Pishyar in New York: Versteckt sich Servettes Pleitier vor der Justiz?
Aktualisiert

Pishyar in New YorkVersteckt sich Servettes Pleitier vor der Justiz?

Während der Genfer Fussballklub vor dem Konkurs steht, weilt dessen Ex-Präsident Majid Pishyar in Manhattan. Er macht keine Anstalten, demnächst zurückzukommen.

von
Antonio Fumagalli

Er sprach vom Meistertitel in den nächsten Jahren und wollte aus dem FC Servette ein neues Manchester United machen: Majid Pishyar, der steinreiche Unternehmer aus dem Iran. Gestern haben sich seine vollmundigen Ankündigungen in Luft aufgelöst oder sind zumindest weiter entfernt von der Realität, als sie es je waren. Olivier Péclard, sein Genfer Anwalt, musste vor dem Genfer Bezirksgericht die Bilanz des FC Servette deponieren – angewiesen von Pishyar, der in Manhattan, New York.

Wie kann es sein, dass der Kapitän aus der Ferne verfolgt, wie sein Schiff langsam untergeht? Man fühlt sich an die Costa Concordia erinnert. «Ich gebe zu, dass es aus kommunikativer Sicht wohl Sinn machen würde, wenn er sich in Genf befinden würde», sagt Péclard gegenüber 20 Minuten Online. Für die nun anstehenden Aufgaben – namentlich die Suche nach potenten Geldgebern – sei Pishyars «physische Präsenz allerdings nicht unbedingt notwendig», so der Anwalt.

Flucht vor der Schweizer Justiz?

Fürchtet der Iraner das gleiche Schicksal wie Xamax-Todesritter Bulat Tschagajew, der wegen des Vorwurfs der ungetreuen Geschäftsführung in Handschellen der Neuenburger Staatsanwaltschaft vorgeführt wurde und seither in Untersuchungshaft sitzt? «Derzeit liegen keine juristischen Gründe vor, die Herrn Pishyar davon abhalten könnten, in die Schweiz einzureisen», sagt Jurist Péclard. Servette-Sprecher Shahïn Ammane doppelt nach: «Majid Pishyar besitzt mehrere Unternehmen in der Schweiz. Die lässt er nicht einfach so links liegen.»

Der 57-Jährige weilt offenbar seit Wochen ennet des grossen Teichs. Aus dem Umfeld des Klubs ist zu vernehmen, dass es zwischenzeitlich äusserst schwierig gewesen sei, ihn persönlich zu erreichen. Auch Cédric Tonoli, der als letzter verbliebener Verwaltungsrat am Mittwoch das Handtuch warf, bläst ins gleiche Horn. Auf die Frage von «Le Matin», ob er von Pishyar Neuigkeiten habe, antwortet er knapp: «Nein.»

Dort, wo meine Geschäfte sind

Ein Redaktor der Westschweizer Wochenzeitschrift «L'Hebdo» hat sich deswegen nach New York begeben – und wurde vom Iraner im geschichtsträchtigen Rockefeller Center im Herzen Manhattans empfangen. «Ich begebe mich jeweils dorthin, wo mich meine Geschäfte hinziehen», sagt er. Und das sei derzeit eben in der amerikanischen Finanzmetropole. Mit verbittertem Unterton bedauert er, dass er seit drei Jahren die Genfer Geschäftsleute und die Behörden auffordere, sich ebenfalls an ihrem Stadtklub zu beteiligen – ohne Erfolg.

So bleibt Pishyar, der mit der Bilanzniederlegung sein Engagement bei Servette per sofort beendet hat, in den USA. Und macht offenbar auch keine Anstalten, daran etwas zu ändern. Anwalt Péclard: «Ich gehe nicht davon aus, dass er demnächst nach Genf reisen wird.»

Deine Meinung