Aktualisiert 21.03.2019 08:50

Aargauer Grossrätin

Versprach «Blick» SVP-Frau Wahl für Bikinifotos?

«Izzy» führte einen SVP-Politiker vor. Nun rechnet SVP-Wahlkampfleiter Alfred Heer mit dem Verlag ab und erhebt schwere Vorwürfe gegen den «Blick».

von
pam

Auf TeleZüri eskalierte am Dienstagabend der Konflikt zwischen dem Medienhaus Ringier und der SVP. In der Sendung «Talk Täglich» stritten SVP-Nationalrat Alfred Heer und «Blick»-Chefredaktor Christian Dorer über die Frage, ob «Izzy»-Redaktor Cedric Schild – sein Format gehört wie die «Blick»-Gruppe zu Ringier – einen SVP-Kantonsratskandidaten zu Wahlbetrug angestiftet habe.

SVP-Wahlkampfleiter Heer verurteilte die Aktion und tobte, während Dorer den «Coup» lobte und die verdeckte Recherche mit der Aufdeckung eines Missstandes rechtfertigte. Dann ging Heer zum Angriff über.

SVP-Heer kritisiert «Blick»-Chef Christian Dorer scharf

«Ich frage Sie jetzt noch etwas», sagte Heer zu Dorer. «Was würden Sie sagen, wenn jemand einer jungen SVP-Nationalratskandidatin sagt, wenn man ein Foto von ihr machen könne, würde er sie wählen? Was ist das für Sie?» Dorer wich aus und erklärte: «Ich verstehe die Frage nicht.» (siehe Video)

Heer insistierte und wurde laut. «Ich weiss, warum Sie die Frage nicht beantworten wollen», führte er aus: «Weil ein ‹Blick›-Redaktor einer jungen Kandidatin unserer Partei sagte, wenn er sie im Bikini fotografieren dürfe, dann schaue er im ‹Blick› dafür, dass sie gewählt werde.» Wenn Dorer das abstreite, werde die SVP das noch belegen, sagte Heer.

Auf Anfrage von 20 Minuten will sich Alfred Heer nicht weiter äussern. Verschiedene Aargauer SVP-Exponenten bestätigen gegenüber 20 Minuten, dass es sich bei der Kandidatin um SVP-Grossrätin Karin Bertschi handelt, über die der «Blick» regelmässig berichtet hat.

Jüngst erschienen etwa Artikel mit dem Titel «Müll-Prinzessin rezykliert ihr Hochzeitskleid», «SVP-Bertschi zeigt Herz für Büsi-Besitzer» oder «So schön macht sie die Liebe». Im Oktober schloss Bertschi eine Nationalratskandidatur aus.

SVPler bestätigen «Blick»-Angebot

Bertschis Parteikollegen berichten übereinstimmend, dass sie vor etwa zwei Jahren nach der Wahl zur Grossrätin das besagte Angebot vom «Blick» erhalten und abgelehnt habe. Jean-Pierre Gallati, SVP-Fraktionschef im Aargauer Grossrat, sagt: «Mit solchen Fotos habe ich kein Problem. Der ‹Blick› ist der ‹Blick›.» Was sagt SVP-Nationalrat Heer zu dieser Haltung? Kein Kommentar.

Karin Bertschi selbst war am Mittwoch für 20 Minuten nicht zu erreichen. Auf Anfrage schreibt ein Ringier-­Sprecher lediglich: «Der Vorwurf trifft nicht zu.»

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