecht Israels anzuerkennen.

«Feinde der islamischen Nation profitieren»

König Abdullah hatte vor dem Treffen erklärt, die palästinensischen Führer müssten sich ihrer Verantwortung mit Blick auf die «arabische Sache und den Islam» bewusst sein. Von dem Bruderkrieg profitierten nur «die Feinde der islamischen Nation».

Bei Kämpfen zwischen der radikalislamischen Hamas und der Fatah von Abbas waren im Gazastreifen allein Ende vergangener Woche 27 Palästinenser getötet und hunderte weitere verletzt worden. Seit Sonntag herrscht erneut eine brüchige Waffenruhe.

Die Europäische Union kündigte an, die Bemühungen der rivalisierenden Palästinensergruppen nach Kräften zu unterstützen. «Wir werden alles in unserer Macht Stehende tun, um diese Gespräche erfolgreich zu gestalten», sagte die EU-Ratsvorsitzende und deutsche Kanzlerin Angela Merkel.

Merkel weilte am Dienstag zum Abschluss einer Nahostreise im arabischen Golfemirat Kuwait.

Proteste am Tempelberg

In Jerusalem hat am Dienstag ein bedeutender islamischer Würdenträger die Palästinenser aufgerufen, gegen geplante Arbeiten an einem Zugang zum Tempelberg in Jerusalem Widerstand zu leisten.

Israelische Bulldozer seien bereits auf dem Weg zu dem islamischen Heiligtum, sagte Scheich Taissir al-Tamimi im Fernsehsender El Dschasira. Die Arbeiten bedrohen seinen Angaben zufolge die Fundamente des Tempelbergs.

Jordanien legte bei der israelischen Regierung Protest ein. Syrien verurteilte die Arbeiten scharf. Israelische Behörden bestätigten, sie wollten den bei einem Unwetter zerstörten Zugang ausbauen. (sda)

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