Bundesliga-Knüller: Verspielt Heynckes seine Zukunft?
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Bundesliga-KnüllerVerspielt Heynckes seine Zukunft?

Bayer Leverkusen muss am Sonntag bei Bayern München antreten. Für Gästetrainer Jupp Heynckes eine Partie mit besonderen Umständen. Nächste Saison trainert er den Gegner.

von
Herbie Egli
Jupp Heynckes und das schwere Auswärtsspiel mit Leverkusen in München. (Bild: Keystone/AP)

Jupp Heynckes und das schwere Auswärtsspiel mit Leverkusen in München. (Bild: Keystone/AP)

Noch-Leverkusen-Trainer Jupp Heynckes ist in der Zwickmühle. Sein Verein liegt als klarer Tabellenzweiter auf direktem Champions-League-Kurs. Bayern – sein Arbeitgeber ab nächster Saison – ist dafür nur auf Rang 4 klassiert. Dieser berechtigt lediglich zur Teilnahme an der wenig lukrativen Europa-League-Qualifikation. Gewinnt Leverkusen das Schlagerspiel, wird Bayern eventuell entscheidend zurückgebunden. Wenn das drittplatzierte Hannover heute auswärts gegen den HSV siegt, beträgt der Rückstand der Bayern auf den dritten Platz - der wenigstens noch die Qualifikation für die Champions League bedeutet - schon vier Punkte. Den Münchnern blieben dann nur noch vier Spiele, um die missliche Lage zu korrigieren.

Dass die Partie gegen Bayern unter einem besonderen Stern steht, war natürlich auch vereinsintern ein Thema. «Der Trainer geht sehr professionell an dieses Spiel heran. Er hat das Thema diese Woche in der Mannschaft angesprochen», sagt Tranquillo Barnetta zu 20 Minuten Online. «Heynckes betonte auch, dass er ein Profi sei und bis zum letzten Tag alles für Leverkusen gebe.» Beim «Pillenklub» setzt man alles daran, dass man die direkte Champions-League-Qualifikation unbedingt schafft. Mit einem Sieg gegen Bayern wäre man diesem Ziel einen Schritt näher. Doch ein Blick in die Statistik zeigt, dass dies nicht einfach wird. Der letzte Leverkusener Sieg in München liegt über 20 Jahre zurück. Im Oktober 1989 gewann Bayer 1:0. Trainer der Bayern war damals ein gewisser Jupp Heynckes …

«Dann springe ich vor Freude an die Decke»

Für Heynckes zählt derzeit nicht seine Bayern-Zukunft, sondern seine Bayer-Gegenwart. «Das Stadion, der Gegner, die Konstellation - das alles ist faszinierend. Bayern ist Rekordmeister, Branchenführer, das heisst, dass wir noch eine Schippe drauflegen müssen. Und dass ich Trainer von Bayer bin, wir neun Punkte Vorsprung haben und die Bayern um Platz drei kämpfen, macht die Sache zusätzlich interessant», sagte der 65-Jährige. Sein Tipp für «das ganz gewöhnliche Spiel» lautet: «Wir gewinnen 2:1. Und dann springe ich vor Freude an die Decke!»

Wurde «Vizekusen» zu früh geschützt?

Leverkusen bietet sich weiterhin auch die Chance auf den Meistertitel. Nach dem Patzer von Borussia Dortmund in der letzten Runde gegen den HSV (1:1) hat Bayer den Rückstand auf den Tabellenführer auf fünf Punkte verringert. Falls Dortmund auch gegen Freiburg strauchelt und Leverkusen einen weiteren Dreier einfährt, wird es nochmals richtig spannend im Meisterrennen. Vielleicht hatte Leverkusen das Wort «Vizekusen» letztes Jahr zu früh patentieren lassen, weil der Verein oft Zweiter wurde.

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