Glarus: Verstecktes Ruinen-Dorf wird plötzlich neu entdeckt
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GlarusVerstecktes Ruinen-Dorf wird plötzlich neu entdeckt

Vor über 100 Jahren wohnten Gastarbeiter drin, heute ist es verlassen: Kaum einer weiss, wo das Klöntaler Ruinen-Dorf liegt. Doch nun erlebt es einen Aufschwung.

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mig
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Das Dorf Unterwäldli im Klöntal beherbergte einst Gastarbeiter aus Italien.

Das Dorf Unterwäldli im Klöntal beherbergte einst Gastarbeiter aus Italien.

Sammlung Fritz Weber
Die Arbeiter waren beim Bau des Kraftwerks bei dem Klöntalersee von 1905 bis 1908 beschäftigt.

Die Arbeiter waren beim Bau des Kraftwerks bei dem Klöntalersee von 1905 bis 1908 beschäftigt.

Keystone/Roland Schuler
Heute ist das Dorf eine Ruine.

Heute ist das Dorf eine Ruine.

Südostschweiz

Es ist einer von diesen Orten, der gleich um die Ecke liegt und trotzdem kaum bekannt ist. So sei es bei der Ruine beim Kraftwerk am Löntsch im Klöntal gewesen, sagt der ehemalige Netstaler Revierförster Jakob Leuzinger. Er hatte erst kürzlich die Ruine mit Aussagen in lokalen Medien wieder bekannter gemacht. Zuvor hätten selbst die Leute in der Gegend nichts von der Ruine gewusst, sagte er am Montag gegenüber der «Südostschweiz». Heute zieht das Ruinen-Dorf wieder mehr und mehr Interessierte an.

Heute wird der 70-Jährige täglich auf das vergessene Dorf im Glarnerland angesprochen. Entdeckt hatte Leuzinger die Ruine per Zufall. Mittlerweile ist die ehemalige Siedlung von italienischen Gastarbeitern vom Wald verschluckt.

Fasziniert vom Bau

«Wir haben vor 45 Jahren Aufnahmen für die Dokumentierung des Waldes gemacht. Dabei sind wir per Zufall auf die Ruine gestossen», sagt er gegenüber 20 Minuten. Seither ist der ehemalige Förster fasziniert von dem Bau.

Der Bau der Siedlung liegt weit zurück und hängt mit dem Kraftwerk am Löntsch zusammen. Dieses gibt es seit 1908. Folglich wurden die Häuser vor über 100 Jahren gebaut. «In der Siedlung steckt noch richtige Handarbeit. Stein für Stein wurde zusammengetragen. Die Stützmauer hat noch heute eine Länge von 25 Metern», weiss er. Es sei faszinierend, dass die Mauer auch ohne Beton noch immer halte. Fast schon nostalgisch fügt er an: «Heute stehen neben Baustellen nur noch Baucontainer. Damals hatte man sich noch Zeit genommen und eine ganze Siedlung aufgebaut.»

Gelebt haben in der Siedlung gegen 50 Arbeiter. Erreichbar war sie über einen Maschinenweg von Schuttbergen her, den es heute noch gibt (siehe Box) oder per Seilbahn. Nur noch einige wenige Personen können zu der Ruine Auskunft geben. Die Gastarbeiter sind schon lange weggezogen und die Zeitzeugen mittlerweile verstorben.

Italiener-Dörfli im Felsen

Die Siedlung mitten im Wald hat aber heute etwas Mystisches. Für den 70-jährigen ist es mehr wie «ein kleines Italiener-Dörfli» in einem Felsen. Erst vor rund einem Monat sei er zum letzten Mal dort gewesen. Für ihn steckt auch in der Ruine noch immer viel Herzblut.

Seit 2011 ist er nicht mehr Netstaler Revierförster. Doch auch acht Jahre danach kümmert sich Leuzinger um den Wald. Er hat den Wanderweg bei der Ruine sicherer gestaltet. Auf einem steilen Abstieg hat er eine Handvoll Holzprügel quer hingelegt und eine vier Meter lange Kette installiert. Denn wo bis vor kurzem kaum jemand anzutreffen war, ist jetzt nach über 100 Jahren wieder reger Betrieb.

Weg zum Ruinen-Dörfli:

Die Ruine ist per ÖV und Fussweg erreichbar. Laut Jakob Leuzinger, dem ehemaligen Netstaler Revierförster, ist das Dorf einfach zu erreichen. Man steigt bei der Postauto-Haltestelle Löntschtobelbrücke aus. Anschliessend führt der Weg 300 Meter auf der Klöntalerstrasse Richtung Stausee. Dann nimmt man ein kleines Strässchen rechts und am Fuss des Schlattbergs gehts Richtung ein Uhr in den Wald hinein. Von der Posthaltestelle dauert der Weg rund 30 Minuten, so Leuzinger.

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